Von Monstern zu Nanosekunden: Wie eine Achtjährige das Image der SBB rettete
Es ist Mittwochnachmittag am Hauptbahnhof in Groningen. Der Regen will sich nicht so richtig entscheiden, aber die Stimmung ist deswegen nicht weniger gut. Eine kleine Gruppe Reisender bleibt stehen, zeigt mit dem Finger und grinst. Da, auf Gleis 4a, steht er: der Monsterzug. Ein echter Hingucker, mit Zähnen, Augen und ein paar ordentlichen Krallen, die über die Seite klettern. Er ist das Geisteskind der 8-jährigen Phileine, die strahlend danebensteht. Und mal ehrlich? Das ist das Beste, was den SBB seit Langem passiert ist.
Wir kennen das alle. Dieses Gefühl, wenn man schon wieder in einem verspäteten Intercity steht, sich den Kaffee über die Hose schüttet und sich vornimmt, einen wütenden Brief an die SBB Personenverkehr AG zu schreiben. Das Image der SBB? Das war in den letzten Jahren nicht gerade, was man einen frischen Anstrich nennen würde. Aber dann kommt Phileine. Sie hat nicht noch einen Bericht über Pünktlichkeit gezeichnet, sondern einen Zug voller Gruselgestalten. Und dieser Zug fuhr heute seine erste offizielle Runde. Kein steifer PR-Gag, sondern ein echtes Lächeln.
Ich stand dabei, als sie ausstieg. Das Lächeln in ihrem Gesicht war breiter als die Frontpartie eines Honda NSX, den ich vor Jahren auf der Autobahn habe vorbeisausen sehen. Nur ist das hier eine stille Freude. Ihr Entwurf stach aus vielen anderen hervor, erzählte mir ein Zugbegleiter. Und weißt du, was das Schöne ist? Während der Rest des Landes über Verspätungen von ein paar Minuten jammerte, war dieser Zug exakt pünktlich. Bis auf die Nanosekunde, als er in den Bahnhof einrollte. Als ob die Zeit für eine Achtjährige kurz mal mitspielte.
Ich hörte, wie ein Vater zu seinem Sohn sagte: «Schau, da ist er!» Und ich musste an diesen alten Computerbegriff denken, nslookup. Früher, als das Internet noch ein Abenteuer war, benutzte man diesen Befehl, um herauszufinden, wo eine Website wirklich herkam. Es fühlte sich an, als hätte Phileine mit ihren Zeichnungen ein nslookup auf die Seele der SBB gemacht. Sie suchte, wo der Spass und die Fantasie geblieben waren, und fand sie wieder in ihren eigenen Monsterkritzeleien.
Was macht das nun so besonders? Ich sag’s dir:
- Das Timing war perfekt: Genau als die Diskussion über Fahrpläne und Bussen wieder aufflammte, kam diese Initiative daher. Keine Pressemitteilung, sondern ein echtes Monster auf Rädern.
- Es gehört uns allen: Der Zug wurde nicht von einer Marketingagentur in Zürich erfunden, sondern von einem Mädchen aus Zutphen. Das macht ihn authentisch.
- Es durchbricht den Trott: Reisen ist oft von A nach B, Kopf runter, Kopfhörer rein. Heute schauten die Leute auf. Sie zeigten. Sie lachten.
Und diese Details an dem Zug... Ich sah ein Monster, das einen Bahnsteigpfosten festhielt, als wäre es ein Lolli. Ein anderes hatte Räder mit Augen, die einen die ganze Fahrt über anblickten. Fast schade, dass dieser Zug nicht standardmässig auf den internationalen Strecken eingesetzt wird. Stell dir mal vor: die SBB International nach Berlin, aber mit einem grinsenden Drachen an der Seite. Das wäre doch ein Gesprächsöffner.
Phileine lief mit ihrem Vater an den Wagen entlang. Sie trug einen kleinen Rucksack und schaute, als hätte sie gerade eine Weltreise gemacht. Ihr Vater erzählte, dass sie schon seit Monaten an den Zeichnungen gearbeitet habe. Jeden Abend ein neues Monster. Manche waren gruselig, andere einfach ein bisschen verrückt. Und genau diese Mischung ist aufgefallen. Es ist diese Unbefangenheit. Etwas, das wir Erwachsenen manchmal zu schnell übersehen.
Also ja, die SBB haben noch einen langen Weg vor sich, was Pünktlichkeit und Kundenfreundlichkeit angeht. Aber heute, am Hauptbahnhof in Groningen, ging es mal nicht um Zahlen. Es ging um ein Kind, das mit Filzstift und Papier einem Staatsbetrieb den Spiegel vorhielt. Und in diesem Spiegel tummelten sich Gruselgestalten, die eigentlich ganz lieb waren. Wenn du mich fragst, brauchen wir mehr davon. Vielleicht sollten sie dieses nslookup bei den SBB öfter mal machen: nach diesem einen Funken Magie suchen, der noch da ist. Heute haben sie ihn in einem Monsterzug gefunden.