Jo Nesbøs „Detective Hole“ auf Netflix: Warum Tom Waaler der beste Bösewicht ist, den wir hassen zu lieben
Es ist kein Geheimnis, dass wir Norweger ein angespanntes Verhältnis dazu haben, wenn Hollywood unsere Geschichten interpretiert. Jedes Mal, wenn sich jemand an einen unserer literarischen Schätze wagt, halten wir die Luft an. Aber jetzt, wo Jo Nesbøs „Detective Hole“ auf Netflix Einzug gehalten hat, können wir endlich aufatmen – und das ist vor allem einer Figur zu verdanken: Tom Waaler.
Die Serie, die international bereits für großes Aufsehen sorgt, widmet sich der düsteren Welt von Harry Hole (gespielt von einem herausragenden Tobias Santelmann). Aber für uns, die wir die Bücher schon seit der Oberstufe verfolgen, sticht eines besonders hervor: die Einführung des faszinierenden, hinterhältigen Kollegen Tom Waaler. Mit Joel Kinnaman in dieser Rolle haben wir einen Schurken bekommen, bei dem es einem schon lange vor dem Eintreffen der Handlung von Nemesis oder dem explosiven Finale in The Devil‘s Star eiskalt den Rücken runterläuft.
Von der Buchseite auf die Leinwand: Wer ist Tom Waaler?
Für alle, die The Devil‘s Star: A Novel (oder auf Norwegisch „Marekors“, wie wir es am besten kennen) nicht gelesen haben, hier eine kurze Zusammenfassung, ohne zu viel zu verraten. Tom Waaler ist nicht einfach nur ein Kollege von Harry; er ist der glatte, charismatische Gegenpol. Während Harry mit der Flasche und seinen eigenen Dämonen kämpft, steht Waaler für Ordnung – aber wir Leser wissen, dass sich hinter dieser Fassade eine der berechnendsten und gefährlichsten Figuren des Osloer Untergrunds verbirgt. Er ist ein Polizist nach außen und ein kriminelles Mastermind im Inneren.
Kinnaman fängt diese Dualität auf eine Weise ein, die ich für unmöglich gehalten hätte. Er ist so verdammt charmant, dass man fast vergisst, dass man ihn hasst. Fast. Es ist eine wahre Freude, ihm und Santelmann beim Zusammenspiel zuzusehen; es ist, als würde man zwei Wölfe beobachten, die so tun, als wären sie Hunde, während sie in Wirklichkeit ihre Kräfte messen, um zu sehen, wer zuerst zubeißt.
Warum es so verdammt gut funktioniert
Seien wir ehrlich: Wir haben schon tausend Polizeiserien gesehen. Wir wissen, dass eine Wendung kommt. Aber was diese Serie und besonders die Figur des Waaler so stark macht, ist der langsame Aufbau. Die Serie stützt sich stark auf die Spannung, die in den Büchern aufgebaut wird, insbesondere im Hinblick auf das, was in der Buchwelt als „The Devil‘s Star“ bekannt ist. Wer die Bücher kennt, weiß, dass hier die Geschichte wirklich explodiert, und die Serie deutet dies auf meisterhafte Weise an.
Es gibt drei Gründe, warum Tom Waaler zum großen Anziehungspunkt der Serie wird:
- Das Charisma: Kinnaman spielt ihn nicht als stereotypen Bösewicht. Er ist der Typ, mit dem man gerne ein Bier trinken würde, bis einem klar wird, dass er einem wahrscheinlich die Geldbörse klauen würde, während man aufsteht, um auf die Toilette zu gehen.
- Die Tiefe: Im Gegensatz zu vielen „Must-have-Bösewichten“ in heutigen Krimiserien nehmen sich die Autoren Zeit. Wir sehen Waaler als Teil des Teams, als eine Bereicherung. Das macht den Verrat so viel schmerzhafter, wenn es so weit ist.
- Die Treue zur Vorlage: Man hat nicht versucht, ihn zu „modernisieren“ oder ihn mit einer traurigen Vorgeschichte zum „Antihelden“ zu machen. Er ist einfach der durchtriebene Bastard, den Nesbø geschrieben hat, und das ist erfrischend.
Ich habe einige Kritiker außerhalb Norwegens gesehen, die Santelmanns Leistung als Harry hervorheben, und das ist völlig zu Recht. Aber ich glaube, wir, die wir die Stadt kennen, die wissen, wie es in Oslos Hinterhöfen in einer kalten Winternacht riecht, schätzen die Details in Waalers Figur umso mehr. Er ist nicht nur ein Schurke in einer Serie; er ist ein Teil des Erzählstrangs, der nordische Krimis so einzigartig macht – der ewige Kampf zwischen Ordnung und Chaos, in dem die Grenzen oft verschwimmen.
Falls du die Serie noch nicht gesehen hast: Tu es. Und mach nicht den Fehler, eine Pause in der Küche einzulegen, wenn Tom Waaler auf dem Bildschirm erscheint. Jeder Blick, den er Harry zuwirft, jedes Lächeln, das nicht in den Augen ankommt, ist wie ein Vorbote des Sturms, der sich zusammenbraut. Ich freue mich schon darauf zu sehen, wie sie den Weg bis zur finalen Konfrontation meistern – wer The Devil‘s Star gelesen hat, weiß genau, wovon ich spreche.