HPV-Impfung: Warum sowohl Mädchen als auch Jungen gegen Krebs geimpft werden sollten
Weltweit führen Ärzte und Forscher einen intensiven Kampf gegen einen unsichtbaren Feind, der jährlich Hunderttausenden von Frauen das Leben kostet. Der Feind heißt humane Papillomviren – oder einfach HPV. Doch es gibt eine gute Nachricht: Wir haben eine Waffe, die wirkt. Die Frage ist, ob wir sie gut genug einsetzen. Besonders hier in Deutschland, wo wir sonst eigentlich für unsere gut organisierten Impfungen bekannt sind.
HPV-Impfung: Mehr als nur Gebärmutterhalskrebs
Wenn wir über die HPV-Impfung sprechen, denken die meisten sofort an Gebärmutterhalskrebs. Und das ist auch richtig – HPV-Viren sind die Ursache für nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Tatsächlich sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 1.500 Frauen an dieser Krebsart, und weltweit ist die Zahl noch viel höher. Aber HPV kann noch mehr. Die Viren sind auch eine Hauptursache für Krebserkrankungen im Mundraum, Rachen und im Genitalbereich – und das sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Dennoch sind es nur wenige Länder, wie zum Beispiel Australien, die es wirklich geschafft haben, die Impfung bei Jungen flächendeckend umzusetzen.
Jungen sollten ebenfalls in den Kampf einbezogen werden
Auch in Deutschland setzen sich führende Onkologen dafür ein, dass HPV-Impfung selbstverständlich für Jungen angeboten wird. Ihr Argument ist sonnenklar: Jungen tragen das Virus weiter und riskieren selbst, an Mund- und Rachenkrebs zu erkranken. Neuere Forschungen zeigen tatsächlich, dass HPV-bedingter Mundkrebs bei Männern in westlichen Ländern zunimmt. Warum also haben wir jahrelang nur auf die Mädchen geschaut? Die Einstellung zur Impfung ändert sich, und viele Experten weisen darauf hin, dass wir hierzulande genauso handeln sollten. Es geht um Herdenimmunität – je mehr Menschen geimpft sind, desto schwerer fällt es dem Virus, sich auszubreiten.
Was sagt die Weltgesundheitsorganisation?
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat wiederholt betont, dass wir die historische Chance haben, eine Krebsart zum ersten Mal auszurotten. Das Ziel ist, dass weltweit 90% aller Mädchen bis zu ihrem 15. Lebensjahr vollständig gegen HPV geimpft sind. Und immer mehr Länder beziehen mittlerweile auch Jungen in ihre nationalen Impfprogramme ein. Das erfordert politischen Willen und eine solide Aufklärungsarbeit, um der Bevölkerung zu vermitteln, dass der Impfstoff sicher ist und wirklich wirkt.
Wie ist die Lage in Deutschland?
Hierzulande hatten wir beim Thema HPV-Impfung Höhen und Tiefen. Nach einigen Jahren mit Schreckensmeldungen und sinkender Impfbeteiligung sind wir zum Glück wieder auf dem richtigen Weg. Die HPV-Impfung ist seit 2007 für Mädchen und seit 2018 auch für Jungen als Standardimpfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Die Impfquoten sind immer noch niedriger als in unseren Nachbarländern wie Schweden oder der Schweiz, und das kostet Leben. Denn jedes Mal, wenn ein Zwölfjähriger nicht geimpft wird, steigt das Risiko, dass wir in 20-30 Jahren mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs und anderen HPV-bedingten Erkrankungen sehen.
- Gebärmutterhalskrebs: Nahezu 100% der Fälle werden durch HPV verursacht.
- Mund- und Rachenkrebs: HPV ist für einen wachsenden Anteil verantwortlich, besonders bei Männern.
- Genitalkrebs: Sowohl Vulva-, Vaginal-, Penis- als auch Analkrebs können durch HPV ausgelöst werden.
- Genitalwarzen: Eine gutartige, aber lästige Folge einer HPV-Infektion.
Es ist wichtig zu bedenken, dass der Impfschutz am besten ist, wenn man ihn vor dem ersten sexuellen Kontakt erhält. Daher wird die Impfung für Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Aber auch wenn man älter ist, kann eine Impfung noch sinnvoll sein – sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber.
Die Zukunft ist vielversprechend, wenn wir jetzt handeln
Stellen Sie sich eine Welt ohne Gebärmutterhalskrebs vor. Das ist keine Utopie – es ist ein realistisches Ziel, wenn wir hohe Impfraten erreichen und gleichzeitig sicherstellen, dass Frauen weiterhin zur Krebsfrüherkennung gehen. Denn auch wenn der Impfstoff gegen die gefährlichsten HPV-Typen schützt, gibt es immer ein kleines Restrisiko. Aber mit gemeinsamen Anstrengungen können wir jedes Jahr Zehntausende von Leben retten. Auch hier in Deutschland. Es erfordert nur, dass wir alle – Eltern, Ärzte, Politiker – Verantwortung übernehmen und Ja zu Impfungen sagen, wenn sie angeboten werden. Denn wie man so schön sagt: Vorbeugen ist besser als heilen.
Also, wenn Sie das nächste Mal von der HPV-Impfung hören, denken Sie daran, dass es nicht nur um Mädchen und Gebärmutterhalskrebs geht. Es geht darum, eine ganze Generation – sowohl Mädchen als auch Jungen – vor einer Reihe von schweren Krebserkrankungen zu schützen. Wir haben die Mittel, wir haben das Wissen, und wir haben die Möglichkeit. Nutzen wir sie.