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Mailand–Sanremo 2026: Der schnellste Klassiker der Saison steht vor dem Start

Sport ✍️ Bram de Vries 🕒 2026-03-21 18:10 🔥 Aufrufe: 1

Die Fahrer von Mailand–Sanremo auf dem Weg ins Ziel auf der Via Roma

Es ist wieder so weit. Der erste echte Monument-Klassiker des Radjahres klopft an die Tür. Mailand–Sanremo, oder wie Puristen es nennen: La Classicissima. Am Samstag stehen 293 Kilometer und die schönsten Blumen der italienischen Riviera auf dem Programm. Und was für ein verschleissintensiver Kampf uns bevorsteht. Das hier ist kein gewöhnliches Rennen; es ist der Eröffnungsball der grossen Klassiker, und jeder will dabei sein.

Warum wir jedes Jahr wieder wie gebannt vor dem Bildschirm hängen

Die Schönheit von Sanremo liegt im Timing und im Schrecken. Klar ist: Über Stunden herrscht eine inszenierte Anarchie. Die Teams mit ihren Sprintern haben die Via Roma im Kopf, die Klassiker-Spezialisten spüren bereits ein Kribbeln in den Beinen auf der Cipressa, und dann gibt es noch diesen einen Verrückten, der auf dem Poggio alles auf den Kopf stellt. Es ist ein Rennen auf Millimeter und mentale Stärke. Die Geschichte lehrt uns: Hier bekommt man nichts geschenkt. Denken wir nur an die legendäre Austragung von 1970, als Eddy Merckx seinen Status als Kannibale untermauerte. Oder 1974, als Roger De Vlaeminck seinen zweiten von insgesamt drei Siegen holte. Das waren noch Zeiten purer Mann-gegen-Mann-Duelle, mit Stahlrahmen und Lederhelmen.

Die mythischen Austragungen, die uns vorangingen

Als Radsport-Fan fasziniert mich die Geschichte immer wieder. Gerade bei einem Monument wie diesem kann man die Linien von früher bis heute ziehen. Nehmen wir Mailand–Sanremo 1976. Diese Austragung hat sich bei mir eingebrannt als eine der unberechenbarsten. Eine komplette Überraschung, die zeigte: Auf diesen Strecken kann dich Pech oder der richtige Tag ganz nach vorne bringen. Und Mailand–Sanremo 1983? Das war der Kampf um den Poggio in Vollendung. Giuseppe Saronni, der in der Abfahrt alles auf eine Karte setzte. Es zeigt: Die Klassiker von heute sind mit der Tinte der Legenden von damals geschrieben. Die Namen ändern sich, aber das Drama bleibt.

Die Favoriten: Wer holt sich die Blumen auf der Via Roma?

Schauen wir auf die Fahrer von heute. In diesem Jahr haben wir ein Starterfeld, das direkt aus einem Traum zu stammen scheint. Ich nenne euch die Männer, die ich mit beiden Augen im Blick habe:

  • Tadej Pogacar: Der Slowene ist natürlich der Mann mit der Startnummer 1. Er kann alles, aber die Frage ist, ob er seine Explosivität auf dem Poggio mit der Geduld eines waschechten Klassiker-Spezialisten kombinieren kann. Es wird gemunkelt, er sei die Cipressa noch nie so schnell gefahren, wie er es vorhat.
  • Mathieu van der Poel: Unser niederländischer Stolz. Ein Jahr Arbeit für diesen Moment. Wenn er den Poggio ohne allzu grosse Schäden übersteht, ist er auf der Via Roma in einem Sprint einer kleinen Gruppe kaum zu schlagen. Die Frage ist nur: Lassen sie ihn davonfahren?
  • Tom Pidcock & Filippo Ganna: Zwei völlig unterschiedliche Typen. Pidcock mit seinem Punch, Ganna mit seiner rohen Kraft im Flachen. Bei starkem Wind kann Ganna das Peloton zerreissen. Pidcock ist mein Geheimtipp, wenn es auf den letzten Metern wirklich zur Sache geht.

Die entscheidenden Kilometer: Cipressa und Poggio

Wir wissen alle: Das Rennen beginnt erst auf der Cipressa. Dort wird das Tempo so angezogen, bis die Beine schreien. Aber das eigentliche Finale entfaltet sich auf dem Poggio di San Remo. Der Anstieg ist kurz, aber tückisch. Wer hier eine Lücke erzwingen kann, hat die Abfahrt zur Via Roma, um diesen Vorteil zu nutzen. Alle spielen das Katz-und-Maus-Spiel. Die Sprinter-Teams werden versuchen, das Feld zusammenzuhalten, doch es liegt an den Klassiker-Spezialisten, dies zu verhindern. Die Taktik ist simpel: Mach es so schwer, dass deine Konkurrenten leer sind, bevor sich der rote Teppich ausrollt.

Mein Blick auf das Finale

Ich habe in den letzten Jahren zu oft gesehen, dass sich die grossen Favoriten gegenseitig anschauen. Irgendwo hoffe ich auf ein Szenario, das an die alten Zeiten der 70er und 80er Jahre erinnert. In dem ein Angriff auf der Kuppe des Poggio nicht sofort neutralisiert wird, sondern ein Fahrer den Mut hat, durchzuziehen. Ob es nun Pogacar, Van der Poel oder eine Überraschung ist, die seinen Namen neben denen von Merckx, De Vlaeminck und Saronni in die Geschichtsbücher schreiben will. Eines ist sicher: Wenn die Fahrer am Samstag nach stundenlangem Rennen in die letzte Kurve einbiegen, stehen wir hier mit der Nase am Bildschirm. Es ist Mailand–Sanremo. Mehr braucht es nicht.