Neue Untersuchung des Naturschutzbundes: Pestizide in Alltagslebensmitteln – "Besorgniserregend"
Haben Sie schon einmal vor dem Regal mit frischen Erdbeeren oder einer Tüte Äpfeln gestanden und sich gefragt, was eigentlich auf der Oberfläche lauert? Ich meine nicht nur den sichtbaren Schmutz, sondern diese unsichtbaren Rückstände von Pestiziden, über die in der Kaffeeküche niemand spricht. Letzte Woche flatterte eine interne Mitteilung des Naturschutzbundes auf meinen Tisch, die mich innehalten ließ. Ein Kollege, der sich in der Stadt mit Umweltthemen beschäftigt, hatte Einblick in eine neue Untersuchung von Alltagslebensmitteln erhalten – und das Ergebnis ist mehr als besorgniserregend. Es geht um Substanzen, die nicht nur die Umwelt belasten, sondern auch unsere Gesundheit – und vor allem die Bienenvölker, von denen wir absolut abhängig sind.
Bienentötende Pestizid-Cocktails in der Obstauslage
In dem aktuellen Bericht, der intern beim Naturschutzbund kursiert, wurden rund 30 Lebensmittel analysiert – von schwedischen Äpfeln über importierte Weintrauben bis hin zu fertig verpackten Smoothies. In fast jeder zweiten Probe fanden sich Rückstände von mindestens einer Pestizidart. Was mich aber wirklich die Augenbrauen hochziehen ließ, waren die Funde von Neonikotinoiden, einer Gruppe von Insektengiften, die berüchtigt dafür sind, bienentötend zu sein. Diese Substanzen sind in der EU seit Jahren verboten, tauchen aber dennoch in Waren aus Ländern außerhalb der Union auf. Und schon winzigste Mengen reichen aus, um Bienen zu desorientieren und ganze Bienenvölker auszulöschen. Als alter Hobbygärtner im Raum Stockholm wird einem da ganz anders.
Gängige Produkte, in denen die Mittel gefunden wurden
- Frische Beeren – vor allem importierte Erdbeeren und Himbeeren enthielten mehrere verschiedene Pestizide.
- Steinobst – Pfirsiche und Nektarinen aus Nicht-EU-Ländern standen an der Spitze der Liste.
- Blattgemüse – Salatmischungen und Spinat wiesen Rückstände von Fungiziden auf, die im Verdacht stehen, hormonell wirksam zu sein.
Es ist nicht das erste Mal, dass wir solche Zahlen sehen, aber es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass der Naturschutzbund in der Provinz Stockholm das Thema in einer eigenen Kampagne so deutlich aufgreift. Sie weisen darauf hin, dass wir in Großstädten oft ein falsches Bild davon haben, dass die Lebensmittel in unseren ICA- und Coop-Märkten sauberer seien, als sie tatsächlich sind. Im Gegenteil zeigt die Untersuchung, dass es eher einer Lotterie gleicht – man weiß nie, was man mit nach Hause bringt.
Warum Sie sich kümmern sollten – auch wenn Sie kein Imker sind
Man könnte ja leicht denken: "Ich esse nicht so viele importierte Beeren, das ist mir egal." Aber diese Substanzen verbreiten sich weiter in der Natur und beeinträchtigen alle Bestäuber, was letztendlich unsere gesamte Lebensmittelproduktion bedroht. Ohne Bienen und Hummeln gibt es keine Äpfel, keine Gurken und kein Rapsöl. Schwedens Natur, die Mitgliederzeitschrift des Verbandes, hatte vor ein paar Jahren einen hervorragenden Artikel darüber, wie unsere schwedischen Kulturlandschaften dabei sind, durch Chemikalien steril zu werden, die unter anderem aus importiertem Obst austreten – über den Kompost, über das Abwasser, ja sogar über unsere eigene Kleidung. Das setzt die Sache wirklich in Perspektive.
Gleichzeitig fühlt man sich als Verbraucher schnell machtlos. Soll man ganz aufhören, Trauben zu kaufen? Ein Experte vom Naturschutzbund, mit dem ich letzte Woche sprach, sagte sinngemäß: "Wählen Sie schwedische Produkte, wenn möglich, und vor allem – wählen Sie Bio. Auch wenn es ein paar Cent mehr kostet, reduzieren Sie so die Nachfrage nach diesen Giften." Und das stimmt ja auch – jedes Mal, wenn wir ein Produkt mit dem KRAV-Siegel (schwedisches Bio-Siegel) aus dem Regal nehmen, senden wir ein Signal den ganzen Weg zurück zum Erzeuger.
Was passiert jetzt?
Der Bericht hat bereits in mehreren Gemeinden der Provinz Wirkung gezeigt. In Stockholm diskutiert man nun über strengere Richtlinien für die Gemeinschaftsverpflegung – also das Essen, das in Kindergärten und Seniorenheimen serviert wird. Der Naturschutzbund in der Provinz Stockholm drängt darauf, alle Lebensmittel, die die gefährlichsten Pestizide enthalten, aus dem Verkehr zu ziehen, selbst wenn sie aus Drittländern kommen. Das ist eine schwierige Angelegenheit angesichts der EU-Regeln zum freien Handel, aber irgendjemand muss die Diskussion ja anstoßen.
Ich für meinen Teil werde auf jeden Fall meine eigene Einkaufsliste in Zukunft überprüfen. Und wenn mir das nächste Mal jemand eine Tüte billige Trauben aus einem fernen Land anbietet, lehne ich vielleicht höflich ab und bitte stattdessen um eine schwedische Karotte.