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Iran-USA-Konflikt: Die angekündigte Eskalation – wie Teheran die Golfstaaten in den Krieg hineinzieht

Nahost ✍️ Karim Khoury 🕒 2026-03-13 03:31 🔥 Aufrufe: 2

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Café in Scharm el-Scheich oder Dubai und blicken aufs Meer. Noch vor ein paar Wochen wäre das Bild von friedlichen Tankern und dem klaren Blau des Golfs geprägt gewesen. Heute? Die Strasse von Hormus ist zum Pulverfass geworden, und alle fragen sich, wo die nächste iranische Drohne einschlagen wird. Der Iran-USA-Konflikt hat eine neue, brandgefährliche Stufe erreicht. Während US-Präsident Donald Trump tatsächlich verkündet, der Krieg sei so gut wie gewonnen, kochen die Emotionen in der Region über – und die Verbündeten Washingtons stehen im Regen.

Sitzung des UNO-Sicherheitsrates zur Eskalation am Golf

Trumps "Sieg" und die Realität vor Ort

"Es gibt praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte", liess Trump über einen US-Nachrichtendienst ausrichten. Eine gewagte These, wenn man bedenkt, dass die USA selbst zugeben, über 5000 Ziele im Iran bombardiert zu haben. Klar, die militärische Infrastruktur Teherans hat massiv gelitten. Ajatollah Ali Chamenei ist tot, sein Sohn Modschtaba wurde bereits zum Nachfolger ernannt und soll verletzt an einem geheimen Ort untergetaucht sein. Aber wer glaubt denn ernsthaft, dass ein Land wie der Iran klein beigibt, nur weil die sichtbaren Kommandozentralen in Trümmern liegen?

Die Revolutionsgarden haben auf Trumps Siegesgeheul nur eine Antwort parat: "Wir sind diejenigen, die über das Ende des Krieges entscheiden". Und sie machen Nägel mit Köpfen. Während Washington über Exit-Strategien brütet, haben die Garden längst die zweite Phase eingeläutet. Eine Phase, die man getrost als Leitfaden für den Iran-USA-Konflikt in Sachen asymmetrischer Kriegsführung bezeichnen könnte.

Die "horizontale" Front: Alle zahlen den Preis

Hier kommt die eigentliche Pointe, die man in den westlichen Hauptquartieren offenbar sträflich unterschätzt hat. Teheran kann die USA auf dem Schlachtfeld nicht besiegen – das weiss dort jedes Kind. Also verlagert man den Kampf. In die Breite. An die weichen Flanken. Experten nennen das "horizontale Eskalation". Und die funktioniert gerade erschreckend gut. Die US-Botschaft in Riad? Von einer Drohne gestreift. Der US-Stützpunkt Al-Udeid in Katar? Von einer ballistischen Rakete getroffen. Das Konsulat in Dubai? In Flammen.

Das ist kein wildes Um-sich-Schlagen eines sterbenden Regimes, wie es Trump vielleicht glauben machen will. Das ist eine Strategie mit Ansage. Indem der Iran nicht nur Israel, sondern gezielt auch die Infrastruktur der Golfstaaten angreift, zwingt er genau jene Länder in die Verantwortung, auf deren Boden die amerikanischen Angriffe erst gestartet werden. Die Botschaft ist glasklar: Ihr wollt den Krieg gegen uns von eurem sauberen, sicheren Territorium aus führen? Dann müsst ihr auch die Konsequenzen tragen.

Verbündete im Stich gelassen? Der Unmut am Golf wächst

Und genau hier knirscht es gewaltig im Gebälk der Allianz. Hinter vorgehaltener Hand berichten Diplomaten aus der Region von einer "fatalen Unterschätzung" der iranischen Reaktionsfähigkeit durch die USA. Man hatte sich in Riad, Abu Dhabi und Doha wochenlang dafür eingesetzt, Trump von einem militärischen Schlag abzubringen. Vergeblich. Und jetzt? Jetzt brennt es an allen Ecken und Enden, und die Luftabwehrsysteme der reichen Scheichtümer – die nicht vollständig vernetzt sind – schiessen sich langsam aber sicher leer.

  • Saudi-Arabien: Sieht sich gezwungen, Angriffe auf seine Hauptstadt abzuwehren.
  • VAE: Zählt die Schäden am Konsulat in Dubai.
  • Katar: Seine Bewohner fragen sich, ob der riesige US-Stützpunkt mehr Segen oder Fluch ist.
  • Bahrain: Musste bereits einen Treffer auf eine lebenswichtige Entsalzungsanlage verkraften.

Ein Diplomat aus einem Golfstaat brachte es im Gespräch mit einem Hauptstadtmedium auf den Punkt: "Wenn der Iran alle Golfstaaten angreift, verliert er die letzten möglichen Gesprächskanäle." Die Verzweiflung ist greifbar. Man fühlt sich als Opfer einer Eskalation, die man selbst nie wollte. Die Bilanz des Iran-USA-Konflikts aus Sicht der Einheimischen fällt also vernichtend aus – für beide Seiten.

Die unsichtbare Schlacht um die Weltmeinung

Währenddessen spielt sich in New York ein absurdes Theater ab. Der UNO-Sicherheitsrat tagt, die Fronten sind verhärtet. Der iranische Botschafter wirft den USA Kriegsverbrechen vor, sein US-Kollege beruft sich auf Artikel 51 der UNO-Charta und das Recht auf Selbstverteidigung. Und dann leitet ausgerechnet Melania Trump eine Sitzung des Rates zum Thema Kinderrechte – eine Ironie der Geschichte, die Teherans Vertreter natürlich sofort als "beschämend und heuchlerisch" brandmarkt, während hinter den Kulissen über eine Mädchenschule diskutiert wird, die bei den Angriffen getroffen worden sein soll.

Das alles nährt in der arabischen Welt ein altes Misstrauen. Man fürchtet, dass Washington nach einem symbolischen Erfolg den Stecker zieht und die Region im Chaos zurücklässt. "Alles ist zerstört, das Regime ist immer noch da – und die Amerikaner ziehen einfach ab", fürchtet ein Diplomat. Die Saudis und Emiratis schielen bereits nach Osten. China und Russland lassen im Sicherheitsrat keine Gelegenheit aus, um die USA vorzuführen. Sie wittern ihre Chance, den amerikanischen Einfluss in der Region nachhaltig zu schwächen.

Wie geht es weiter mit dem Konflikt?

Die Wahrheit ist: Niemand weiss, wie man aus dieser Nummer wieder rauskommt. Trump steht innenpolitisch unter Druck, weil die Benzinpreise steigen. Also gibt er strategische Ölreserven frei und redet den Krieg schön. In Israel pocht Verteidigungsminister Katz auf einen "Kampf ohne zeitliche Begrenzung". Und die iranische Führung, angeführt von einem traumatisierten und rachsüchtigen neuen Oberhaupt, hat offenbar kein Interesse an Deeskalation. Im Gegenteil: Man droht offen mit der Verminung der Strasse von Hormus und Angriffen auf die Energieinfrastruktur der gesamten Region. Ein Barrel Öl für 200 Dollar? Dieses Szenario ist längst nicht mehr unrealistisch.

Für uns Beobachter hier in der Region bleibt nur eines: Abwarten und tief durchatmen. Die Lage ist unübersichtlicher und gefährlicher denn je. Klar ist nur: Wer heute noch glaubt, dieser Krieg sei eine einfache Abrechnung zwischen Washington und Teheran, der hat nicht verstanden, wie man diesen Konflikt lesen muss. Es ist ein Krieg, der als Lehrbuch für hybride Bedrohungen dienen könnte. Und das Pulverfass Golf steht kurz davor, die ganze Welt in Flammen zu setzen.