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Das Amerika, um das wir ringen: Vom Schumer-Coup bis zu deinem American Eagle Shirt

Politik ✍️ Mike Connelly 🕒 2026-03-19 03:15 🔥 Aufrufe: 1
Senatsmehrheitsführer Chuck Schumer spricht an einem Rednerpult

Man sieht es heutzutage überall – dieses geteilte Bild von Amerika. In einer Minute scrollt man durch die Instagram-Story eines Kumpels, wie sein Kind die neue American Girl-Puppe des Jahres auspackt, im nächsten schnappt man eine Schlagzeile auf, wie Chuck Schumer mit den Republikanern wegen des Save America Act auf Konfrontationskurs geht. Da kriegt man ja das Flattern. Aber wissen Sie was? Dieses Flattern? Das ist Amerika im Moment.

Letzte Woche saß ich am Flughafen O'Hare im Warteraum, auf einen verspäteten American Airlines-Flug nach Dallas wartend, als der Typ neben mir – gekleidet in einen American Eagle-Kapuzenpulli – über die Nachrichten auf seinem Handy zu schimpfen begann. "Die machen es einem schwerer zu wählen", sagte er, mehr zu sich selbst als zu mir. "Oder leichter, je nachdem, wen man fragt", brummelte ich zurück. Am Ende haben wir uns bis zum Gate unterhalten. Er war ein Elektriker von der Gewerkschaft auf dem Weg zu einem Job in Texas, der befürchtete, dass die Ausweispflicht im neuen Gesetz einige seiner jüngeren Lehrlinge ausschließen würde. Ich dachte an meine Cousine in Phoenix, eine überzeugte Unabhängige, die es für gesunden Menschenverstand hält, einen Lichtbildausweis vorzuzeigen – wie beim Bierkauf. Genau darum geht es in diesem Streit. Es geht nicht mehr um links oder rechts; es geht um zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie dieses Land aussehen soll.

Der Kampf auf dem Hügel, den du verpasst (aber nicht verpassen solltest)

Im Kapitol tobt eine regelrechte Schlacht. Schumer hat sich eingegraben und nennt den Save America Act eine moderne Kopfsteuer, verpackt in patriotisches Geschenkpapier. Der progressive Flügel seiner Partei steht geschlossen hinter ihm und verweist auf Studien, die zeigen, dass strenge Ausweisgesetze Minderheiten und einkommensschwache Viertel am härtesten treffen. Auf der anderen Seite hingegen haben wir Leute wie Senator Kennedy, die argumentieren, dass man, wenn man einen Ausweis braucht, um Sudafed zu kaufen oder einen American Airlines-Flug zu besteigen, verdammt nochmal einen brauchen sollte, um seine Stimme abzugeben. Der Begriff "Wahlintegrität" wird so oft herumgeworfen, dass er jede Bedeutung verloren hat. Aber verlässt man den Hügel und betritt irgendein Wirtshaus von Cleveland bis Charlotte, wird die Unterhaltung schnell ganz einfach und direkt.

Was 'Amerika' bedeutet, wenn die Symbole kollidieren

Es ist schon seltsam, nicht wahr? Wir tragen alle diese mentalen Postkarten des Landes in uns. Für viele Leute zeigt diese Postkarte den Weißkopfseeadler, die Flagge, vielleicht ein Kind mit seiner ersten American Girl-Puppe – ein Symbol heiler, kleinstädtischer Werte. Für andere ist es die Weite Nordamerikas, die offene Straße, der Gedanke, dass die eigene Familie von den Großen Seen runter nach Mexiko fahren kann, ohne einen Pass vorzuzeigen. Und dann gibt es noch die kulturellen Fixpunkte, die sich nicht so recht in die Erzählung der einen oder anderen Partei einfügen wollen.

  • American Airlines-Flugbegleiter, die genervt mit den Augen rollen, wenn schon wieder eine politische Diskussion in der First Class ausbricht.
  • Das American Eagle-Logo auf dem T-Shirt eines Jugendlichen bei einer Protestaktion, und das gleiche Logo auf dem Hemd eines Polizisten, der eben diese Protestaktion absichert.
  • Club América-Trikots, die in Fußballkneipen von LA bis Chicago auftauchen, eine Erinnerung daran, dass "Amerika" auf Spanisch etwas anderes bedeutet als auf Englisch – und das ist schon länger so, als irgendjemand von uns lebt.

Das sind nicht einfach nur Marken oder Teams. Sie sind die Geräuschkulisse eines Landes, das mit sich selbst im Clinch liegt. Wenn ich eine Schlagzeile über den Save America Act sehe, denke ich nicht nur an den Senatssaal. Ich denke an diesen Elektriker im American Eagle-Kapuzenpulli. Ich denke an die Club América-Fans, die ich kenne, die im letzten Jahrzehnt Bürger geworden sind und jetzt diese Debatte wie ein Luchs beobachten. Ich denke daran, dass Nordamerika ein Kontinent ist, nicht nur eine Nation – und was in Washington passiert, hat Auswirkungen bis nach Toronto und Mexiko-Stadt.

Also, was ist das Fazit?

Ehrlich gesagt? Ich habe kein einfaches parat. Das ist keine Kolumne, in der ich Ihnen sage, wer recht hat und wer nicht. Der Typ im Flugzeug wird seine Meinung nicht wegen etwas ändern, das ich schreibe, und Chuck Schumer auch nicht. Aber vielleicht ist der Punkt ja der, dass Amerika schon immer eine Ansammlung von Widersprüchen war, zusammengehalten mit Panzerband und dem gemeinsamen Glauben, dass morgen vielleicht besser wird. Im Moment sieht das Panzerband ein wenig ausgefranst aus. Wir streiten über die grundlegenden Spielregeln – wer mitspielen darf, wer die Punkte zählt.

In der Zwischenzeit geht das Leben weiter. Der American Airlines-Flug landet. Die American Girl-Puppe wird geliebt. Das nächste Club América-Spiel wird angepfiffen. Und irgendwo, in einem Gemeindeamt, einem Wohnzimmer oder einer Bar, fängt gerade ein weiteres Gespräch darüber an, was dieses Land sein soll. Das ist das Amerika, das ich kenne. Chaotisch, laut und unmöglich, wegzusehen.