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AFCON-Chaos: Senegal Titel aberkannt – Marokko nach unglaublicher Wende zum Meister gekürt

Sport ✍️ Erik Andersson 🕒 2026-03-18 03:59 🔥 Aufrufe: 1

Manchmal schreibt der Sport Drehbücher, die sich niemand ausdenken könnte. Was als hitziges Derby-Finale in Rabat zwischen Gastgeber Marokko und Titelverteidiger Senegal begann, hat sich zu einem der bizarrsten und meistdiskutierten Skandale in der Geschichte des Afrika-Cups (AFCON) entwickelt. Noch vor ein paar Monaten stand Senegal nach einem Finale voller Dramatik, Chaos und einem Elfmeterdrama, das Schockwellen durch die Fußballwelt schickte, als Sieger fest. Doch jetzt kommt die Nachricht, die alles auf den Kopf stellt: Senegal wird der Titel aberkannt und Marokko zum Afrika-Meister erklärt.

Chaotische Szenen aus dem AFCON-Finale in Rabat

Das Finale, das einfach nicht enden wollte

Um die Entscheidung zu verstehen, müssen wir die Zeit zurückdrehen zum 18. Januar 2026. Das Prince Moulay Abdellah Stadium in Rabat war mit 66.526 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt, die alle die Krönung der Heimmannschaft erwarteten. Marokko, das drei Jahre zuvor sensationell das WM-Halbfinale erreicht hatte, ging als Favorit ins Rennen vor heimischem Publikum, das seit 1976 nicht mehr den AFCON gewonnen hatte. Doch Senegal mit Stars wie Sadio Mané und Edouard Mendy hatte andere Pläne.

Das Spiel war eine taktische Schlacht, die bis in die Schlussminuten torlos blieb. Dann knallte es. Zuerst glaubte Senegal, dass Ismaila Sarr per Kopf die Entscheidung herbeigeführt hatte, aber Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala aus dem Kongo erkannte das Tor wegen eines fragwürdigen Fouls nicht an. Das war jedoch nichts im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte. In der 98. Minute, nach einer VAR-Überprüfung, zeigte Ndala auf den Elfmeterpunkt für Marokko. Brahim Diaz war am Trikot gezogen worden, und das Heimpublikum explodierte.

Da knallte es auch auf der Bank. Senegals Nationaltrainer Pape Thiaw konnte sich nicht beherrschen. Aus purem Protest winkte er seine Spieler vom Feld und marschierte in Richtung Kabine. 17 Minuten lang stand die Fußballwelt still, während Fans versuchten, das Spielfeld zu stürmen, auf den Rängen Krawalle ausbrachen und die Polizei um die Wiederherstellung der Ordnung kämpfte. Als die Spieler schließlich von Mané überredet wurden zurückzukehren, war die Stimmung zum Zerreißen gespannt.

Die Elfmeter, die alles veränderten – gleich zweimal

Brahim Diaz trat an, um den schicksalhaften Strafstoß auszuführen. Mit den Erwartungen einer ganzen Nation auf seinen Schultern lupfte er den Ball direkt in die Arme eines überraschten Mendy. Der Fehlschuss hallte durch das gesamte Stadion. In der Verlängerung trat Pape Gueye an und entschied die Partie mit einem Linksschuss in den Winkel. Senegal war Afrikameister – so glaubte man damals.

Doch das Nachspiel war mindestens genauso dramatisch. Die Confederation of African Football (CAF) leitete eine Untersuchung der "inakzeptablen Szenen auf und neben dem Platz" ein. FIFA-Präsident Gianni Infantino war deutlich in seiner Kritik: "Es ist inakzeptabel, das Spielfeld auf diese Weise zu verlassen. Gewalt kann in unserem Sport nicht toleriert werden."

Die Untersuchung hat nun zu historischen Strafen geführt:

  • Senegal wird der AFCON-Titel 2025 aberkannt und Marokko zum Meister erklärt.
  • Pape Thiaw (Senegals Trainer) wird für fünf Spiele wegen unsportlicher Führung gesperrt.
  • Senegals Stürmer Iliman Ndiaye und Ismaila Sarr werden für jeweils zwei Spiele gesperrt.
  • Marokkos Ismael Saibari erhält eine Sperre von drei Spielen und eine Geldstrafe von 100.000 Dollar, während Kapitän Achraf Hakimi für zwei Spiele (eine davon auf Bewährung) gesperrt wird.

CAF-Präsident Patrice Motsepe war auf einer Exekutivsitzung in Daressalam glasklar: "Was wir im Finale gesehen haben, wollen wir nie wieder erleben. Wir haben eine Null-Toleranz-Politik. Wer den afrikanischen Fußball in den Schmutz zieht, wird hart bestraft."

Blick nach vorn: AFCON 2027 in Ostafrika

Mitten in der Turbulenz bestätigt die CAF, dass die Pläne für die nächste Meisterschaft stehen. Der AFCON 2027 wird in Kenia, Tansania und Uganda ausgetragen – zum ersten Mal teilen sich drei Nationen die Ausrichtung. Das Turnier wird in den Sommer (Juni-Juli) verlegt, um besser in den internationalen Kalender zu passen.

"Es wird ein riesiger Erfolg", versprach Motsepe nach dem Treffen in Tansania. "Die Infrastruktur wird ausgebaut, und wir sind überzeugt, dass Ostafrika ein fantastisches Turnier ausrichten wird." Ab 2028 wird der AFCON im Vierjahres-Rhythmus stattfinden, analog zur WM.

Doch erst einmal muss die Fußballwelt das gerade Geschehene verdauen. Einer Mannschaft einen gewonnenen Titel abzuerkennen, ist beispiellos. Für Senegal ist es eine bittere Randnotiz in einer ansonsten erfolgreichen Fußballgeschichte. Für Marokko ein Sieg, den man sich kaum vorstellen konnte, als jener Elfmeter an jenem Januarabend verschossen wurde. Die Afrikameisterschaft hat einmal mehr gezeigt, dass es bei ihr nie, nie langweilig wird.