Bentham, der Philosoph – und die „Ewigkeitschemikalien“, die seine Namensgeber-Stadt vergiften
Diese Woche liegt eine bittere Ironie über der nordenglischen Stadt Bentham in North Yorkshire. Sie teilt ihren Namen mit einem der radikalsten Denker Großbritanniens – einem Mann, besessen von Sichtbarkeit, gesellschaftlichem Nutzen und der Struktur von Beweisen. Und doch sehen sich die Einwohner plötzlich im Kampf gegen etwas völlig Unsichtbares: eine giftige Mischung aus PFAS, den sogenannten „Ewigkeitschemikalien“, die lautlos durch ihr Blut fließt.
Die letzte Woche veröffentlichten Blutwerte, die einer schockierten Gemeinde präsentiert wurden, bestätigten, was viele befürchtet hatten. Bei den Bewohnern wurden hohe Konzentrationen dieser synthetischen Verbindungen gefunden, die seit Jahrzehnten in Industrie- und Verbraucherprodukten verwendet werden. Hier geht es nicht um eine kleine Auffälligkeit. Es handelt sich um Werte, die normalerweise mit direkter beruflicher Exposition verbunden sind – nicht mit dem Leben in einer scheinbar ruhigen Kleinstadt. Eine kürzlich ausgestrahlte Fernsehdokumentation hat das Licht des öffentlichen Interesses nur noch heller auf den Ort gerichtet und den Rest des Landes zum Nachdenken gezwungen: Wenn es in Bentham passiert, wo sonst noch?
Da kommt einem unweigerlich der Mann selbst in den Sinn, Jeremy Bentham. Sein philosophisches Projekt, das er vor allem mit seiner Arbeit über das Panoptikum berühmt machte, drehte sich darum, Dinge sichtbar zu machen. Die zentrale Idee war, dass die ständige Möglichkeit, beobachtet zu werden, Disziplin erzwingen würde. Doch hier ist es umgekehrt. Die „Gefangenen“, wenn man so will, sind die Bewohner, gefangen in einer Umgebung, in der die Gefahr unsichtbar ist. Der „Wächter“ ist eine gesichtslose industrielle Vergangenheit, und die Daten – diese Blutwerte – sind das Einzige, was das Unsichtbare sichtbar macht. Es ist eine perfide Verdrehung des Konzepts der Transparenzgesellschaft, mit dem sich moderne Philosophen auseinandersetzen. Wir fordern Transparenz von unseren Institutionen, doch erst jetzt beginnen wir zu erkennen, welches chemische Erbe sie in unseren eigenen Körpern hinterlassen haben.
Das bringt den Philosophen Auguste Comte und den Positivismus des 19. Jahrhunderts in Erinnerung. Comte glaubte fest daran, dass sich die Gesellschaft von wissenschaftlichen Fakten leiten lassen sollte, nicht von metaphysischen Spekulationen. Nun, die Einwohner von Bentham haben die Fakten jetzt. Sie haben die Blutwerte, die wissenschaftlichen Daten. Aber was nützt der Positivismus, wenn die Daten ein Problem offenbaren, für das es keine einfache Lösung gibt? Man hat die empirische Wahrheit – die PFAS-Werte sind gefährlich hoch –, aber bleibt in einer moralischen und politischen Grauzone zurück. Die Wissenschaft hat ihre Arbeit getan; jetzt versagt die Gesellschaft bei der Reaktion.
Neulich abend blätterte ich in einer Ausgabe von Das Buch der toten Philosophen – eine eher morbide, aber großartige Lektüre, die einen daran erinnert, dass die meisten Denker entweder durch Gift oder Politik ihr Ende fanden. Bentham selbst ließ natürlich seinen Körper konservieren, der heute im University College London ausgestellt ist – ein echtes Relikt seiner eigenen Philosophie. Ein krasser Gegensatz zu den Bewohnern von Bentham heute, die quicklebendig sind und Antworten fordern, nicht als Fußnote in einer zukünftigen Ausgabe jenes Buches enden wollen – aufgrund einer schleichenden Umweltvergiftung.
Wenn man sich in die Geschichte dieser Chemikalien vertieft, merkt man, dass ihre Tentakel weit reichen. Es geht nicht nur um eine einzelne Fabrik in der Region. Es geht um die gesamte Industriekette, die Löschschäume auf nahegelegenen Militärstützpunkten, die wasserabweisenden Mittel, die Antihaftbeschichtungen. Die Verbindungen zur akademischen und kommerziellen Forschung sind undurchsichtig, aber man wird oft eine Verbindung zu Einrichtungen wie den Bentham Science Publishers finden, was – obwohl weder mit der Stadt noch dem Philosophen verwandt – einen größeren Punkt zur Kommerzialisierung von Wissen unterstreicht. Jahrzehntelang war die Wissenschaft hinter diesen Chemikalien unter Verschluss, die Gesundheitsauswirkungen wurden heruntergespielt, während mit den Patenten riesige Vermögen gemacht wurden.
Wie ist also die Stimmung vor Ort? Ich habe mit Leuten in den Pubs rund um High Bentham gesprochen, und die Stimmung wandelt sich von Verwirrung zu einer kalten, harten Wut. Es ist diese Art von Wut, die aufkommt, wenn man erkennt, dass die Systeme, die einen schützen sollten, einen über Generationen hinweg im Stich gelassen haben.
Das beschäftigt die Menschen derzeit:
- Die Wasserversorgung: Jeder fordert detaillierte Tests. Ist es das Leitungswasser? Das Grundwasser? Wir brauchen eine vollständige hydrogeologische Karte der Kontamination, nicht nur pauschale Beschwichtigungen.
- Die Immobilienwerte: Es herrscht eine leise Panik. Wer kauft schon ein Haus in einer Stadt, die mit dem Etikett „Ewigkeitschemikalie“ behaftet ist? Das ist ein finanzielles Damoklesschwert über jeder Familie.
- Das Gesundheitsregister: Die Einwohner drängen auf ein langfristiges Gesundheitsmonitoring. Sie wollen keinen einmaligen Test, sondern eine dauerhafte, staatlich finanzierte medizinische Überwachung für die nächsten 30 Jahre.
Dies ist nicht nur eine Geschichte über Chemikalien. Es ist eine Geschichte über die Kluft zwischen den aufklärerischen Idealen von Rationalität und Transparenz und der chaotischen, toxischen Realität des Industriekapitalismus. Jeremy Bentham glaubte an das größte Glück für die größte Zahl. Aber wenn man sich die Blutwerte aus der Stadt ansieht, die seinen Namen trägt, fällt es schwer, nicht zu dem Schluss zu kommen, dass über Jahrzehnte das Glück einiger weniger Industrieller über die Gesundheit der Vielen gestellt wurde.
Die Dokumentation hat ihre Aufgabe erfüllt: Sie hat die Menschen wachgerüttelt. Aber Aufwachen ist nur der erste Schritt. Die Bewohner von Bentham stehen nun vor der langen, mühsamen Aufgabe, ein Chaos zu beseitigen, das sie nie verursacht haben. Sie fordern Transparenz, verlassen sich auf die Wissenschaft und kämpfen für eine Zukunft, die nicht von einem chemischen Erbe bestimmt wird. Es ist die dringendste, und vielleicht die menschlichste, philosophische Auseinandersetzung, die man heute in Großbritannien erleben kann.