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Jo Nesbøs «Detective Hole» auf Netflix: Warum Tom Waaler der beste Schurke ist, den wir hassen zu lieben

Unterhaltung ✍️ Kari Nordmann 🕒 2026-03-29 09:09 🔥 Aufrufe: 3

Es ist kein Geheimnis, dass wir Norweger ein zwiespältiges Verhältnis dazu haben, wenn Hollywood unsere Geschichten interpretiert. Wir halten den Atem an, sobald jemand an einen unserer literarischen Schätze Hand anlegt. Aber jetzt, da Jo Nesbøs «Detective Hole» auf Netflix Einzug gehalten hat, können wir endlich aufatmen – und das liegt an einer einzigen Figur: Tom Waaler.

Tobias Santelmann als Harry Hole in der Netflix-Serie Detective Hole

Die Serie, die international bereits für viel Aufsehen sorgt, beleuchtet die düstere Welt von Harry Hole (gespielt von einem herausragenden Tobias Santelmann). Aber für uns, die wir die Bücher seit der Oberstufe verfolgen, sticht eines besonders hervor: die Einführung des charismatischen, hinterhältigen Kollegen Tom Waaler. Mit Joel Kinnaman in dieser Rolle haben wir einen Bösewicht bekommen, der uns schon lange vor dem eigentlichen Geschehen von Nemesis oder dem explosiven Finale in The Devil's Star einen eiskalten Schauer über den Rücken jagt.

Von der Buchseite auf die Leinwand: Wer ist Tom Waaler?

Für alle, die The Devil's Star: A Novel (oder auf Norwegisch «Marekors», wie wir es am besten kennen) nicht gelesen haben, hier eine kurze Zusammenfassung, ohne zu viel zu verraten. Tom Waaler ist nicht einfach nur ein Kollege von Harry; er ist der glatte, charismatische Gegenpol. Während Harry mit der Flasche und seinen Dämonen kämpft, steht Waaler für Ordnung – aber wir Leser wissen, dass sich hinter dieser Fassade eine der berechnendsten und gefährlichsten Figuren im Osloer Untergrund verbirgt. Er ist ein Polizist nach aussen und ein kriminelles Mastermind im Inneren.

Kinnaman fängt diese Dualität auf eine Weise ein, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Er ist so verdammt charmant, dass man fast vergisst, ihn zu hassen. Fast. Es ist eine Freude zu sehen, wie er und Santelmann gegeneinander spielen; es ist, als würde man zwei Wölfe beobachten, die so tun, als wären sie Hunde, während sie in Wirklichkeit ihre Kräfte messen, um zu sehen, wer den anderen als Erster an die Gurgel geht.

Warum es so verdammt gut funktioniert

Seien wir ehrlich: Wir haben schon tausend Polizeiserien gesehen. Wir wissen, dass es einen Twist geben wird. Aber was diese Serie und insbesondere die Figur Waaler so stark macht, ist der langsame Aufbau. Die Serie verlässt sich stark auf die Spannung, die in den Büchern aufgebaut wird, insbesondere im Hinblick auf das, was in der Buchwelt als «The Devil's Star» bekannt ist. Wer die Bücher kennt, weiss, dass hier die Geschichte richtig explodiert, und die Serie deutet dies auf meisterhafte Weise an.

Es gibt drei Gründe, warum Tom Waaler der grosse Star der Serie wird:

  • Das Charisma: Kinnaman spielt ihn nicht als stereotypen Bösewicht. Er ist der Typ, mit dem man gerne ein Bier trinken würde – bis einem klar wird, dass er wahrscheinlich dein Portemonnaie klauen würde, während du aufstehst, um aufs Klo zu gehen.
  • Die Tiefe: Im Gegensatz zu vielen «Muss-den-Schurken» in heutigen Krimis nehmen sich die Drehbuchautoren Zeit. Wir sehen Waaler als Teil des Teams, als Ressource. Das macht den Verrat umso schmerzhafter, wenn es so weit ist.
  • Die Treue zur Vorlage: Sie haben nicht versucht, ihn zu «modernisieren» oder zu einem «Antihelden» mit einer traurigen Hintergrundgeschichte zu machen. Er ist einfach der durchtriebene Bastard, den Nesbø geschrieben hat, und das ist erfrischend.

Ich habe einige Kritiker ausserhalb Norwegens gesehen, die Santelmanns Leistung als Harry hervorheben, und das ist verdient. Aber ich denke, wir, die die Stadt kennen, die wissen, wie es in Oslos Hintergassen in einer kalten Winternacht riecht, schätzen die Details bei Waaler umso mehr. Er ist nicht nur ein Schurke in einer Serie; er ist Teil dessen, was die norwegische Kriminalliteratur so einzigartig macht – der ewige Kampf zwischen Ordnung und Chaos, bei dem die Grenzen oft verschwimmen.

Falls du die Serie noch nicht gesehen hast: Tu es. Und mach nicht den Fehler, während einer Szene mit Tom Waaler in die Küche zu gehen. Jeder Blick, den er Harry zuwirft, jedes Lächeln, das nicht in den Augen ankommt, ist wie ein Vorbote des herannahenden Sturms. Ich freue mich jetzt schon darauf zu sehen, wie sie den weiteren Weg bis zur finalen Konfrontation gestalten – wer The Devil's Star gelesen hat, weiss genau, wovon ich rede.