Buchladen "Book Punch" in tiefer Krise: Besitzer und drei Mitarbeiter wegen aufrührerischer Schriften festgenommen – Lange Menschenschlange vor der Tür
Die gestrige Nacht hat die gesamte Kulturszene Hongkongs erschüttert. Die Rede ist von der Buchhandlung 一拳書館 (Book Punch) in Sham Shui Po, ein echter Pilgerort für all jene, die sich der Literatur verbunden fühlen. Die Nachricht kam völlig überraschend: Am Abend wurde bekannt, dass der Besitzer Pang Yat-ming und drei seiner Angestellten vom Sicherheitsdienst zur Vernehmung "eingeladen" und anschließend festgenommen wurden. Der Vorwurf: "Verschwörung zum Drucken, Veröffentlichen, Verbreiten, Ausstellen oder Vervielfältigen aufrührerischer Schriften" – ein schwerwiegendes Delikt.
Ich lebe selbst seit Langem in Sham Shui Po und bin oft in der Tai Nan Street unterwegs. 一拳書館 Book Punch ist mehr als nur ein Buchladen. Das Geschäft ist klein, aber es ist ein Ort für Lesungen, Filmvorführungen und vor allem für seine berühmten "Schmökerecken", in denen sich junge Leute auf die Suche nach besonderen Büchern machen. Die Atmosphäre hier ist völlig anders als in den großen Buchhandelsketten – sie ist vertrauter, nachbarschaftlicher, und hat so etwas wie... den trotzigen Geist einer "unabhängigen Buchhandlung".
Als ich gestern Abend die Nachricht hörte, war mir sofort klar, dass das große Ausmaße haben würde. Ich ging sofort hinunter, und tatsächlich: Das Rolltor des Ladens war halb heruntergelassen, und davor standen bereits Dutzende Menschen. Einige waren Anwohner, andere waren extra mit dem Bus oder der Bahn gekommen – alle hatten einen besorgten Ausdruck im Gesicht und tuschelten miteinander. Ein paar junge Frauen hielten sich nicht zurück und weinten. Sie erzählten, dass sie fast jede Woche hierherkämen und es nun wohl vorbei sei mit dem Schaufensterbummel bei 一拳書館.
Die Aktion des Polizeilichen Sicherheitsdienstes richtete sich offenbar gegen bestimmte Publikationen in der Buchhandlung. Wie zu erfahren war, wurden neben dem Besitzer Pang Yat-ming auch der Filialleiter und zwei weitere Mitarbeiter festgenommen – insgesamt vier Personen. Der Fall sorgte sofort für einen Aufschrei in den sozialen Medien. Viele aus der Kultur- und Verlagsbranche meldeten sich zu Wort und äußerten, dass die Lage zwar bereits angespannt sei, man aber nicht erwartet hätte, dass nun auch unabhängige Buchhandlungen ins Visier geraten. Einige äußerten die Befürchtung, dass dies erst der Anfang sein könnte.
In den letzten Jahren hat sich das Phänomen entwickelt, dass Buchhandlungen zu regelrechten "Touristenattraktionen" werden. Viele kommen nicht unbedingt, um Bücher zu kaufen, sondern um ein Foto zu machen oder einen Kaffee zu trinken. Aber 一拳書館 vermittelte stets das Gefühl, dass hier der Kern erhalten blieb – ein Ort, der wirklich etwas zu sagen und auszudrücken hatte. Nun, da dieser Kern entfernt wurde, liegt eine schwere, bedrückende Stimmung über der ganzen Straße.
Ein Freund schrieb mir per WhatsApp und fragte nach meiner Meinung. Ich sagte, ich sei nicht der Typ für große Analysen, aber als jemand, der in diesem Viertel lebt, weiß ich nur eins: Es gibt viele Buchhandlungen in Sham Shui Po, aber dass sich um elf Uhr nachts eine Gruppe von Menschen freiwillig auf der Straße versammelt, nur um auf Neuigkeiten von einer Buchhandlung zu warten – dieses Bild spricht für sich selbst.
Die Wogen werden sich so schnell nicht glätten. Entscheidend ist jetzt, wie es den vier Festgenommenen geht und was die Zukunft der Buchhandlung bringt. Wir Anwohner können außer Abwarten nicht viel tun. Aber ich werde nicht vergessen, dass es in der Tai Nan Street einmal einen Ort namens 一拳書館 gab, der mit seinen Büchern einen Schlag versetzte, der viele Menschen in dieser Stadt aufweckte.
Die Ereignisse im Überblick
- Festgenommene: Besitzer von "Book Punch", Pang Yat-ming, und drei Mitarbeiter
- Vorwurf: Verschwörung zum Drucken, Veröffentlichen, Verbreiten, Ausstellen oder Vervielfältigen aufrührerischer Schriften
- Aktueller Stand: Die vier Personen werden in Untersuchungshaft behalten, die Buchhandlung ist geschlossen, vor dem Geschäft kam es zu einer Versammlung von Bürgern
- Reaktionen: Breite Besorgnis in der Kulturszene und unter den Lesern, Befürchtungen um den Fortbestand unabhängiger Buchhandlungen
Als alter Hase, der miterlebt hat, wie sich die Tai Nan Street von einem Viertel für Stoffhändler zu einem Treffpunkt für die junge Kulturszene wandelte, kann ich nur sagen: Das, was 一拳書館 jetzt widerfährt, ist ein Sinnbild für die gesamte kulturelle Atmosphäre in Hongkong. Wird es solche Orte, an denen man in Ruhe schmökern, Vorträge hören und einfach miteinander ins Gespräch kommen kann, in Zukunft noch geben? Diese Frage, glaube ich, bleibt für viele im Moment noch unbeantwortet.