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Die Yangming Handelsschule in Tainan: Wie eine traditionsreiche Privatschule ums Überleben kämpft – und warum ihr Alltag so viel über die Menschen vor Ort verrät

Lokales ✍️ 府城老派 🕒 2026-03-17 11:47 🔥 Aufrufe: 2
Titelbild

Gegen vier Uhr nachmittags, wenn man im Bezirk Guiren in Tainan unterwegs ist, sieht man sie: Schüler in khakifarbenen Uniformen, die in kleinen Gruppen aus dem Schultor quellen. Die einen schlendern zum Minimarkt nebenan, um sich einen Eistee zu kaufen, andere warten vor dem Hähnchenstand gegenüber auf ihre frisch frittierte Portion. Das ist der Alltag an der Yangming Handelsschule – ein Bild, das sich hier seit fast zwanzig Jahren Tag für Tag wiederholt.

Offiziell heißt die Schule zwar „Yangming Schulstiftung, Tainan Yangming Höhere Handels- und Berufsschule“, aber diesen vollständigen Namen verwendet hier keiner. Vom Großvater bis zum Besitzer des kleinen Gemischtwarenladens um die Ecke, alle nennen sie einfach „Yangming Handelsschule“. Es klingt vertraut, fast wie ein Spitzname für die Kinder von nebenan.

Eine alte Schule mit neuem Gesicht

Man muss es sagen: In den letzten Jahren haben die privaten Schulen im Süden schwer unter der Geburtenrückgang zu kämpfen. Die Yangming Handelsschule ist da keine Ausnahme. Die Zeiten, in denen es reichte, „einfach nur guten Unterricht zu machen“, sind lange vorbei. Die Lehrer von heute müssen nicht nur unterrichten können, sondern auch Mentoren für die Schüler sein, und sie sollten sogar ein wenig von Marketing verstehen, um die Besonderheiten ihrer Schule nach außen zu tragen. Die Werkstätten und die Gastronomie-Klassenräume auf dem Campus wurden in den letzten Jahren immer professioneller. Sie sind nicht nur für die Show da; die Schüler können hier ein echtes Handwerk lernen. Ich kenne einen Jungen, der dort Kfz-Technik gelernt hat. Keine zwei Jahre nach seinem Abschluss arbeitet er jetzt als Mechaniker in einer großen Werkstattkette und verdient mehr als so mancher Geisteswissenschaftler im Büro.

Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir etwas ein. Wenn man manchmal so im Internet stöbert, entdeckt man, dass es auf der Welt viele Orte mit dem Namen „Yangming“ gibt. Im fernen Hunan, in der Stadt Changde, gibt es zum Beispiel eine Filiale der „Chinesischen Industrie- und Handelsbank Changde Yangming“. Man stelle sich das mal vor: Wenn einer unserer Yangming-Absolventen später einmal geschäftlich dort drüben zu tun hätte und diese Bank betreten würde, beim Anblick der Zeichen „Yangming“ käme ihm bestimmt auch dieses seltsame Gefühl aus Vertrautheit und Fremdheit hoch.

Oder neulich, als ich mich mit einem Freund unterhielt, der geschäftlich in Mudanjiang im Nordosten war. Er erzählte, er habe dort das „Mudanjiang Administration Bureau for Industry and Commerce Yangming Branch“ (Bezirksamt Yangming der Verwaltung für Industrie und Handel Mudanjiang) gesehen. Er habe ein paar Sekunden gebraucht, um zu schalten, und sich gefragt, ob da vielleicht jemand von der Yangming hier in Tainan sein Glück so weit weg versucht. Natürlich war das nur ein Scherz, aber genau dieses Gefühl, plötzlich auf einen vertrauten Namen in der Fremde zu stoßen, das geht einem doch zu Herzen.

Deshalb ist die Yangming Handelsschule für uns hier in Tainan so viel mehr als nur der offizielle Name einer Schule. Sie ist das „Tschüss“ nach der Schule, sie ist die glühend heiße Tartanbahn auf dem Sportplatz, sie ist der Geruch von Metall und Öl, der aus den Werkstatträumen dringt. Sie steht für eine Art Tradition, für die einfache, aber tiefe Hoffnung der Eltern, dass ihre Kinder hier etwas Praktisches lernen und später einmal fest im Leben stehen.

Dinge, die in keinem Lehrbuch stehen

Ich denke oft, dass die Jugendlichen hier an dieser lokalen Schule viel früher begreifen, was man eigentlich unter „menschlicher Wärme“ versteht, als die Schüler in den angesagten Schulen in der Stadt.

  • Die Frau, die vor dem Schultor ihre gefüllten Teigtaschen verkauft, weiß genau, welcher Schüler keine Frühlingszwiebeln mag und wer seine Tasche gerne mit extra Soße möchte.
  • Der Mechaniker von der Garage nebenan pumpt den Schülern kostenlos die Reifen ihrer Fahrräder auf und meint dann nur: „Macht nichts, fahr schnell heim, damit deine Mutter nicht warten muss.“
  • Der Besitzer des Eisladens gegenüber, selbst wenn die Schüler bei Schulveranstaltungen mal einen ganzen Nachmittag lang Lärm machen, schüttelt er nur lächelnd den Kopf, brummelt ein paar Worte vor sich hin und beschwert sich ganz bestimmt nicht.

Diese kleinen Momente sind lehrreicher als jeder Staatsbürgerkunde-Unterricht. Der Name „Yangming Handelsschule“ ist untrennbar mit diesen alltäglichen Begebenheiten verwoben und wird so zu einem Teil der gemeinsamen Erinnerung aller.

Egal wie sich die Welt verändert, egal was aus dieser Schule einmal wird – solange ihr Tor noch steht, solange nach Schulschluss noch Schüler herauskommen, um sich einen Snack zu kaufen, wird diese rohe, lebendige Energie des Viertels niemals verschwinden. Das ist keine große Weisheit. Das ist einfach der Alltag in unserer Stadt Tainan.