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Krieg zwischen den USA und Iran: Darum wurde Chark-Insel bombardiert – und was jetzt passiert

Ausland ✍️ Johan Fredriksson 🕒 2026-03-15 01:04 🔥 Aufrufe: 2
Rauch steigt über Zielen im Iran nach amerikanischen Luftangriffen auf

Es deutet vieles auf eine neue Phase im Krieg zwischen den USA und dem Iran hin. Spät am Freitagabend schweizerischer Zeit griffen die USA die strategisch wichtige Ölinsel Chark an, die vor der iranischen Küste im Persischen Golf liegt. Während der Rauch noch dicht über dem Gebiet liegt, zeichnet sich das Bild eines Konflikts ab, der sich rasant zuspitzt – und von dem niemand so recht weiss, wo er enden wird.

Die Insel Chark: Irans Öl-Herz im Visier

Präsident Donald Trump bestätigte die Angriffe selbst auf Truth Social und schrieb, man habe "alle militärischen Ziele" auf der Insel Chark getroffen. Die Insel ist das absolute Zentrum der iranischen Wirtschaft – etwa 90 Prozent des gesamten iranischen Rohölexports laufen über sie. Trump betonte bewusst, dass man sich entschieden habe, die Ölinfrastruktur selbst nicht zu bombardieren, zumindest noch nicht. Aber die Drohung liegt in der Luft: Sollte jemand versuchen, die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus zu stören, dann "werde ich diese Entscheidung umgehend überdenken".

Für uns, die wir den Konflikt im Nahen Osten seit Jahren verfolgen, ist das eine klassische Machtdemonstration. Die USA zeigen, dass sie jederzeit das Herz der iranischen Exporterlöse treffen können. Gleichzeitig ist es ein Balanceakt. Irans oberster Führer, Ajatollah Khamenei, ist bereits Anfang März gestorben, getötet bei einem israelisch-amerikanischen Angriff, und das Land hat Vergeltung geschworen. Die Frage ist nicht, ob der Iran reagieren wird, sondern wie.

Der Hintergrund: Vom Zwölf-Tage-Krieg zur heutigen Pattsituation

Dies ist kein isoliertes Ereignis. Wir befinden uns in einer Phase, vor der viele Experten, nicht zuletzt hier bei uns von der Forschungsanstalt für Verteidigung, seit langem warnen. Alles begann ernsthaft im Juni 2025 mit dem, was bereits als Zwölf-Tage-Krieg bezeichnet wird. Israel griff am 13. Juni das iranische Atomtechnologieprogramm an, und in der Schlussphase traten die USA an Israels Seite ein und bombardierten drei grosse Atomanlagen, darunter Fordo, das in einen Berg gebaut ist.

Seitdem herrschte ein Krieg geringer Intensität mit sporadischen Angriffen. Aber Ende Februar dieses Jahres eskalierte die Lage erneut. Zuerst schalteten die USA die iranische Luftverteidigung aus, dann deren Raketen- und Drohnenfähigkeiten. Und nun also der Angriff auf Chark. Es ist eine systematische Demontage der iranischen Militärmacht.

So könnte der Iran reagieren – und warum das gefährlich ist

Die kurzfristige Bedrohung betrifft derzeit US-Soldaten und -Einrichtungen in der Region. Der Iran hat sowohl die Fähigkeit als auch den Willen, zurückzuschlagen. Denken Sie daran:

  • Die USA haben etwa 40'000 Soldaten im Nahen Osten stationiert – von Irak und Kuwait bis nach Katar und Saudi-Arabien. Sie alle sind potenzielle Ziele.
  • Die Strasse von Hormus ist der Nadelöhr, durch den ein grosser Teil des weltweiten Öls transportiert wird. Schon jetzt ist der Ölpreis volatil. Wenn der Iran versucht, die Meerenge zu blockieren oder Tanker anzugreifen, dann sprechen wir von einem globalen Wirtschaftsschock.
  • Verbündete Milizen, wie die Hisbollah im Libanon oder schiitische Milizen im Irak, könnten aktiviert werden, um US-Ziele anzugreifen. Am Wochenende wurde bereits ein Angriff auf die US-Botschaft in Bagdad gemeldet.

Gleichzeitig ist der Iran geschwächt. Ihre Luftverteidigung ist grösstenteils weg, und die Fähigkeit, Israel mit Raketen zu schädigen, hat sich als begrenzt erwiesen – die meisten wurden bereits während des Zwölf-Tage-Krieges von der Flugabwehr abgeschossen. Das führt viele Beobachter zu der Annahme, dass es eine asymmetrische Antwort geben wird. Vielleicht nicht morgen, aber später. "Wenn sich der Rauch gelegt hat, werden sie zu den Taktiken greifen, die für sie über die Jahre am besten funktioniert haben: Terrorismus und asymmetrische Kriegsführung", wie es kürzlich ein USA-Experte ausdrückte.

Was passiert jetzt? Grosse Politik und überraschende Allianzen

Hier bei uns in der Schweiz verfolgen sowohl Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter (FDP) und andere Bundesratsmitglieder die Entwicklung genau. Offizielle Stellungnahmen stehen noch aus, die Lage wird jedoch genau beobachtet. Generell zeigt man sich besorgt über die Eskalation. Auf internationaler Ebene tut sich einiges.

China, das wichtigster Verbündeter und grösster Ölkunde des Iran war, hat sich bisher nur mit diplomatischen Verurteilungen geäussert. Von militärischer Unterstützung ist nichts zu sehen. Manche Analysten meinen, genau das wolle Washington erreichen. Indem man den Iran zerschlage, zeige man der ganzen Welt, nicht zuletzt Chinas anderen Verbündeten wie Kuba oder Venezuela, dass die Grossmacht Peking nicht zur Rettung eilt, wenn es wirklich darauf ankommt. Dann könnten die USA in Ruhe ihren militärischen Fokus auf den Pazifikraum und den Kampf gegen China verlagern.

Der Krieg gegen den Iran ist also viel mehr als ein Krieg gegen den Iran. Es ist ein Spielstein in einem viel grösseren globalen Spiel. Und wie die Geschichte lehrt, haben solche Spiele oft unbeabsichtigte Folgen. Die Frage ist nur, welche es diesmal sein werden.