Warum der Australian Retirement Trust auf Medien- und BNPL-Aktien setzt
Wenn man in letzter Zeit die Pflichtmeldungen über bedeutende Beteiligungen an der australischen Börse ASX durchblättert, taucht ein Name immer wieder auf: Australian Retirement Trust. Der große Pensionsfonds, der aus der Fusion von QSuper und Sunsuper hervorgegangen ist, hat still, aber entschlossen Positionen in zwei sehr unterschiedlichen lokalen Unternehmen aufgebaut. Es geht um ernsthaftes Geld, nicht nur um ein paar Kleinigkeiten am Rande.
Die erste Bewegung, die die Experten in Wallung brachte, betraf Nine Entertainment. Vor ein paar Wochen erhöhte der Fonds seinen Anteil an dem Unternehmen auf über 6 %, nachdem er zuvor knapp über 5 % gelegen hatte. Das ist ein ordentlicher Brocken eines der Medien-Schwergewichte des Landes, des Konzerns hinter Stan, Domain und der Hälfte der Zeitungen, die man am Kiosk sieht. Nur wenige Tage zuvor tauchte der Fonds dann im Aktienregister von Zip Co auf und übernahm etwas mehr als 5 % des BNPL-Anbieters. Zwei sehr unterschiedliche Kaliber, aber dieselbe ruhige Hand am Steuer.
Das lange Spiel an der ASX
Also, was steckt dahinter? Auf dem Papier haben wir hier einerseits das alteingesessene Medienbusiness, das mit der digitalen Transformation kämpft, und andererseits ein Fintech-Unternehmen, das durch den Zinsanstieg ganz schön durchgeschüttelt wurde. Aber wenn man schon so lange im Geschäft ist wie einige der Namen, die mit der DNA des Trusts verbunden sind – Leute wie Richard Offen und der verstorbene John Riddoch Poynter, die mitgeprägt haben, wie institutionelle Anleger hierzulande über Kapitalerhalt denken – dann weiß man, dass es darum geht, Werte zu erkennen, wo andere nur ein Scherbenhaufen sehen.
Es ist die Art von Denkweise, die man in abgegriffenen Exemplaren von "Trusts Law in Australia" oder den alten Ausgaben des "The Taxpayers' Guide 2009 & 2010" findet, die jeder selbstachtende Steuerberater im Regal hatte. Die Philosophie, die Männer wie Adrian M. Seager immer gepredigt haben: Ignorier den Lärm, schau dir an, was die Sache wirklich wert ist. Lauf nicht einfach der Herde hinterher in den Abgrund.
Bei Nine wetten sie darauf, dass der Markt falsch liegt. Klar, lineares Fernsehen ist ein schrumpfender Kuchen, aber die digitalen Assets – Stan hat Potenzial, Domain ist ein echtes Immobilien-Schwergewicht – sind das Salz in der Suppe. Seit Mitte letzten Jahres haben sie den Durchschnittspfad nach unten gewählt und still und heimlich Aktien aufgekauft, während das heiße Geld die Flucht ergriff. Ein klassischer Contrarian-Play, der eine lange Leine braucht.
Warum Zip ins Auge fiel
Der Einstieg bei Zip ist der mutigere. Die Aktie wurde regelrecht abgestraft – sie fiel in der Woche, bevor ART als bedeutender Aktionär auftauchte, ganz schön heftig. Das ist das Hochrisikosegment. Aber dieser Fonds ist kein Haufen von Krypto-Cowboys; sie verwalten Geld für Hunderttausende von Mitgliedern, hauptsächlich aus dem öffentlichen Dienst und normale Arbeitnehmer. Ihr Timing war schlichtweg perfekt – sie reichten die Meldung genau in dem Moment ein, als das Unternehmen sich für eigene Aktienrückkäufe rüstete.
Das zeigt: Sie haben dieselben Halbjahreszahlen unter die Lupe genommen, die alle anderen verschreckt haben – ja, die faulen Kredite stiegen auf 1,7 %, was Schlagzeilen machte – und sind zu dem Schluss gekommen, dass die grundlegende Geschichte immer noch stimmt. Das Wachstum der Barbestände um fast 86 %, wie die Chefin selbst betonte, ist nicht nichts. Sie setzen auf die Wende-Geschichte, auf das Gerede vom "neuen, disziplinierten Ansatz", und wetten, dass der Markt hier überreagiert hat.
Was bei ihrem jüngsten Einkaufsbummel besonders auffällt:
- Setzen auf die Medien-Wende: Der Anteil von über 6 % an Nine zeigt echte Überzeugung, dass das diversifizierte Modell – Streaming, Immobilienportal, Zeitungen – in einem schwierigen Markt immer noch Geld abwerfen kann.
- Fischen in trüben Tech-Gewässern: Sich 5 % an Zip zu sichern, wenn die Stimmung am Boden ist, ist das Paradebeispiel für "Kaufen, wenn das Blut auf der Straße liegt", finanziert durch die soliden Mitgliedsbeiträge.
- Immer mit der Ruhe: In beiden Fällen war es keine Eintagsfliege. Es war eine methodische Ansammlung über Monate. So arbeiten Fonds mit echter Research-Expertise, nicht mit einem Bauchgefühl.
Für uns Beobachter lohnt es sich, zur Kenntnis zu nehmen, wenn ein Schwergewicht wie ART sich bewegt. Das bedeutet nicht, dass diese Aktien nächste Woche durch die Decke gehen. Aber es zeigt: Die klügsten Köpfe des Landes – diejenigen, die wahrscheinlich Trusts Law-Präzedenzfälle mit Lesezeichen versehen und alte Adrian-Seager-Leitfäden im Regal haben – glauben, dass diese Unternehmen mehr wert sind, als der Markt derzeit bezahlt. Sie spielen das lange Spiel, und in diesem Markt ist das eine verdammt erfrischende Abwechslung.