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FTSE 100 wankt, da Ölpreis angesichts von Nahost-Konflikt und politischem Chaos die 100-Dollar-Marke durchbricht

Wirtschaft ✍️ James Craven 🕒 2026-03-09 09:27 🔥 Aufrufe: 2
Eine BP-Raffinerie bei Sonnenuntergang

Es war einer dieser Montage, an denen man einen starken Kaffee braucht, um mit dem Ticker mitzuhalten. Der FTSE 100 zeigte eine ziemlich widerstandsfähige Performance und schloss mit einem Plus von 0,2% bei 10.386,23 Punkten, nachdem er die meiste Zeit über kurz vor der roten Zone gestanden hatte. Aber das als ruhigen Tag zu bezeichnen, wäre übertrieben. Wir erleben gerade das klassische Bild zweier geteilter Märkte, angetrieben von einem toxischen Cocktail aus Geopolitik und heimischen politischen Dramen.

Die große Geschichte ist natürlich das Öl. Brent-Rohöl hat die 100-Dollar-Marke durchbrochen, erreichte im Frühhandel 108 Dollar pro Fass und markiert damit den größten Tagesanstieg seit Jahren. Der Grund? Im Nahen Osten ist die Hölle los. Die US-amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran, die anschließende Ernennung von Ayatollah Mojtaba Khamenei zum neuen Obersten Führer und die faktische Schließung der Straße von Hormus für Tanker haben den Markt verängstigt wie sonst nichts seit der Ukraine-Invasion. Etwa ein Fünftel des weltweiten Öls fließt durch diese Meerenge. Wenn dieser Hahn zugedreht wird, spürt das die ganze Welt.

Für den FTSE-100-Index ist dieser Energieschock ein zweischneidiges Schwert. Einerseits haben unsere Schwergewichte aus der Ölbranche einen Lauf. BP und Shell lagen dank der explodierenden Rohölpreise klar im Plus. Ähnlich sieht es bei den Minenbetreibern aus, wo Fresnillo und Endeavour glänzen, da Anleger in Gold und Silber als sichere Häfen flüchten. Diesen Schwergewichten ist es im Grunde zu verdanken, dass der Index überhaupt im positiven Terrain bleiben konnte.

Auf der anderen Seite sieht es für die Sektoren, die diesen Sprit auch bezahlen müssen, düster aus. Fluglinien und Tourismusaktien werden regelrecht abgestraft. Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass auf British-Airways-Mutter IAG und Triebwerksbauer Rolls-Royce eine holprige Fahrt zukommt, wenn die Kerosinkosten durch die Decke gehen. Auch Bankenwerte wie Barclays und NatWest geraten unter Druck; letztere rutschten um 9% ab, nachdem sie einen 2,7-Milliarden-Pfund-Deal zur Übernahme des Vermögensverwalters Evelyn Partners bekannt gegeben hatten. Eine klassische Risikovermeidung.

Politische Risikoprämie

Als ob das Flammenmeer am Golf nicht schon genug wäre, haben wir unser eigenes kleines politisches Drama in Westminster. Der Druck auf den Premierminister wächst. Anas Sarwar hat den Rücktritt von Keir Starmer wegen der Peter-Mandelson-Affäre gefordert, und nachdem sein eigener Kommunikationsdirektor und Stabschef das Handtuch geworfen haben, liegt dieser Hauch von Instabilität wieder in der Luft.

Ein erfahrener City-Händler sagte es mir heute Morgen so: Eine "politische Risikoprämie" wird wieder in die Preise britischer Anlagen eingerechnet. Der Markt hasst Unsicherheit, und angesichts des Flüsterns über die Führungsfrage und die unvermeidlichen wirtschaftlichen Auswirkungen eines langwierigen Krieges hat der FTSE 100 einiges zu verdauen. Auch das Pfund Sterling gerät ins Schwitzen und gibt gegenüber dem Dollar nach, während die Händler das Chaos einpreisen.

Die unmittelbaren Aussichten fühlen sich binär an. Alles hängt davon ab, wie lange dieser Konflikt andauert. Wie ein Stratege anmerkte: Da der Iran einen Hardliner zum neuen Führer ernennt, sehen sie nicht so aus, als ob sie kurz davor stünden, klein beizugeben. Das bedeutet, dass wir wochen-, wenn nicht monatelang mit erhöhten Ölpreisen rechnen müssen.

  • Die Gewinner: Energieriesen (BP, Shell), Edelmetallbergleute (Fresnillo), Rüstungskonzerne (BAE Systems).
  • Die Verlierer: Fluglinien (IAG, easyJet), Banken (Barclays, NatWest), konsumnahe Unternehmen, die anfällig für die Kostenfalle sind.

Wir kennen dieses Drehbuch. Der FTSE 100 war auf Rekordjagd, hatte erst vor ein paar Wochen die 10.800 Punkte durchbrochen und den besten Jahresstart seit Jahrzehnten hingelegt. Dieser Schwung wurde brutal gestoppt. Für den Durchschnitts-Österreicher, der heute Morgen sein Auto betankt, ist der Ölpreisschock nicht nur eine Linie auf dem Bildschirm – laut gut informierten Quellen bedeutet das weitere 500 Euro Belastung fürs Haushaltsbudget. Der Premierminister sagt, die Unterstützung der arbeitenden Bevölkerung sei "immer mein oberstes Gebot", aber da der Regierung offenbar die Hände gebunden sind, wird es ein langer, teurer Frühling.