HPV-Impfung: Warum sowohl Mädchen als auch Buben gegen Krebs geimpft werden sollten
Weltweit kämpfen Ärzte und Forscher einen intensiven Kampf gegen einen unsichtbaren Feind, der jährlich Hunderttausende von Frauen das Leben kostet. Der Feind heißt Humanes Papillomvirus – oder einfach HPV. Aber es gibt eine gute Nachricht: Wir haben eine Waffe, die wirkt. Die Frage ist, ob wir sie gut genug einsetzen. Besonders hier in Dänemark, wo wir es eigentlich gewohnt sind, unsere Impfungen im Griff zu haben.
HPV-Impfung: Mehr als nur Gebärmutterhalskrebs
Wenn wir über die HPV-Impfung sprechen, denken die meisten sofort an Gebärmutterhalskrebs. Und das stimmt auch – HPV-Viren sind die Ursache für fast alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Tatsächlich sterben in Indien jedes Jahr etwa 74.000 Frauen an dieser Krebsart, und weltweit ist die Zahl noch höher. Aber HPV kann noch mehr. Das Virus ist auch eine Hauptursache für Krebs in der Mundhöhle, im Rachen und im Genitalbereich, und zwar sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Dennoch gibt es nur wenige Länder, wie zum Beispiel Australien, die es wirklich geschafft haben, auch die Buben flächendeckend zu impfen.
Auch Buben sollten mitkämpfen
In Bangalore hat sich kürzlich einer der führenden Onkologen Indiens dafür ausgesprochen, dass auch Buben die HPV-Impfung angeboten bekommen sollten. Sein Argument ist sonnenklar: Buben tragen das Virus weiter und riskieren selbst, an Mund- und Rachenkrebs zu erkranken. Neuere Forschungen zeigen tatsächlich, dass HPV-bedingter Mundkrebs bei Männern im Westen zunimmt. Warum also haben wir jahrelang nur auf die Mädchen geschaut? Die Vaccine Nation, wie die Amerikaner sich selbst nennen, beginnt ihre Haltung zu ändern, und mehrere Experten weisen darauf hin, dass wir es hierzulande genauso machen sollten. Es geht um Herdenimmunität – je mehr Menschen geimpft sind, desto schwerer fällt es dem Virus, sich auszubreiten.
Was sagt die Weltgesundheitsorganisation?
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat wiederholt betont, dass wir die historische Chance haben, eine Krebsart zum ersten Mal auszurotten. Das Ziel ist, dass 90% aller Mädchen weltweit bis zu ihrem 15. Lebensjahr vollständig gegen HPV geimpft sind. Und immer mehr Länder schließen jetzt auch Buben in ihre nationalen Impfprogramme mit ein. Das erfordert politischen Willen und eine solide Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung darüber, dass der Impfstoff sicher ist und wirklich wirkt.
Wie steht es um Dänemark?
Hierzulande hatten wir Höhen und Tiefen mit der HPV-Impfung. Nach einigen Jahren mit Schauergeschichten und sinkender Beteiligung sind wir zum Glück wieder auf Kurs. Die HPV-Impfung ist seit 2009 Teil des Kinderimpfprogramms für Mädchen und seit 2019 auch für Buben. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Die Impfquote ist immer noch niedriger als in unseren Nachbarländern Schweden und Norwegen, und das kostet Leben. Denn jedes Mal, wenn ein 12-Jähriger die Impfung auslässt, steigt das Risiko, dass wir in 20-30 Jahren mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs und anderen HPV-bedingten Krankheiten sehen werden.
- Gebärmutterhalskrebs: Nahezu 100% der Fälle werden durch HPV verursacht.
- Mund- und Rachenkrebs: HPV ist für einen wachsenden Anteil verantwortlich, insbesondere bei Männern.
- Genitalkrebs: Sowohl Vulva-, Vaginal-, Penis- als auch Analkrebs können durch HPV ausgelöst werden.
- Genitalwarzen: Eine gutartige, aber lästige Folge einer HPV-Infektion.
Es ist wichtig zu bedenken, dass der Impfstoff am besten wirkt, wenn man ihn bekommt, bevor man sexuell aktiv wird. Deshalb wird er Kindern in der 5. und 6. Schulstufe angeboten. Aber auch wenn man älter ist, kann eine Impfung noch sinnvoll sein – sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Die Zukunft ist rosig, wenn wir jetzt handeln
Stellen Sie sich eine Welt ohne Gebärmutterhalskrebs vor. Das ist keine Utopie – es ist ein realistisches Ziel, wenn wir hohe Impfraten erreichen und gleichzeitig sicherstellen, dass Frauen weiterhin zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Denn obwohl der Impfstoff die gefährlichsten HPV-Typen abdeckt, gibt es immer ein kleines Restrisiko. Aber mit einer gemeinsamen Anstrengung können wir jedes Jahr Zehntausende von Leben retten. Auch hier in Dänemark. Es erfordert nur, dass wir alle – Eltern, Ärzte, Politiker – Verantwortung übernehmen und Ja zu den Impfungen sagen, wenn sie angeboten werden. Denn bekanntlich ist Vorbeugen besser als Heilen, besonders bei Krebs.
Also, wenn Sie das nächste Mal von der HPV-Impfung hören, denken Sie daran, dass es nicht nur um Mädchen und Gebärmutterhalskrebs geht. Es geht darum, eine ganze Generation – sowohl Mädchen als auch Buben – vor einer Reihe von schweren Krebsarten zu schützen. Wir haben die Mittel, wir haben das Wissen, und wir haben die Möglichkeit. Nutzen wir sie.