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Mojtaba Chamenei an der Schwelle zur Führung: Übergibt die Revolutionsgarde den "Schlüssel" Irans an den Sohn des verstorbenen Führers?

Politik ✍️ عمر الفاروق 🕒 2026-03-04 04:12 🔥 Aufrufe: 2
Das beschädigte Gebäude des Expertenrats in Ghom

Der Angriff auf das Gebäude des Expertenrats in der Stadt Ghom vor wenigen Stunden war nicht einfach ein weiterer militärischer Schlag inmitten der eskalierenden Spannungen. Aus meiner Sicht war genau dieser Moment die eigentliche Verkündung des Endes einer Ära und des Beginns einer anderen, dunkleren und undurchsichtigeren Ära. Während israelische Raketen den Ort unter Beschuss nahmen, standen die versammelten Mitglieder – oder jene, die noch übrig waren – kurz davor, über das Schicksal des höchsten Amtes der Islamischen Republik zu entscheiden. Die durchgesickerten Informationen aus Teheran und London deuten alle in eine Richtung: Mojtaba Chamenei, der Sohn des verstorbenen Führers, ist der Mann, hinter den die Revolutionsgarden ihr enormes Gewicht geworfen haben, um ihn zum Nachfolger seines Vaters zu machen.

Die "Hand im Schatten" tritt ans Licht: Warum gerade Mojtaba?

Seit Jahren verfolge ich die Akte von Mojtaba Schirazi (ein Hinweis auf seine familiäre Abstammung) und habe über ihn als den "Mann im Schatten" geschrieben, der das wirtschaftliche Imperium seiner Mutter verwaltet und die Ernennung hoher Sicherheitsbeamter überwacht. Was in den letzten Tagen geschah, war für den aufmerksamen Beobachter der iranischen Szene keine Überraschung. Die Überraschung lag in der Geschwindigkeit, mit der die Karten aufgedeckt wurden. Sofort nach der Ermordung von Ali Chamenei verlagerte sich die Diskussion vom "Expertenrat" als Verfassungsorgan hin zu einem "Rat unter Bewachung", bei dem Meisam Motiei und andere Vertraute der Garden die eigentlichen Paten sind. Die Revolutionsgarden wissen, dass jeder andere Kandidat als Mojtaba die Tür zu einem ideologischen Kampf um die Grundlagen der Revolution öffnen würde, während Mojtaba die Kontinuität des "Systems" im Namen von Religion und Geld gleichermaßen sicherstellt.

Der Angriff auf Ghom: Ein verzweifelter Versuch, den Spieß umzudrehen?

Der israelische Angriff war nicht willkürlich, sondern ein präziser Schlag gegen den Prozess der bevorstehenden Wahl des obersten Führers des Iran. Nach Informationen von Eingeweihten über das, was hinter verschlossenen Türen geschah, fand in dem Gebäude in Ghom gerade eine Stimmenauszählung oder eine abschließende Beratung statt, als die Flugzeuge kreisten. Teheran dementierte, dass der Hauptsitz das Ziel gewesen sei, und bezeichnete ihn als "alt und nebensächlich". Satellitenbilder und unserem Rechercheteam vorliegende Videos bestätigen jedoch das genaue Gegenteil.

Hier liegt der Kern der Sache: Warum sollte Israel ein Wahllokal bombardieren, wenn es leer ist? Und warum verkündet Tel Aviv stolz, den Auszählungsprozess gestört zu haben? Die Antwort ist einfach: Weil der Zeitpunkt der Nachfolge die sprichwörtliche 'Achillesferse' des Regimes war und Israel versuchte, diese Schwachstelle auszunutzen. Doch Teheran scheint schneller gewesen zu sein; die Bekanntgabe der Wahl Mojtabas erfolgte unter sofortigem militärischem und politischem Druck, um jeglichem Chaos vorzubeugen, das Israel oder sogar die interne Opposition, vertreten durch den reformistischen Flügel um Hassan Khomeini, hätte ausnutzen können.

Was bedeutet die Machtübernahme des "Sohnes des Führers"?

Sollten sich die Nachrichten in den nächsten Stunden bestätigen – und ich wette, es ist nur eine Frage der Zeit – dann tritt Iran in eine völlig neue Phase ein. Der Machtübergang vom Vater auf den Sohn verwandelt das System von der "Herrschaft des Rechtsgelehrten" in eine "Herrschaft der Familie". Für mich ist das ein radikaler Wandel. Es geht nicht mehr um die führenden Geistlichen, die Konsense erzielen, sondern um eine Sicherheits-Militärfront, die von einer einzigen Familie mit religiösem Deckmantel geführt wird. Genau hier liegen die großen geschäftlichen und investiven Chancen, wenn man so will, für die Golfstaaten, an erster Stelle das Königreich Saudi-Arabien:

  • Geopolitisch gesehen: Eine größere iranische Starrheit in der Atomfrage und bei Verhandlungen mit dem Westen, was weitere regionale Eskalation bedeutet und möglicherweise die Energie-Allianzen neu ordnen könnte.
  • Wirtschaftlich gesehen: Die anhaltende Kontrolle des "Mojtaba-Netzwerks" über lebenswichtige Sektoren (vom Öl bis zum Baugewerbe) bedeutet, dass jede Entspannung mit Iran von der Zustimmung dieses privaten Netzwerks abhängt, nicht nur von der Zentralregierung.
  • Auf Sicherheitsebene: Die Revolutionsgarden, die Mojtaba durchgesetzt haben, werden unangefochten das letzte Wort haben, was die Wahrscheinlichkeit indirekter Konfrontationen mit Israel über Stellvertreter erhöht.

Eines der auffälligsten Details war das Leck, das unmittelbar nach dem Angriff aus den Korridoren der israelischen Entscheidungsfindung kam, mit dem Inhalt: "Es spielt keine Rolle, wer heute gewählt wird, sein Schicksal ist besiegelt, allein das iranische Volk wird seinen nächsten Führer wählen." Das ist nicht nur Propaganda; es ist ein Eingeständnis, dass Israel in dieser Vererbung der Macht eine Chance sieht, den Riss zwischen Volk und Regime zu vertiefen. Ich gehe im Gegenzug davon aus, dass Teherans Antwort eine Beschleunigung des Atomprogramms sein wird, als Druckmittel und zur inneren Legitimation.

Fazit: Wir stehen vor einer vererbten "Republik der Angst"

Letztendlich scheint es, dass Mojtaba Chameini das Gewand seines Vaters anlegen wird, aber die Last wird schwerer sein. Die regionale Lage ist aufgeheizt, die iranische Wirtschaft steht am Abgrund, und die Menschen auf der persischen Straße sind erschöpft. Für uns in der Region, insbesondere in Saudi-Arabien, bedeutet dies, dass wir es mit einem noch härteren und weniger flexiblen Regime zu tun haben werden, weil es ihm sogar an der traditionellen Legitimität mangelt, über die sein Vater verfügte. Die Wahlen zum Expertenrat endeten, bevor sie begonnen haben, und es bleibt nur zuzusehen, wie der "Sohn" das Erbe seines Vaters in einem Land verwaltet, das unter der Last von Sanktionen und Raketen stöhnt.