Erdgas: Der Kampf um die Nachfrage entbrennt neu – von LNG und CNG bis zu Erdgasfahrzeugen
Wer derzeit in der Energiebranche tätig ist, kommt an einem Thema kaum vorbei: Erdgas. Noch im vergangenen Jahr war der Markt im Schatten der Ölpreisentwicklung relativ ruhig, doch heuer hat sich das Blatt gewendet. Die Kältewelle auf der Nordhalbkugel hält länger an als erwartet – die Heizungsnachfrage ist explodiert, und gleichzeitig hat ein regelrechter Wettlauf um Schiffe mit Flüssigerdgas (LNG) für die Stromerzeugung begonnen. Noch vor einem Monat war die optimistische Ansicht vorherrschend, man könne mit den Lagerbeständen auskommen – doch jetzt spricht man eine völlig andere Sprache.
Der springende Punkt ist der kurzfristige Spotpreis für Flüssigerdgas (LNG). Letzte Woche schien er sich bei 14 Dollar pro Tonne zu beruhigen, doch dann übertrafen die gemeldeten Importmengen Japans und Chinas für März die Erwartungen um 12 Prozent – und die Anspannung kehrt zurück. Aus meinen eigenen Recherchen vor Ort weiß ich: Auch die Korea Gas Corporation ist damit beschäftigt, für die Lieferungen im April und Mai zusätzliche Mengen außerhalb bestehender Langzeitverträge zu akquirieren. Verantwortliche in den großen LNG-Terminals in Tongyeong und Pyeongtaek verraten: „Die Entladetermine sind bis Mitte Juni bereits vollständig ausgebucht.“
Dabei darf man eine Sache nicht übersehen: die Rolle von komprimiertem Erdgas (CNG). Die breite Öffentlichkeit schaut vor allem auf LNG, aber für den inländischen Gastransport und kleinere Industriegebiete ist CNG nach wie vor eine effiziente Alternative. Besonders in Binnenregionen wie Yeongdong und Honam, die nicht ans Pipelinesnetz angeschlossen sind, sind die Kosten für die Lieferung per CNG-Trailer inzwischen niedriger als die Wiedervergasung von Flüssiggas. Ein Energieverantwortlicher eines Automobilzulieferers im mittleren Landesteil sagte mir lächelnd: „Aktuell sind die Konditionen für CNG sogar günstiger als bei den Verhandlungen Anfang des Jahres.“
Warum Erdgasfahrzeuge wieder im Fokus stehen
Diese Entwicklung wirkt sich naturgemäß auch auf den Verkehrssektor aus. Die Anfragen zu Erdgasfahrzeugen haben in letzter Zeit deutlich zugenommen. Da das sogenannte Elektroauto-Chasm länger anhält als gedacht, konzentriert sich die Logistikbranche wieder stärker auf die praktischen Aspekte von Ladezeit und Reichweite. Wussten Sie, dass bereits über 30 Prozent der Stadtbusse in Seoul und Gyeonggi CNG-Busse sind? Rechnet man noch die großen Lkw hinzu, die mit LNG betrieben werden, ist die Bedeutung von Erdgasfahrzeugen keinesfalls zu unterschätzen.
- Umweltauflagen: Mit der verschärften Umsetzung des europäischen CO2-Grenzausgleichssystems (CBAM) müssen exportierende Unternehmen die Emissionen ihrer Lieferketten nachweisen. Erdgasfahrzeuge reduzieren den CO2-Ausstoß um etwa 20 Prozent im Vergleich zu Diesel.
- Kraftstoffkosten-Stabilität: Bei einem Ölpreis, der um die 85 Dollar pro Barrel schwankt, liegt der Preis für CNG pro Kilogramm bei nur etwa 40 Prozent des Benzinpreises. Für jeden Geschäftstätigen ein klarer Grund, darauf zu setzen.
- Infrastruktur: Landesweit gibt es über 260 CNG-Tankstellen in Betrieb, auch die Zahl der LNG-Tankstellen wächst – vor allem an wichtigen Logistik-Hubs.
Freilich gibt es noch Hürden. Die Anschaffungskosten sind höher als bei Dieselfahrzeugen, und das Gewicht der Speichertanks bleibt ein Problem. Doch die technologischen Fortschritte der letzten drei Jahre zeigen, dass sich diese Lücke rasch schließt. Ein Mitarbeiter der Nutzfahrzeugentwicklung eines großen Automobilherstellers verrät: „Beim Erdgasfahrzeug des Modelljahrs 2027 ist es uns gelungen, den Nutzlastverlust auf unter fünf Prozent zu drücken.“
Warum Erdöl- und Erdgasberatung gerade jetzt boomen
Angesichts derart komplex verschränkter Preisstrukturen und Lieferkettenrisiken erlebt die Erdöl- und Erdgasberatung derzeit einen regelrechten Boom. Früher suchten nur die Strategieabteilungen großer Konzerne oder Energiehandelshäuser diesen Service – heute ist er auch bei mittelständischen Produktions- und Logistikunternehmen ein Muss. Der Grund ist einfach: Es gibt zu viele Variablen, die niemand allein vorhersagen kann.
Eine gute Beratung liefert nicht nur Daten wie „Wie hoch ist der LNG-Preis gerade?“. Sie berechnet vielmehr das optimale Verhältnis aus langfristigen Verträgen und Spotkäufen, abgestimmt auf das Verbrauchsmuster und die Speicherkapazitäten eines Unternehmens. Ein großes heimisches Logistikunternehmen ist kürzlich auf Empfehlung einer Erdöl- und Erdgasberatung auf eine Vertragsstruktur umgestiegen, die ihm 15 Prozent der jährlichen Treibstoffkosten erspart. Ein Vorstand des Unternehmens meinte anerkennend: „Sie haben uns auf saisonale Spreads und CNG-Mix-Optionen hingewiesen, die wir gar nicht auf dem Schirm hatten.“
Am Ende läuft alles auf eine Frage hinaus: „Welche Form von Erdgas – und wie sichern wir sie uns?“ Von den globalen LNG-Strömen über die regionalen Stärken von CNG bis hin zur Logistikzukunft mit Erdgasfahrzeugen. Meine Prognose: Die heimische Erdgasnachfrage wird innerhalb der nächsten sechs Monate um mindestens acht Prozent zusätzlich steigen. Denn selbst nach dem Winter sorgen Kühlungsbedarf im Frühling und Sommer sowie die hohe Industrieauslastung für weiter steigenden Bedarf. Wer klug agiert, liest aus dieser Verunsicherung jetzt eine Chance.