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Morten Messerschmidt stellt die Sache auf den Kopf: Will bürgerliche Regierung stürzen, wenn es keinen Kurswechsel in der muslimischen Zuwanderung gibt

Politik ✍️ Lars Hjortshøj 🕒 2026-03-05 06:39 🔥 Aufrufe: 2
Morten Messerschmidt unter Druck im Wahlkampf

Das hat schon etwas erfrischend Altmodisches. Mitten in einem Wahlkampf, in dem alle anderen nur um den heißen Brei herumreden und Türen einen Spalt breit offenlassen, knallt Morten Messerschmidt seine einfach zu. Mit einem Knall, der bis ins Büro von Troels Lund Poulsen zu hören ist.

Während die Kandidaten für das Amt der Ministerpräsidenten von Venstre und der Liberal Alliance einen erbitterten Kampf darum führen, wer staatsmännischer wirkt, hat der DF-Vorsitzende etwas getan, wovor die meisten heute zurückschrecken: Er hat ein Ultimatum gestellt. Nicht so ein "wir-gehen-mit-klaren-Prioritäten-in-die-Verhandlungen"-Ding. Ein echtes. Eines, bei dem er verspricht, den ganzen Laden abzuräumen, wenn er nicht seinen Willen bekommt.

Eine Forderung, die die Gemüter spaltet

Die Forderung ist so knallhart wie der Mann selbst: Es müssen mehr muslimische Einwanderer Dänemark verlassen, als ins Land kommen. Also eine regelrechte Netto-Auswanderung. Und das ist nicht nur ein Wunsch, es ist eine klare Bedingung, um überhaupt einen bürgerlichen Ministerpräsidenten zu unterstützen.

Das ließ selbst den sonst so gelassenen Alex Vanopslagh von der Liberal Alliance die Augenbraue heben. Denn obwohl die LA die Ausländerpolitik verschärfen will, gibt es für sie doch Grenzen. "Ich habe nicht den Wunsch, dass jemand Dänemark verlassen muss, nur weil er Muslim ist", meinte Vanopslagh trocken und erinnerte gleichzeitig daran, dass wir hierzulande Religionsfreiheit haben – und dass viele muslimische Arbeitskräfte in der Altenpflege tätig sind, auf die wir nicht einfach verzichten können.

Doch Messerschmidt bleibt eiskalt in seinen Antworten. Für ihn geht es um etwas Fundamentaleres. "Menschen mit einer zutiefst islamischen Gesinnung, die der Meinung sind, Homosexuelle müssten gesteinigt werden, gehören nicht hierher, egal wie viel sie arbeiten", sagte er am Wochenende und betonte, dass Arbeit kein Freifahrtschein sei.

Troels Lunds Kopfzerbrechen

Für Venstre-Chef Troels Lund Poulsen könnte das Timing kaum schlechter sein. Hier versucht er, den bürgerlichen Block hinter einem Projekt zu einen, das geschlossen und regierungsfähig wirken soll – und dann kommt die DF und entzieht dem Ganzen mit einer Forderung den Boden, die die Reihen spaltet. Als die Presse versuchte, einen Kommentar vom Venstre-Vorsitzenden zu bekommen, stellte er sich gar nicht erst. Stattdessen schickte er Morten Dahlin vor. Und der sollte natürlich keine ultimativen Forderungen stellen.

Das Problem für Troels Lund ist zweigeteilt. Erstens verscheucht so eine Forderung die gemäßigteren Wähler. Zweitens riskiert er, nach der Wahl mit einer Wählerkonstellation dazustehen, die ihn völlig von der DF – und damit von Messerschmidts Launen – abhängig macht. Genau dieser Albtraum aus den alten VLAK-Tagen sollte Venstre gelehrt haben, sich davor zu fürchten.

Warum tut er das?

Fragt man die alten Berater auf Christiansborg, steckt Methode im Wahnsinn. Morten Messerschmidt spielt ein hohes Spiel, um Stimmen zu maximieren. Die Dänische Volkspartei befand sich vor kurzer Zeit noch in einem regelrechten Überlebenskampf. Dieser Kampf ist gewonnen, aber um wieder ein schweres Gewicht zu werden, muss sich die Partei profilieren.

  • Er will sich profilieren: In einem Wahlkampf, in dem Wirtschaft und Soziales dominieren, muss die Ausländerpolitik in knallharter Optik daherkommen, um durchzudringen.
  • Er lernt aus der Geschichte: Die DF war von 2015-2019 selbst die stärkste bürgerliche Partei, ohne in die Regierung zu kommen. Diesen Fehler will er nicht wiederholen.
  • Er strebt nach Einfluss: Entweder er bekommt seinen Willen und kann von innen heraus die Agenda bestimmen. Oder er steht als der prinzipientreue Kämpfer da, der keine Kompromisse gemacht hat. Das ist für ihn eine Win-Win-Situation.

Und dann ist da noch die Sache mit Grönland. Vor nur einem Jahr versuchte Messerschmidt noch, bei Donald Trump in Mar-a-Lago einen Fuß in die Tür zu bekommen, um genau über die Arktis zu sprechen. Damals sollten wir ein "erwachsenes Gespräch" mit den Amerikanern führen. Heute, wo die Drohungen direkter geworden sind, ist der Ton ein völlig anderer. Er hat gelernt, dass man mit einem Mann nicht verhandelt, der mit militärischer Gewalt droht. Das zeugt von einem Politiker, der durchaus den Kurs wechseln kann, wenn sich die Realität ändert.

Der Prozess gegen Lidegaard schwelt im Hintergrund

Während der Wahlkampf tobt, steht im Sommer auch eine gerichtliche Auseinandersetzung an. Morten Messerschmidt hat die Radikalen-Partei von Martin Lidegaard wegen Verleumdung verklagt. Lidegaard sagte bei einer Debatte, Messerschmidts Politik der Ausreiseförderung treffe Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe. Das sieht der DF-Vorsitzende als Ehrverletzung an.

Der Fall kommt am 18. August vor Gericht und zeigt, dass in diesem Spiel auch persönliche Animositäten mitschwingen. Messerschmidt hat früher schon gesagt, er "schließe in der Politik nichts aus, außer Lars Løkke Rasmussen zum Minister zu machen". Lidegaard ist wohl auf dieselbe Liste geraten. Wenn es persönlich wird, wird es selten freundlicher.

Was nun?

Im Moment sieht das nach einem gordischen Knoten aus. Morten Messerschmidt hat sich tief im Sattel festgesetzt und ist bereit, scharf zu schießen. "Wenn die Regierung diese Forderung nicht erfüllt, werden wir sie stürzen. Nicht viel Federlesens", sagte er am Wochenende.

Die Frage ist, ob Troels Lund Poulsen und Alex Vanopslagh einen Ausweg finden, der das Gesicht wahrt und gleichzeitig den bürgerlichen Block zusammenhält. Oder ob uns eine Wiederholung von 2015 bevorsteht, als ultimative Forderungen am Ende alle teuer zu stehen kamen. Eines hat Morten Messerschmidt jedenfalls schon jetzt sichergestellt: Wir reden über die Dänische Volkspartei. Und das war wohl auch irgendwie der Punkt.