Kompletter Leitfaden für Torikizoku: Das preiswerte japanische Izakaya – Geheimtipps für die Filialen in Shinjuku Ost und Nishi-Funabashi sowie die Must-Try-Speisen | Ein Favorit unter Taiwanesen
Jedes Mal, wenn es nach Tokio geht und mich jemand fragt: „Was wollen wir heute Abend essen?“, lautet meine Antwort in neun von zehn Fällen: „Torikizoku“. Für uns aus Taiwan ist diese Kette quasi das Synonym für ein preiswertes japanisches Izakaya. Mit Hunderten von Filialen in ganz Japan – egal wo, sobald die gelbe Leuchtreklame angeht, bildet sich fast überall eine Schlange. Viele sind beim ersten Mal etwas unsicher, wissen nicht, wie man bestellt, oder haben Angst, ewig anstehen zu müssen. Ich bin hier seit zehn Jahren dabei, von meinen Studententagen, als ich noch mit wenig Geld gereist bin, bis heute, wo ich mit Frau und Kind unterwegs bin. Wie man hier isst, Zeit spart und wie man wie ein Profi bestellt, das verrate ich dir heute auf einen Schlag.
Filiale Shinjuku-Ostausgang: Die ewige Hochburg
Fangen wir mit der Filiale an, die Touristen am häufigsten sehen: Torikizoku am Shinjuku-Ostausgang. Hier schlägt das nächtliche Herz Tokios. Gegen sieben, acht Uhr abends ist der Andrang dermaßen groß, dass es nicht mal für den Aufzug reicht. Mein Trick ist, schon gegen halb sechs abends vorbeizugehen und mir einen Platz zu „sichern“. Viele sagen: „So früh isst doch keiner zu Abend.“ Aber ich sag dir, in Shinjuku geht es beim frühen Essen nicht darum, keinen Hunger zu haben, sondern darum, der Warteschlangen-Hölle für ein bis zwei Stunden zu entgehen. Diese Filiale hat zwar viele Sitzplätze, aber die Fluktuation ist nicht so schnell, wie man denkt. Sobald die Gäste sitzen, wird erstmal getrunken – Runde um Runde. Mein ernst gemeinter Rat: Wenn du deine kostbare Reisezeit nicht vor der Tür verbringen willst, mach es wie ich und geh etwas früher hin oder komm später zum Mitternachtssnack – nach zehn abends kommt man meist ohne Wartezeit rein.
In der Filiale am Shinjuku-Ostausgang liebe ich es, die Büroangestellten zu beobachten, die nach Feierabend hierherkommen, mit locker um den Hals hängender Krawatte. Ein Bier, ein Yakitori – und der Gesichtsausdruck, der sagt: „Endlich Feierabend!“ – das ist für mich der Inbegriff von japanischer Lebensart. Das Personal hier ist flott, die Bestellung läuft über Tablets am Tisch, Sprachprobleme gibt es also keine. Und das Prinzip aller Speisen zum gleichen Preis ist für jemanden wie mich, der beim Bestellen nicht aufs Budget achtet, wirklich genial.
Filiale Nishi-Funabashi: Ein Geheimtipp der Einheimischen
Wenn die Filiale am Shinjuku-Ostausgang ein Pilgerort für Touristen ist, dann ist Torikizoku in Nishi-Funabashi der absolute Alltagsort für Einheimische. Nishi-Funabashi ist ein großer Verkehrsknotenpunkt, aber hierher verirren sich nur wenige Touristen. Diese Filiale hat viel mehr den Charakter eines Community-Treffpunkts, hier ist es weniger hektisch als in den Touristenvierteln, sondern viel entspannter. Wenn ich für einen Bericht in der Präfektur Chiba unterwegs bin, steige ich auf dem Rückweg manchmal extra in Nishi-Funabashi aus, um hier einzukehren.
Die Stammgäste hier sind oft Familien aus der Nachbarschaft oder Büroangestellte, die auf dem Heimweg sind. Die Atmosphäre ist nicht so auf schnellen Umsatz getrimmt wie in Shinjuku, sondern hat etwas Gemütliches: „Nimm dir Zeit, kein Stress.“ Wenn du gerade in der Gegend wohnst oder auf dem Weg von Tokyo Disneyland bist, lohnt sich ein Abstecher. Das Personal ist hier auch besonders freundlich und plaudert manchmal mit dir, fragt, woher du kommst.
Was soll man bei Torikizoku unbedingt essen? Die Profi-Bestellliste
Die Speisekarte von Torikizoku ist simpel, aber gerade bei einfachen Gerichten zeigt sich die wahre Kunst. Ihr größter Pluspunkt ist die Verwendung von einheimischem Hühnerfleisch einer sogenannten Premium-Marke. Die Beschaffenheit des Fleisches und seine natürliche Süße sind für diesen Preis unschlagbar. Viele sind beim ersten Mal überfordert von der Auswahl. Hier kommt meine persönliche Geheimliste, mit der du garantiert nichts falsch machst:
- Die „Kizoku-Yaki“-Serie: Das absolute Herzstück. Egal ob mit Teriyaki-Sauce oder Salz – die Sauce ist das Geheimnis des Hauses. Sie ist genau richtig, süß-salzig, leicht angeröstet, und wenn du reinbeißt, explodiert der Fleischsaft im Mund. Persönlich bevorzuge ich die Salz-Variante, weil sie den reinen Geschmack des Hühnerfleischs besser zur Geltung bringt.
- Hühnerbrust: Bitte denk nicht, dass Hühnerbrust trocken ist. Bei Torikizoku ist sie unglaublich zart, butterweich, und wird oft mit etwas Yuzu-Koshō oder Pflaumensauce serviert – das ist erfrischend und leicht, perfekt als Begleitung zum Trinken.
- Hühner-Kamameshi (Reistopf): Viele konzentrieren sich nur auf die Spieße und vergessen die Hauptspeise. Dieser Reistopf wird direkt am Tisch gekocht. Wenn du den Deckel öffnest und dieser Duft aufsteigt, wirst du dich ärgern, dass du ihn nicht schon früher bestellt hast. Für zwei Personen ist eine Portion genau richtig zum Teilen.
- Weißkohl: Ja, du hast richtig gelesen. Bei Torikizoku gibt es unbegrenzt Nachschlag von Weißkohl! Das gehört in der Izakaya-Kultur zum „Otóshi“ (eine kleine Vorspeise, die automatisch serviert wird), aber hier musst du dir keine Gedanken über versteckte Kosten machen, die Regeln sind klar. Der knackige Kohl mit der speziellen Miso-Sauce ist herrlich erfrischend und macht den Appetit an – ich bestelle mir jedes Mal mindestens zwei oder drei Portionen nach.
Bei den Getränken ist natürlich „Bier vom Fass“ die erste Wahl. Der erste Schluck zum Anstoßen muss einfach Bier sein, das gehört zur Zeremonie. Wenn du etwas anderes probieren möchtest, sind auch der „Zitronen-Sauer“ und der „Kyoho-Trauben-Sauer“ echte Klassiker – süß-säuerlich, genau nach dem Geschmack von uns Taiwanesen.
Ein kleiner Tipp vor dem Bezahlen
Zum Schluss noch ein wichtiger Punkt: Torikizoku wird immer internationaler. Viele Filialen akzeptieren bereits elektronisches Bezahlen, manche bieten sogar einen Take-away-Service an. Wenn du von einem langen Tag völlig erledigt bist, hol dir einfach ein paar Spieße mit ins Hotel, genieße sie mit einem Bier im Bett – das ist auch ein Genuss der besonderen Art. Wenn du das nächste Mal in Tokio bist, egal ob du in der Filiale am Shinjuku-Ostausgang die Energie der Stadt spüren oder in Nishi-Funabashi den Alltag der Einheimischen erleben willst, denk an eines: Nimm dir Zeit, genieße in deinem eigenen Tempo die einfache Köstlichkeit dieses japanischen Paradieses für preiswertes Yakitori.