Balmaseda bereitet sich auf die grosse Nacht vor: Tränen, Emotionen und das Herz eines Dorfes, das in die lebendige Passionsspiele eintaucht
Wenn es einen Ort gibt, an dem die Karwoche mit einer Intensität erlebt wird, die einem unter die Haut geht, dann ist das Balmaseda. Ich streife seit Jahrzehnten durch die Ecken von Bizkaia, und jedes Jahr, wenn diese Zeit näher rückt, weiss ich: In der Stadt verändert sich die Stimmung. Es ist nicht nur das geschäftige Treiben der Vorbereitungen, es ist eine spürbare, ergreifende Ruhe, die in der Luft liegt, wie ein Versprechen, das sich gleich erfüllt. Und in diesem Jahr 2026 hat dieses Versprechen einen Namen: Aitor Sollano.
Am Donnerstag, bei der Generalprobe, konnte ich ihn sehen. Der Jesus dieser Passionsspiele konnte die Tränen nicht zurückhalten. Und wohlgemerkt, ich spreche nicht von einem Schauspieler, der sich auf eine Rolle vorbereitet. Ich spreche von jemandem, dem diese Figur – wie er mir im vertrauten Gespräch gestand – «unter die Haut geht und einen als Menschen verändert». Sollano spielt keine Rolle, er lebt die Passion, und diese Ehrlichkeit dringt in einen ein. Wenn man ihn über die Kopfsteinpflaster-Gassen gehen sieht, von der Plaza de San Severino bis hinauf nach Golgatha, versteht man: Für Balmaseda ist das keine Aufführung, es ist ein gemeinschaftlicher Akt des Glaubens.
Über zwei Jahrhunderte Geschichte und ein Gefühl, das nicht altert
Manche nennen sie die ältesten Passionsspiele im Baskenland, und das zu Recht. Aber wir hier, die wir damit aufgewachsen sind, wir wissen: Auf den Rekord kommt es nicht an. Sondern darauf, wie sich jedes Jahr die Dorfgemeinschaft ins Zeug legt, damit die Welt versteht, was das hier bedeutet. Es geht nicht nur um den Kreuzweg. Es ist die monatelange Arbeit, der Einsatz von Hunderten von Statisten, die Liebe zum Detail bei den Kostümen, die Beleuchtung, die die Altstadt in ein Jerusalem des ersten Jahrhunderts verwandelt.
Diesen Tagen spaziert man über die Calle Mayor und spürt eine besondere Atmosphäre. Die Anwohner schmücken ihre Balkone, die Kinder fragen nach den römischen Soldaten und in den Bars werden Pintxos vorbereitet für den Ansturm der Besucher, die Jahr für Jahr die Stadt füllen. Es geht um Tausende von Menschen. Die Sociedad Deportiva Balmaseda Fútbol Club etwa stimmt sich auch immer auf das Fest ein, aber in diesen Tagen liegt das Geschehen im Herzen der Stadt, in ihren Gassen, bei ihren Leuten.
Was ihr wissen müsst, um kein Detail zu verpassen
Wenn ihr euch traut herzukommen – und ich weiss, dass viele von euch das jedes Jahr tun –, hier ein paar wichtige Punkte, damit das Erlebnis rund wird. Das ist kein einfacher Touristenspaziergang, hier taucht ihr ein in die Essenz eines Dorfes.
- Der Höhepunkt: Die Darstellung der Passion mit der Kreuzigung ist das zentrale Geschehen. Es empfiehlt sich, früh zu kommen, um einen guten Platz zu ergattern, besonders in den Bereichen San Roque und Golgatha.
- Mehr als ein Schauspiel: Aitor Sollano ist nicht allein. Hinter ihm steht ein Ensemble von über 400 Menschen, alles Freiwillige, die mit ihrer stillen Arbeit dieses jährliche Wunder möglich machen.
- Das Wetter ist keine Ausrede: Ich habe schon manchen über den berühmten «Balmaceda» aus den Wetterberichten sprechen hören, aber ich kann euch versichern: Wenn das Gefühl hier so gross ist, trübt nicht mal ein Regentropfen die Stimmung. Die Passionsspiele finden statt, ob es nun regnet oder stürmt.
Gestern Abend, bei den allerletzten Vorbereitungen, traf ich ein paar Mitglieder der Organisation. Die Müdigkeit war ihnen anzusehen, aber auch die Genugtuung. Der «Jesus von Balmaseda», wie sie ihn liebevoll nennen, weiss, dass er die Tränen wieder wird zurückhalten müssen. Und wir, die wir dann dabei sein werden, wir wissen, dass es uns genauso gehen wird. Denn am Ende sind die Passionsspiele nicht einfach nur eine Tradition; sie sind der Herzschlag eines Dorfes. Und in diesem Jahr wird Aitor Sollano derjenige sein, der uns das mit jeder Geste, mit jedem Schritt, mit jeder Träne in Erinnerung ruft. Das solltet ihr nicht verpassen.