Komplettguide zu Torikizoku: Geheimtipps für die Filialen Shinjuku Ostausgang und Nishi-Funabashi & die besten Gerichte | Ein Taiwanesischer Favorit
Jedes Mal, wenn ich nach Tokio fliege und mich jemand fragt: "Was wollen wir heute Abend essen?", ist meine Antwort zu neunzig Prozent "Torikizoku". Für uns aus Taiwan ist diese Kette einfach das Synonym für ein preiswertes japanisches Izakaya. Mit Hunderten von Filialen im ganzen Land, egal wo, sobald die gelbe Leuchte aufleuchtet, bilden sich fast immer Schlangen. Viele sind beim ersten Besuch etwas verunsichert, wissen nicht, wie sie bestellen sollen oder haben Angst vor endlosem Anstehen. Ich bin hier seit zehn Jahren Stammgast, angefangen als armer Student bis heute mit Frau und Kind. Wie man hier isst, Zeit spart und wie man bestellt, wenn man sich auskennt – das verrate ich euch heute.
Filiale Shinjuku-Ostausgang: Die ewige Hochburg
Beginnen wir mit der Torikizoku-Filiale am Shinjuku-Ostausgang, die Touristen am häufigsten sehen. Hier schlägt das Herz des Tokioter Nachtlebens. Gegen sieben oder acht Uhr abends ist der Andrang so groß, dass man nicht mal einen Platz findet, geschweige denn in den Aufzug kommt. Meine Taktik ist, schon gegen halb sechs abends dort aufzuschlagen. Viele sagen dann: "So früh isst man doch kein Abendessen." Aber ich sage euch, in Shinjuku geht es nicht darum, früh zu essen, weil man hungrig ist, sondern um der Hölle des Anstehens für ein bis zwei Stunden zu entgehen. Die Filiale hat zwar viele Sitzplätze, aber die Besucher wechseln nicht so schnell, wie man denkt, denn alle bestellen eine Runde nach der anderen. Mein aufrichtiger Rat: Wenn ihr eure kostbare Reisezeit nicht vor der Tür verschwenden wollt, macht es wie ich und geht etwas früher hin. Oder ihr plant es als Snack für später ein und kommt nach zehn Uhr abends – dann kommt ihr meist ohne Wartezeit rein.
In der Filiale am Shinjuku-Ostausgang liebe ich es, die Büroangestellten nach Feierabend zu sehen, die Krawatte locker um den Hals, mit einem Bier und einem Yakitori in der Hand, und diesem Gesichtsausdruck: "Endlich Feierabend!" – das ist für mich der authentischste japanische Flair. Das Personal hier ist flott, die Bestellung läuft über Tablets am Tisch, Sprachbarrieren gibt es nicht. Und dass alles zum gleichen Preis angeboten wird, ist für uns, die wir beim Bestellen gerne ohne Blick aufs Budget zuschlagen, extrem angenehm.
Filiale Nishi-Funabashi: Ein Geheimtipp der Einheimischen
Wenn die Filiale am Shinjuku-Ostausgang der Pilgerort für Touristen ist, dann ist die Torikizoku-Filiale in Nishi-Funabashi der Inbegriff des Alltags der Einheimischen. Nishi-Funabashi ist ein großer Verkehrsknotenpunkt, aber hierher verirren sich nur wenige Touristen. Diese Filiale hat viel mehr den Charakter eines Gemeinschaftsrestaurants, weniger die Hektik des Touristenviertels, mehr die Gelassenheit des Alltags. Wenn ich für einen Bericht in der Präfektur Chiba unterwegs bin, steige ich auf dem Rückweg oft bewusst in Nishi-Funabashi aus und gehe hier essen.
Die Stammgäste hier sind oft Familien aus der Nachbarschaft oder Büroangestellte, die auf dem Heimweg umsteigen. Die Atmosphäre ist hier, anders als in Shinjuku mit seinem "schnell-den-nächsten-Tisch-füllen"-Vibe, viel entspannter: "Nimm dir Zeit, kein Stress." Wenn ihr gerade in der Gegend wohnt oder vom Disneyland kommt und hier vorbeikommt, lohnt sich ein Besuch. Das Servicepersonal ist hier besonders freundlich und fragt manchmal, woher ihr kommt.
Was soll man bei Torikizoku unbedingt essen? Die Profi-Bestellliste
Die Speisekarte von Torikizoku ist simpel, aber gerade in der Einfachheit zeigt sich die Meisterschaft. Das große Verkaufsargument ist die Verwendung von einheimischem Hähnchenfleisch von bestimmten, hochwertigen Marken. Die Textur ist perfekt, der Geschmack frisch und süßlich – einfach unschlagbar für den Preis. Viele sind beim ersten Besuch überfordert. Hier ist meine persönliche Liste, mit der ihr garantiert nichts falsch macht:
- Die "Kizoku-Yaki"-Serie: Das ist die Seele des Ladens. Egal ob mit Teriyaki-Sauce oder nur mit Salz – die Sauce ist das Herzstück des Restaurants, süß-salzig perfekt abgestimmt, leicht karamellisiert gegrillt. Beim Reinbeißen explodiert der Fleischsaft im Mund. Ich persönlich bevorzuge die Salz-Variante, da kommt der natürliche Geschmack des Hähnchens besser zur Geltung.
- Hähnchenbrust: Bitte, unterschätzt die Hähnchenbrust nicht. Bei Torikizoku ist sie unglaublich zart, fast schon butterweich. Oft wird sie mit einem Hauch Yuzu-Koshō oder Pflaumensauce serviert – erfrischend und leicht, perfekt zum Bier.
- Hähnchen-Kamameshi (Reis im Tontopf): Viele konzentrieren sich nur auf die Spieße und vergessen die Hauptspeise. Dieser Reis wird direkt am Tisch frisch zubereitet. Der Duft, wenn man den Deckel öffnet, wird euch bereuen lassen, warum ihr ihn nicht schon früher bestellt habt. Für zwei Personen ist eine Portion zum Teilen ideal.
- Weißkohl: Ja, ihr habt richtig gelesen. Der Weißkohl bei Torikizoku kann man unbegrenzt nachbestellen! In der Izakaya-Kultur heißt das "Otōshi", aber hier müsst ihr keine versteckten Gebühren befürchten, die Regeln sind transparent. Der knackige Kohl mit der speziellen Miso-Sauce ist eine perfekte, erfrischende Vorspeise. Ich bestelle mindestens zwei- bis dreimal nach.
Bei den Getränken ist das frisch gezapfte Bier natürlich die erste Wahl. Das erste Glas Bier zum Anstoßen ist einfach ein Muss für das richtige Ambiente. Wenn ihr etwas anderes probieren wollt, sind der Zitronen-Sauer (Lemon Sour) und der Kyoho-Trauben-Sauer ebenfalls Klassiker – süß-säuerlich, genau nach dem Geschmack vieler aus Taiwan.
Ein wichtiger Tipp vor der Bezahlung
Zum Schluss noch ein wichtiger Punkt: Torikizoku wird immer internationaler. Viele Filialen akzeptieren mittlerweile elektronische Zahlungen und einige bieten auch Take-away an. Wenn ihr nach einem langen Tag zu fertig seid, um euch noch wo hinzusetzen, nehmt einfach ein paar Spieße mit ins Hotel, genießt sie mit einem Bier im Bett – das ist auch ein ganz besonderer Luxus. Wenn ihr das nächste Mal in Tokio seid, egal ob ihr in die Filiale am Shinjuku-Ostausgang geht, um die Energie der Stadt zu erleben, oder in Nishi-Funabashi einkehrt, um den Alltag der Einheimischen zu schnuppern – denkt daran: Entspannt euch, genießt in eurem eigenen Tempo die unkomplizierte Köstlichkeit dieses Königreichs der preiswerten japanischen Yakitori.