HPV-Impfung: Warum sowohl Mädchen als auch Jungen gegen Krebs geimpft werden sollten
Ärzte und Forscher auf der ganzen Welt kämpfen einen intensiven Kampf gegen einen unsichtbaren Feind, der jährlich Hunderttausende von Frauen das Leben kostet. Der Feind heisst humane Papillomviren – oder einfach HPV. Doch es gibt eine gute Nachricht: Wir haben eine Waffe, die wirkt. Die Frage ist, ob wir sie gut genug einsetzen. Besonders hier in der Schweiz, wo wir sonst gewohnt sind, unsere Impfungen im Griff zu haben.
HPV-Impfung: Mehr als nur Gebärmutterhalskrebs
Wenn wir über die HPV-Impfung sprechen, denken die meisten sofort an Gebärmutterhalskrebs. Und das stimmt auch – HPV-Viren sind die Ursache für fast alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Weltweit sterben jährlich Hunderttausende Frauen an dieser Krebsart. Aber HPV kann noch mehr. Das Virus ist auch eine Hauptursache für Mundhöhlen-, Rachen- und Genitalkrebs bei Frauen und Männern. Dennoch haben nur sehr wenige Länder, wie zum Beispiel Australien, es wirklich geschafft, auch die Jungen konsequent zu impfen.
Jungen sollten ebenfalls mit in den Kampf einbezogen werden
Namhafte Onkologen schlagen weltweit Alarm, dass auch Jungen die HPV-Impfung angeboten werden sollte. Ihr Argument ist sonnenklar: Jungen tragen das Virus weiter und riskieren selbst, an Mund- und Rachenkrebs zu erkranken. Neuere Forschungen zeigen tatsächlich, dass HPV-bedingter Mundkrebs bei Männern im Westen zunimmt. Warum also haben wir jahrelang nur auf die Mädchen geschaut? Die Einstellung ändert sich, und mehrere Experten weisen darauf hin, dass wir hier in der Schweiz dasselbe tun sollten. Es geht um den Herdenschutz – je mehr Menschen geimpft sind, desto schwerer fällt es dem Virus, sich auszubreiten.
Was sagt die Weltgesundheitsorganisation?
Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, hat wiederholt betont, dass wir die historische Chance haben, eine Krebsart zum ersten Mal auszurotten. Das Ziel ist, dass 90% aller Mädchen weltweit bis zum Alter von 15 Jahren vollständig gegen HPV geimpft sind. Immer mehr Länder schliessen jetzt auch Jungen in ihre nationalen Programme ein. Das erfordert politischen Willen und eine solide Aufklärungsarbeit, um der Bevölkerung zu vermitteln, dass der Impfstoff sicher ist und wirklich wirkt.
Wie steht die Schweiz da?
Bei uns in der Schweiz hatte die HPV-Impfung ihre Höhen und Tiefen. Nach einigen Jahren mit Schreckensmeldungen und sinkender Beteiligung sind wir glücklicherweise wieder auf Kurs. Die HPV-Impfung ist seit 2008 für Mädchen und seit 2016 auch für Jungen im nationalen Impfplan empfohlen. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Die Impfraten sind immer noch tiefer als in unseren Nachbarländern, und das kostet Leben. Denn jedes Mal, wenn ein Zwölfjähriger die Impfung auslässt, steigt das Risiko, dass wir in 20-30 Jahren mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs und anderen HPV-bedingten Krankheiten sehen werden.
- Gebärmutterhalskrebs: Nahezu 100% der Fälle werden durch HPV verursacht.
- Mund- und Rachenkrebs: HPV ist für einen wachsenden Anteil verantwortlich, besonders bei Männern.
- Genitalkrebs: Sowohl Vulva-, Vagina-, Penis- als auch Analkrebs können durch HPV ausgelöst werden.
- Genitalwarzen: Eine gutartige, aber lästige Folge einer HPV-Infektion.
Es ist wichtig zu bedenken: Der Impfstoff ist am besten, wenn man ihn vor dem ersten sexuellen Kontakt erhält. Deshalb wird er Kindern in der 5. und 6. Klasse empfohlen. Aber auch wenn man älter ist, kann eine Impfung noch sinnvoll sein – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Die Zukunft ist rosig, wenn wir jetzt handeln
Stellen Sie sich eine Welt ohne Gebärmutterhalskrebs vor. Das ist keine Utopie – es ist ein realistisches Ziel, wenn wir hohe Impfraten erreichen und gleichzeitig sicherstellen, dass Frauen weiterhin zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Denn obwohl der Impfstoff die gefährlichsten HPV-Typen abdeckt, besteht immer ein kleines Restrisiko. Aber mit einer gemeinsamen Anstrengung können wir jedes Jahr Zehntausende von Leben retten. Auch hier in der Schweiz. Es erfordert nur, dass wir alle – Eltern, Ärzte, Politiker – Verantwortung übernehmen und Ja zu Impfungen sagen, wenn sie angeboten werden. Denn wie man so schön sagt: Vorbeugen ist besser als heilen.
Also, wenn Sie das nächste Mal von der HPV-Impfung hören, denken Sie daran, dass es nicht nur um Mädchen und Gebärmutterhalskrebs geht. Es geht darum, eine ganze Generation – sowohl Mädchen als auch Jungen – vor einer Reihe von schweren Krebsarten zu schützen. Wir haben die Mittel, wir haben das Wissen, und wir haben die Möglichkeit. Packen wir es an.