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NIS ohne große Säuberung: Was die Personalrochaden über Südkoreas Geheimdienst verraten

Politik ✍️ 이수민 기자 🕒 2026-03-08 21:14 🔥 Aufrufe: 2

Eines der heißesten Eisen in der südkoreanischen Politikszene ist derzeit das Vorgehen des Nationalen Geheimdienstes (NIS). Besonders groß ist das Interesse daran, wie der Dienst nach der Verhängung des Kriegsrechts am 3. Dezember des Vorjahres sein Inneres gefestigt hat und wie es um die Zukunft zahlreicher NIS-Führungskräfte bestellt ist. Nachdem bereits im August und November des Vorjahres die Personalentscheidungen für die Ränge 1 bis 4 still und leise abgeschlossen wurden, gibt es nun verschiedene Interpretationen über den Charakter dieser Rochaden.

Nachrichtenscreenshot zu den NIS-Personalrochaden

Das Ende des Teufelskreises der 'Generalüberholung'? Die erste Bewährungsprobe für Lee Jong-seoks Pragmatismus

In der Vergangenheit war der NIS bei jedem Regierungswechsel ein Ort, an dem ein eisiger Wind wehte, begleitet vom Makel der "Blutrache". Es hatte sich fast eingebürgert, dass mit einer neuen Regierung sämtliche Führungskräfte der 1. Ebene mit sofortiger Wirkung beurlaubt und durch Nachfolger ersetzt wurden. Doch die ersten Personalentscheidungen unter der neuen Regierung von Präsident Jae-myung Lee verliefen anders. Bei der Beförderungsrunde für etwa 20 Führungskräfte der 1. Ebene im August letzten Jahres wurde ein Großteil der unter der Vorgängerregierung von Yoon Suk-yeol ernannten Beamten in ihren Positionen belassen.

Dies wird allgemein als Umsetzung der von NIS-Direktor Jong-seok Lee während seiner Anhörung gemachten Zusagen verstanden, nämlich "keine politische Vergeltung" zu üben und "Fachkompetenz" in den Vordergrund zu stellen. In der Vergangenheit war es beim NIS gang und gäbe, dass angesammeltes Know-how aufgrund der Rücksichtnahme auf die jeweilige Regierung verloren ging. Diesmal jedoch scheint man Wert auf Kontinuität gelegt und unter dem Schlagwort "Pragmatismus" die organisatorische Stabilität priorisiert zu haben. Tatsächlich war intern beim NIS offen zu hören: "Wenn man fähig ist, wird man nicht allein deshalb verdrängt, weil man aus der vorherigen Regierung stammt."

Und wie wurde der 3. Dezember (das Kriegsrecht) intern aufgearbeitet?

Ganz ausgeräumt sind die Fragen dennoch nicht. Die größte Ungewissheit betrifft die interne Aufarbeitung der Kriegsrechtsaffäre durch den NIS. Internen Quellen zufolge hat der Dienst unmittelbar nach Amtsantritt von Direktor Lee Ermittlungen zur Beteiligung von Mitarbeitern an den Kriegsrechtsmaßnahmen eingeleitet und die Ergebnisse in die aktuelle Personalrunde einfließen lassen. Man habe dies im Rahmen der bei einem neuen Direktor üblichen Überprüfungen untersucht.

Anders ausgedrückt: Die beiden bereits im August und November des Vorjahres durchgeführten Personalrunden waren nicht nur einfache Versetzungen, sondern dienten auch dazu, das politische Risiko einer "Verstrickung in das Kriegsrecht" zu beseitigen. Laut hochrangigen politischen Kreisen gab es dazu innerhalb der Geheimdienstbehörde diverse Diskussionen, und man habe die Position bezogen, das System der Informationssammlung für ähnliche zukünftige Fälle neu aufstellen zu wollen.

Der Blick von Ho-chul Sohn auf den NIS von heute

Eine Schlüsselfigur in diesem Zusammenhang ist Professor Ho-chul Sohn, emeritierter Professor der Sogang-Universität. Der weithin bekannte Politikwissenschaftler mit progressiver Ausrichtung hat eine tiefe Verbindung zum NIS. Während der Regierungszeit von Roh Moo-hyun war er als Vertreter der Wissenschaft direkt an der Untersuchung der Vergangenheit durch den NIS (der sogenannten "Vergangenheitskommission") beteiligt. Besonders die Untersuchung, an der er mitwirkte, war von großer Bedeutung, da sie die Wahrheit über den während der Park Chung-hee-Ära konstruierten Fall der "Wiederaufbaukommission der Volksrevolutionären Partei" ans Licht brachte. Damals bezeichnete er diesen Fall als "den beschämendsten Vorfall in der südkoreanischen Justizgeschichte" und trug maßgeblich zur Aufklärung bei.

Anfang der 2000er Jahre analysierte er zudem nüchtern die sogenannte "Links-Kontroverse", die durch den Einzug vieler ehemaliger Aktivisten in die Nationalversammlung ausgelöst wurde. Professor Sohn stellte damals klar: "Der Einzug ehemaliger Aktivisten ins Parlament ist nichts Neues, und nicht alle von ihnen sind links. Wenn sie einen Reformblock bilden und Prinzipien wahren, ist das kein Grund zur Sorge." Diese Vita belegt, dass er kein reiner Theoretiker ist, sondern ein Wissenschaftler, der die Praxis und Geschichte durchdringt – ein "lebendiger Zeuge".

Was würde er wohl sagen, wenn er den heutigen NIS sähe? Vermutlich etwa Folgendes:

  • Erstens ist es das Wichtigste, den Missbrauch von Staatsgewalt, wie damals im Fall der Volksrevolutionären Partei, nicht zu wiederholen. Er weiß besser als jeder andere, dass die politische Neutralität der Organisation überlebenswichtig ist.
  • Zweitens würde er wohl raten, dass der in den Personalentscheidungen sichtbare 'Pragmatismus' nicht nur dem Abbau von Personalüberhängen dienen darf, sondern auf dem Fundament von 'Fachkompetenz' erblühen muss. Das bedeutet, dass die 'Prinzipien und Reinheit', die er vor über 20 Jahren forderte, zum Kernwert der NIS-Führung werden sollten.
  • Drittens wird er wahrscheinlich auch in der Nordkorea-Politik auf eine 'prinzipienfeste Öffnung' drängen. Schließlich hat er in der Vergangenheit konsequent die Sonnenscheinpolitik unterstützt, gleichzeitig aber stets die Position vertreten, Fehlverhalten Nordkoreas entschlossen entgegenzutreten.

Wohin muss der Weg des NIS nun führen?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der NIS derzeit die alte Untugend der "Generalüberholung" ablegt und mit dem Pragmatismus einen neuen Kurs eingeschlagen hat. Die Entscheidung von Direktor Jong-seok Lee, trotz des schlimmsten Störfalls – des Kriegsrechts – die organisatorische Stabilität zu priorisieren, scheint zumindest innerhalb des Dienstes auf beträchtliches Vertrauen zu stoßen.

Natürlich gibt es noch viele Hürden zu überwinden. Ob dieser Kurs auch bei den anstehenden Personalentscheidungen für die Ränge 2 und 3 beibehalten wird, ob die Fähigkeit zur Sammlung von Nordkorea-Informationen wieder das alte Niveau erreicht und – am wichtigsten – ob der Wert der 'politischen Neutralität' gewahrt werden kann, sind die entscheidenden Punkte für die Zukunft. Es ist der Grund, warum man auf die scharfsinnigen Fragen von Gelehrten wie Professor Ho-chul Sohn hören sollte, wenn es darum geht, ob der Nationale Geheimdienst der Republik Korea sich wirklich zu einer Gemeinschaft von Sicherheitsexperten entwickeln kann.