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Nathan Martin gewinnt den L.A. Marathon nach historisch knappem Zieleinlauf

Sport ✍️ Mark Thompson 🕒 2026-03-09 08:54 🔥 Aufrufe: 2
Nathan Martin überquert die Ziellinie beim Los Angeles Marathon 2026

Die Straßen von Los Angeles erlebten am Sonntag etwas, das es in der 41-jährigen Geschichte des Marathons der Stadt noch nie gegeben hat: Ein Zieleinlauf so eng, so atemberaubend knapp, dass die Rennoffiziellen eine ganze Weile über dem Zielfoto brüteten, bevor sie den Sieger verkünden konnten. Als sie schließlich aufblickten, war der Name, der aller Munde war, Nathan Martin.

Martin, ein 31-Jähriger aus Michigan, der jetzt im Höhentrainingslager von Flagstaff trainiert, rettete im letzten Schritt seine Nase um Haaresbreite vor dem Äthiopier Tesfaye Alemayu ins Ziel und gewann mit einer Sekunde Vorsprung – offiziell 2:08:51 zu 2:08:52. Es ist der knappste Sieg, der jemals beim Los Angeles Marathon verzeichnet wurde, und er verwandelte die Ziellinie an der Avenue of the Stars in einen Schmelztiegel purer Emotionen. Martin sank auf die blaue Matte – nicht nur vor Erschöpfung, sondern auch überwältigt von dem Wissen, gerade auf die dramatischste Art und Weise den größten Sieg seiner Karriere errungen zu haben.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf dem Santa Monica Boulevard

Die letzte Meile war ein Schachspiel zweier Männer. Alemayu, bekannt für seinen explosiven Antritt, versuchte dreimal, Martin abzuhängen. Doch Martin, der mit einem gelassenen, fast schon heiteren Gesichtsausdruck läuft, wehrte alle Angriffe ab. "Ich habe mir immer wieder gesagt: 'Kleb an ihm wie eine Klette'", sagte Martin nach dem Rennen, immer noch nach Luft ringend. "Ich wusste, wenn ich an der letzten Kurve in Schlagdistanz bin, habe ich eine Chance. Ich habe mir diesen Moment am Zielstrich tausendmal vorgestellt." Diese mentale Vorbereitung zahlte sich aus. Als sie sich dem Zielbanner näherten, beugte Martin sich tiefer, sein Oberkörper überquerte die Linie einen Wimpernschlag vor Alemayus Hechtrolle.

Der Sieg katapultiert Martin sofort ins Gespräch für die US-Olympiaausscheidungen später in diesem Jahr. Doch für diejenigen, die ihn kennen, ist dieser Moment das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Anders als die lauten, provozierenden Athleten in anderen Sportarten ist Martin ein anderer Schlag Läufer – ein nachdenklicher, introvertierter Athlet, den man genauso wahrscheinlich mit der Nase in einem Buch antrifft, wie wenn er seine 200-Kilometer-Wochen absolviert.

Der Läufer als Denker

Gefragt nach seinen Plänen für die Zeit nach dem Rennen, lachte Martin und gab zu, dass er sich auf eine gehörige Portion Ruhe freut. "Ein Stapel Bücher starrt mich seit sechs Monaten an", sagte er. "Als erstes nehme ich mir Martin Shorts Autobiografie vor: I Must Say: My Life As a Humble Comedy Legend. Nach dem Rennen kann ich eine gute Portion Lachen vertragen." Diese Balance aus Intensität und Leichtigkeit macht ihn bei den Fans so beliebt. Aber seine Leseliste besteht nicht nur aus lustigen Büchern. Martin, der einen Abschluss in Sportwissenschaft hat, interessiert sich brennend für die Wissenschaft der Bewegung. Er bezeichnet Case Studies in Adapted Physical Education: Empowering Critical Thinking oft als ein Werk, das sein Verständnis dafür geprägt hat, wie der Körper Grenzen überwinden kann – eine Philosophie, die er auf sein eigenes, entbehrungsreiches Training anwendet.

Und dann ist da noch der Geschichtsfan. Teamkollegen scherzen, dass Martin über so ziemlich jedes Thema detailliert Auskunft geben kann. Kürzlich beendete er Long Before Luther: Tracing the Heart of the Gospel From Christ to the Reformation – ein Zeichen dafür, dass seine kontemplative Ader tief sitzt. "Beim Laufen hat man viel Zeit zum Nachdenken", sagte er achselzuckend. "Da kann man sich auch mit etwas Sinnvollem beschäftigen."

Cherono dominiert das Frauenrennen; weitere erwähnenswerte Platzierungen

Während Martin einen erbitterten Kampf bis zur Linie lieferte, war das Frauenrennen eine Lehrstunde in Sachen Kontrolle. Die Kenianerin Priscah Cherono setzte sich bei Meile 18 vom Feld ab und lief unangefochten mit einer Zeit von 2:25:17 ins Ziel – drei Minuten vor ihrer schärfsten Verfolgerin. Es war Cheronos erster großer Marathon-Sieg auf US-Boden, und sie widmete ihn ihren Trainingspartnern daheim in Iten.

Der Tag war auch wegen einiger anderer bekannter Namen erwähnenswert. Ken Martin – kein Verwandter von Nathan, aber ein angesehener Ultraläufer aus Colorado – wurde bei seinem Debüt über die klassischen 42,195 km Gesamtvierzehnter und bewies damit, dass er auch auf der Straße bestehen kann.

Hier sind einige der wichtigsten Zahlen dieses historischen Tages:

  • Der knappste Sieg aller Zeiten: Nathan Martins Sieg mit einer Sekunde Vorsprung unterbietet den vorherigen Rekord von zwei Sekunden aus dem Jahr 1998.
  • Perfektes Wetter: Die Temperaturen lagen bei etwa 16 Grad und bedecktem Himmel – ideale Laufbedingungen, die über 90 % der 24.000 gemeldeten Läufer das Ziel erreichen ließen.
  • Preisgeld: Martin erhält 12.000 $ für den Sieg, plus eine Zeitbonuszahlung von 5.000 $ für das Unterbieten der 2:10-Stunden-Marke.
  • Rollenstuhldivision: Aaron Pike aus Illinois setzte seine Dominanz fort und gewann das Männerrennen im Rollstuhl in 1:28:44.

Als die Sonne über Santa Monica unterging, saß Nathan Martin auf dem Podium vor der Presse, der Siegerkranz ruhte auf seinem Knie. Er beantwortete bereits Fragen nach Boston, nach den Trials, nach dem, was als nächstes kommt. Aber für einen Moment blickte er nur in die Menge der Reporter und Freiwilligen. "Weißt du", sagte er leise, "ich glaube, an diesen letzten Schritt werde ich für den Rest meines Lebens denken." Bei diesem knappen Ausgang wird er nicht der Einzige sein.