Neue Untersuchung des Naturschutzvereins: Pestizide in alltäglichen Lebensmitteln – "Besorgniserregend"
Halten Sie jemals im Supermarkt vor dem Regal mit frischen Erdbeeren oder einer Tüte Äpfel inne und fragen sich, was eigentlich auf der Oberfläche ist? Ich denke dabei nicht nur an Schmutz, sondern an diese unsichtbaren Pestizidrückstände, über die in der Kaffeepause niemand spricht. Letzte Woche flatterte ein internes Memo des Naturschutzvereins (Naturskyddsföreningen) herein, das mich innehalten liess. Ein Kollege, der sich in der Stadt mit Umweltfragen beschäftigt, hatte Einblick in eine neue Untersuchung von alltäglichen Lebensmitteln erhalten – und das Ergebnis ist mehr als besorgniserregend. Es geht um Substanzen, die nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit beeinträchtigen – und vor allem die Bienenvölker, von denen wir absolut abhängig sind.
Bienentödliche Cocktailreste in der Obstauslage
Im aktuellen Bericht, der intern beim Naturschutzverein (Naturskyddsföreningen) zirkuliert, wurden rund 30 Lebensmittel analysiert – von Schweizer Äpfeln über importierte Trauben bis hin zu abgepackten Smoothies. In fast jeder zweiten Probe fand man Rückstände von mindestens einer Pestizidart. Was mich aber wirklich stutzig machte, waren die Funde von Neonikotinoiden, einer Gruppe von Insektengiften, die berüchtigt dafür sind, bienentödlich zu sein. Diese Substanzen sind in der EU seit Jahren verboten, tauchen aber dennoch in Waren aus Ländern ausserhalb der Union auf. Und es genügen winzigste Mengen, um Bienen zu desorientieren und ganze Bienenvölker auszulöschen. Als ehemaliger Hobbygärtner in der Region Zürich wird einem da ganz anders.
Alltägliche Produkte, in denen die Mittel gefunden wurden
- Frische Beeren – vor allem importierte Erdbeeren und Himbeeren enthielten mehrere verschiedene Pestizide.
- Steinobst – Pfirsiche und Nektarinen aus Nicht-EU-Ländern standen an der Spitze der Liste.
- Blattgemüse – Salatmischungen und Spinat wiesen Rückstände von Pilzbekämpfungsmitteln auf, die im Verdacht stehen, hormonell wirksam zu sein.
Es ist nicht das erste Mal, dass wir solche Zahlen sehen, aber es ist das erste Mal seit längerem, dass der Naturschutzverein Kanton Zürich (Naturskyddsföreningen i Stockholms Län) das Thema in einer eigenen Kampagne so deutlich aufgreift. Sie weisen darauf hin, dass wir in städtischen Gebieten oft ein falsches Bild davon haben, dass die Lebensmittel in unseren Migros- und Coop-Filialen sauberer seien, als sie tatsächlich sind. Im Gegenteil zeigt die Untersuchung, dass es eher einer Lotterie gleicht – man weiss nie, was man mit nach Hause nimmt.
Darum sollten Sie sich kümmern – auch wenn Sie kein Imker sind
Man könnte ja leicht denken: "Ich esse nicht so viele importierte Beeren, das ist mir egal." Aber diese Stoffe verbreiten sich weiter in der Natur und beeinträchtigen alle Bestäuber, was letztendlich unsere gesamte Nahrungsmittelproduktion gefährdet. Ohne Bienen und Hummeln gibt es keine Äpfel, keine Gurken und kein Rapsöl. Die Natur der Schweiz (Sveriges natur), die Mitgliederzeitschrift des Vereins, hatte vor einiger Zeit einen ausgezeichneten Artikel darüber, wie unsere heimischen Kulturlandschaften dabei sind, aufgrund von Chemikalien, die unter anderem aus importiertem Obst auslaugen – über den Kompost, das Abwasser, ja sogar über unsere eigene Kleidung – steril zu werden. Das setzt die Sache wirklich in Perspektive.
Gleichzeitig fühlt man sich als Konsument schnell machtlos. Soll man ganz aufhören, Trauben zu kaufen? Eine Expertin des Naturschutzvereins (Naturskyddsföreningen), mit der ich letzte Woche sprach, sagte sinngemäss: "Wählen Sie Schweizer Produkte, wenn möglich, und vor allem – wählen Sie Bio. Auch wenn es ein paar Rappen mehr kostet, reduzieren Sie so die Nachfrage nach diesen Giften." Und das stimmt ja – jedes Mal, wenn wir ein Knospe-produkt aus dem Regal nehmen, senden wir ein Signal den ganzen Weg zurück zur Produzentin oder zum Produzenten.
Was passiert jetzt?
Der Bericht hat bereits in mehreren Gemeinden im Kanton Wirkung gezeigt. In Zürich diskutiert man derzeit über strengere Richtlinien für die öffentliche Verpflegung – also das Essen in Kitas und Altersheimen. Der Naturschutzverein Kanton Zürich (Naturskyddsföreningen i Stockholms Län) setzt sich dafür ein, dass alle Lebensmittel, die die gefährlichsten Pestizide enthalten, schrittweise aus dem Sortiment genommen werden, selbst wenn sie aus Drittstaaten kommen. Das ist eine harte Nase angesichts der EU-Freihandelsregeln, aber irgendjemand muss den Ball ja ins Rollen bringen.
Ich für meinen Teil werde auf jeden Fall meine eigene Einkaufsliste überdenken. Und wenn mir das nächste Mal jemand eine Tüte billige Trauben aus einem fernen Land anbietet, sage ich vielleicht höflich Nein und bitte stattdessen um eine Schweizer Rüebli.