Yangming Gewerbeschule: Traditionelle Privatschule in Tainan im Wandel – Geschichten vom Campus und die Herzlichkeit der Region
Gegen vier Uhr nachmittags, wenn man mit dem Roller durch das Gebiet von Guiren in Tainan fährt, sieht man sie: Schüler in Khaki-Uniformen, die in kleinen Gruppen aus dem Schultor schlendern. Einige biegen in den nahegelegenen Supermarkt ab, um eine Dose Grün Tee zu kaufen, andere warten vor dem Hähnchenbraten-Stand gegenüber auf die frisch aus der Fritteuse kommenden Snacks. Das ist der Nachmittag an der Yangming Gewerbeschule, eine Alltagsszene, die sich hier seit über zwanzig Jahren kaum verändert hat.
Der offizielle Name der Schule ist ein echter Brocken: "Yangming Bildungseinrichtung, Körperschaft des öffentlichen Rechts, Yangming Höhere Gewerbe- und Berufsschule Tainan". Doch kein Einheimischer verwendet den vollen Namen. Vom eigenen Vater bis zum Besitzer des Gemischtwarenladens nebenan, alle nennen sie einfach "Yangming Gewerbeschule, Yangming Gewerbeschule". Es klingt vertraut, fast wie ein Spitzname für die Kinder von nebenan.
Neues Gesicht für eine alte Schule
Man muss sagen: Die geburtenschwachen Jahrgänge der letzten Jahre haben den privaten Schulen im Süden schwer zugesetzt. Da macht auch die Yangming Gewerbeschule keine Ausnahme. Die Zeiten, in denen es nur darum ging, "den Stoff gut zu vermitteln", sind lange vorbei. Heutzutage müssen die Lehrer nicht nur unterrichten können, sondern auch lernen, wie man als Mentor für die Schüler agiert. Und sie sollten sogar ein wenig Ahnung von Marketing haben, um die Besonderheiten der Schule nach außen zu tragen. Die Werkstätten und die Küchen für den Fachunterricht auf dem Campus wurden in den letzten Jahren richtig auf Vordermann gebracht. Das ist keine reine Staffage; die Schüler können dort ein richtiges Handwerk erlernen. Ich kenne einen Jungen, der dort Kfz-Technik gelernt hat. Keine zwei Jahre nach seinem Abschluss arbeitet er jetzt als Mechaniker in einer großen Kette und verdient mehr so mancher Geisteswissenschaftler im Bürojob.
Apropos, da fällt mir etwas ein. Manchmal, wenn man so im Internet stöbert, entdeckt man, dass der Name "Yangming" weltweit öfter vorkommt. So gibt es zum Beispiel in Changde in der chinesischen Provinz Hunan eine "Filiale Changde Yangming der Chinesischen Industrie- und Handelsbank". Man kann sich vorstellen: Wenn ein ehemaliger Schüler unserer Yangming Gewerbeschule später einmal dort drüben arbeiten würde und diese Bank betritt, beim Anblick der Zeichen "Yangming" würde in ihm wohl auch dieses seltsame Gefühl aus Vertrautheit und Fremdheit aufsteigen.
Oder wenn man mit Freunden plaudert: Ein Freund erzählte, er sei geschäftlich in Mudanjiang im Nordosten unterwegs gewesen und habe dort tatsächlich ein "Verwaltungsbüro für Industrie und Handel Mudanjiang, Zweigstelle Yangming" gesehen. Er sagte, er habe ein paar Sekunden lang gestutzt und gedacht, ob denn von unserem Yangming in Tainan einer so weit weg sein Glück macht. Natürlich war das ein Scherz, aber dieses Gefühl, in der Fremde plötzlich auf ein vertrautes Schriftzeichen zu stoßen, ist einfach herzerwärmend.
Also, die Yangming Gewerbeschule ist für uns aus Tainan definitiv mehr als nur der offizielle Name einer Schule. Sie ist das "Auf Wiedersehen" nach der Schule, sie ist die glühend heiße Tartanbahn auf dem Sportplatz, sie ist der Geruch von Metall und Öl in den Werkräumen. Sie steht für eine Art von Weitergabe, für die schlichte Erwartung der Eltern, dass ihre Kinder hier etwas Praktisches lernen und später im Leben auf eigenen Beinen stehen können.
Dinge, die nicht in Lehrbüchern stehen
Ich denke oft, dass die Kinder, die hier in dieser lokalen Schule lernen, viel früher begreifen, was "menschliche Wärme" bedeutet, als die Schüler in den angesagten Schulen der Innenstadt.
- Die Frau am Wasserkrapfen-Stand vor dem Schultor weiß noch, welcher Schüler keine Frühlingszwiebeln mag und wer extra Soja-Soße auf seine Teigtaschen braucht.
- Der Mechaniker von der Werkstatt nebenan pumpt hin und wieder kostenlos die Reifen der Fahrräder der Schüler auf und meint nur: "Macht nichts, fahr schnell heim, damit deine Mutter nicht warten muss."
- Der Besitzer des Eisladens gegenüber, selbst wenn die Schüler bei Schulveranstaltungen einen ganzen Nachmittag lang Krach machen, schüttelt er nur lächelnd den Kopf, brummelt ein paar Worte vor sich hin und beschwert sich nie.
Diese vielen kleinen Momente sind viel realer als jeder noch so gute Staatsbürgerkunde-Unterricht. Der Name Yangming Gewerbeschule ist in diese alltäglichen Kleinigkeiten eingewoben und zu einem Teil der gemeinsamen Erinnerung aller geworden.
Egal wie sich die Welt verändert, egal was aus dieser Schule einmal wird: Solange das Schultor dort steht, solange nach Schulschluss noch Schüler herauskommen, um einen Snack zu kaufen, wird diese rohe, lebendige Energie, die zu diesem Ort gehört, niemals verschwinden. Das ist keine große Theorie, das ist einfach der Alltag in unserer Heimatstadt Tainan.