George Parros im Fokus: Der Matthews-Check, das Nicht-Pfiff gegen Gudas und die offenen Fragen der NHL
Die Eishockey-Welt ist immer noch in Aufruhr, und das nicht nur wegen der Spielergebnisse. Der Check, der durch die Arena hallte – Radko Gudas gegen Auston Matthews – beschäftigt alle, vom Fan am Stammtisch bis zu den Experten in den TV-Studios. Und im Zentrum dieses Sturms steht einmal mehr George Parros. Der Leiter der NHL-Abteilung für Spielersicherheit hat derzeit wohl den undankbarsten Job der Liga, und die Entscheidungen (oder das Ausbleiben derselben) rund um diesen Vorfall entfachen eine hitzige Debatte von Toronto bis Ottawa und weit darüber hinaus.
Gehen wir nochmal zurück. Matthews, das Fundament der Toronto Maple Leafs, wurde von einem Gudas-Check umgehauen, der ihn sichtlich mitnahm und zum Verlassen des Spiels zwang. Die erste Reaktion? Keine Strafe auf dem Eis. Die darauffolgende Reaktion? Schweigen aus der Liga-Zentrale. Genau hier kommt George Parros mit seiner Abteilung ins Spiel – oder in diesem Fall eben nicht. Bei einem Check, den viele als rabiat bezeichnen, sorgt die Entscheidung, nicht einmal eine Anhörung für eine mögliche Sperre anzusetzen, bei so manchem Spieler in den Kabinen für Kopfschütteln.
Die Tkachuk-Brüder nehmen kein Blatt vor den Mund
Wenn man eine klare, ungeschönte Meinung hören will, fragt man die Tkachuk-Brüder. Sowohl Brady als auch Matthew, die nie um ein paar deutliche Worte verlegen sind, haben sich zur Matthews-Gudas-Situation geäußert, und ihre Stimmen haben Gewicht, weil sie in jeder Schicht selbst auf diesem schmalen Grat wandeln. Brady, der Kapitän der Senators, verlor nicht viele Worte über die Notwendigkeit einer Reaktion. Er meinte sinngemäß, wenn so etwas deinem Starspieler passiert, musst du als Team eine deutlich bessere Antwort parat haben. Diese Einstellung macht in der Liga die Runde: Wenn George Parros nicht regulierend eingreift, fühlen sich die Spieler gezwungen, es selbst zu tun. Und das ist ein gefährliches Spiel.
Matthew, von seinem Stützpunkt in Florida aus, pflichtete ihm bei. Er versteht das Spiel – Eishockey ist schnell und hart. Aber wenn ein Topstar so aus dem Spiel genommen wird und die Liga schweigt, sendet das ein Signal. Und kein gutes. Es verlagert die Verantwortung zurück auf die Spieler, und das ist der Punkt, an dem die Dinge schnell eskalieren können. Die Tkachuk-Brüder sagen im Grunde das, was alle in der Liga denken: George Parros hatte hier die Chance, ein klares Zeichen zu setzen – und durch sein Nichthandeln hat er die Grenzen vielleicht für immer verwischt.
Was denkt sich George Parros nur dabei?
Hier geht es nicht nur um einen Check gegen einen Star. Es geht um die Beständigkeit – oder das Fehlen derselben – die wir von der Abteilung für Spielersicherheit unter der Leitung von George Parros gewohnt sind. Der ehemalige Enforcer und Princeton-Absolvent kennt den ungeschriebenen Ehrenkodex. Er weiß, wie es ist, da draußen zu stehen. Doch seit er das Ruder übernommen hat, wirken seine Entscheidungen oft wie ein Glücksspiel. Manche Checks, die nahezu identisch aussehen, werden mit fünf Spielen Sperre belegt, andere mit einer Geldstrafe geahndet und manche, wie dieser gegen Matthews, bleiben völlig folgenlos. Das ist nicht nur für Fans schwer zu ertragen, sondern versetzt vor allem die Spieler in eine rechtliche Grauzone.
Denken wir an die verschiedenen Faktoren, die hier eine Rolle spielen:
- Der Star-Faktor: Wird Matthews anders behandelt, weil er ein Superstar ist? Oder wird er bewusst nicht geschützt, weil die Liga nicht den Anschein erwecken will, ihre Aushängeschilder zu bevorzugen?
- Der Gudas-Faktor: Radko Gudas hat eine Vergangenheit. Er wurde schon mehrfach gesperrt. Spielt die Vorgeschichte eines Spielers keine Rolle, wenn es darum geht, ob ein Check genauer unter die Lupe genommen werden muss?
- Der Verletzungs-Faktor: Matthews wurde verletzt. Er musste das Spiel abbrechen. Auch wenn eine Verletzung nicht das alleinige Kriterium für eine Sperre ist, unterstreicht sie doch die Härte des Aufpralls.
Man fragt sich unweigerlich, ob George Parros dieselben Spielszenen sieht wie wir anderen auch. Wenn man es Zeitlupe und Bild für Bild analysiert, erkennt man, dass der Hauptkontaktpunkt der Kopf war. Ist das nicht der Punkt, für den die NHL eigentlich mit aller Härte einstehen wollte? Um Gehirnerschütterungen aus dem Spiel zu verbannen? Indem er diesen Check durchgehen lässt, macht George Parros gefühlt einen riesigen Schritt in Sachen Spielersicherheit rückwärts. Es ist, als würde er den Gudases dieser Welt signalisieren: "Nur zu, macht weiter so, wir decken euch."
Das Schweigen aus der Liga-Zentrale ist ohrenbetäubend. Und in diesem Vakuum gedeihen Spekulationen und Frustration. Die Maple Leafs sind stinksauer, auch wenn sie es aus Angst vor einer Geldstrafe nicht öffentlich zugeben werden. Der Rest der Liga schaut genau hin. Und George Parros sitzt in seinem Büro, vermutlich mit der Szene in Endlosschleife, und sieht kein Problem darin. Das ist mir ein Rätsel.
Letzten Endes geht es hier nicht nur um Auston Matthews oder die Maple Leafs. Es geht um die Integrität des Spiels. Es geht darum, die Spieler zu schützen, die jeden Abend ihren Körper für diesen Sport riskieren. Und im Moment sieht es so aus, als wüsste der Mann mit der Pfeife, George Parros, selbst nicht mehr genau, welches Spiel er da eigentlich leitet. Die Eishockey-Welt wartet auf Antworten, aber wenn man diese Woche als Maßstab nimmt, könnten wir noch lange warten.