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Iran-Krieg aktuell: Drohungen um die Strasse von Hormus und die Bücher, die helfen, die Krise zu verstehen

Welt ✍️ Liam O’Connell 🕒 2026-03-23 10:12 🔥 Aufrufe: 3
Rauch steigt nach einem israelischen Angriff nahe der libanesischen Grenze auf, 22. März 2026

Wer in dieser Woche die Nachrichten aus dem Nahen Osten verfolgt hat, dem schnürt sich wahrscheinlich wieder das Herz zusammen. Dieses Gefühl, wenn die Rhetorik von diplomatischem Geplänkel zu etwas viel Endgültigerem übergeht. Gestern hat Teheran ein Ultimatum gestellt, das die globalen Ölmärkte erzittern lässt: Sollten ihre Kraftwerke oder Nuklearanlagen angegriffen werden, würden sie die «Strasse von Hormus vollständig schliessen». Für uns in der Schweiz, die zwar geografisch weit weg ist, aber stark von internationalen Energielieferketten abhängt, ist das nicht nur eine geopolitische Schlagzeile – das wäre ein potenzieller wirtschaftlicher Schlag unter die Gürtellinie.

Ich beobachte die Region schon lange genug, um zu wissen: Wenn die iranische Führung anfängt, über Hormus zu sprechen, sind wir längst über die Phase des Säbelrasselns hinaus. Das ist ihre nukleare Option – im wahrsten Sinne des Wortes. Etwa ein Fünftel des weltweiten Öls fliesst durch diese enge Meerenge. Würde sie geschlossen, hätten wir über Nacht eine globale Rezession. Es ist ein verzweifelter Schachzug, aber ein durchaus glaubwürdiger. Ein Bekannter aus dem Energiesektor in Genf erzählte mir, die Versicherungsprämien für Tanker seien in den letzten 24 Stunden explodiert. Man spürt die Anspannung in den nackten Zahlen.

Fiktion, die sich wie Realität anfühlt

Seltsam, aber inmitten dieses realen Chaos erwische ich mich dabei, an ein Buch zu denken, das ich vor einigen Monaten in die Hand genommen habe. Capture Or Kill: Ein Mitch Rapp-Roman von Don Bentley soll ein Thriller sein – Unterhaltung für den Strand. Aber wenn man es jetzt liest, bei den aktuellen Schlagzeilen, fühlt es sich weniger wie Fiktion an, sondern eher wie ein Drehbuch. Bentley, der sich auskennt, spinnt seine Handlung um eine Demonstration neuer Fähigkeiten der Quds-Truppe, die den amerikanischen Einfluss in der Region untergraben soll. Kommt einem bekannt vor? Der Protagonist, Azad Ashani, ist ein iranischer Geheimdienstchef – und heimlicher Draht zur CIA –, der das aufziehende Unheil erkennt, aber weiss, dass er es nicht allein aufhalten kann. Er braucht jemanden wie Mitch Rapp.

Was mich beeindruckt hat, war nicht nur die Action – sondern die Verunsicherung der iranischen Agenten im Buch. Sie sind keine Karikaturen. Es sind Profis, die wissen, dass ihr Land am Rande einer katastrophalen Fehlkalkulation steht. Das spiegelt wider, was ein versierter Energieanalyst wie Gregory Brew seit Jahren sagt. Er hat seine Karriere damit verbracht, darauf hinzuweisen, dass die internen Kalkulationen in Teheran oft komplexer sind, als das Klischee des «verrückten Mullahs» vermuten lässt. Es gibt Pragmatiker in diesen Räumen, aber momentan scheinen die Hardliner am Steuer zu sitzen – und sie sind bereit, das ganze Auto zu Schrott zu fahren, nur um einen Punkt zu beweisen.

Stimmen vom Boden

Während die Welt auf Raketensilos und Flottenbewegungen fixiert ist, geht die menschliche Geschichte dahinter oft unter. Die Geschichte der Menschen, die die Konsequenzen dieser Entscheidungen ausbaden müssen. Deshalb denke ich, dass Roxana Shirazis Werk – und insbesondere die neue Autobiografie My Name Means Fire: Eine Autobiografie von Atash Yaghmaian – gerade jetzt unverzichtbare Lektüre ist.

Yaghmaians Geschichte ist ein Schlag in die Magengrube. Es geht nicht um Geopolitik, sondern ums Überleben. Aufgewachsen im Iran während der Revolution und dem erbarmungslosen achtjährigen Krieg mit dem Irak, war ihre Welt geprägt von staatlicher Unterdrückung, Aberglauben und häuslicher Instabilität. Um dem Grauen zu entfliehen, flüchtete sie sich in eine Welt, die sie das «Haus aus Stein» nannte. Es ist ein erschütternder Bericht darüber, wie einfache Iraner – insbesondere Frauen – Jahrzehnte im Feuer durchlitten haben. Wenn wir heute darüber sprechen, eine «weitere Front» zu eröffnen, wird einem bewusst, welches tiefe, generationenübergreifende Trauma über dieser Krise schwebt. Für Iraner ist Krieg keine Hypothese oder ein Videospiel. Er ist der Boden, auf dem sie als Kinder gingen.

Der Weg, der nicht gegangen wurde

All das wirft die Frage auf: Wie sind wir hierher zurückgekommen? Wer die Antwort sucht, muss in den Räumen nachsehen, in denen die Abkommen geschlossen wurden – und in denen sie gebrochen wurden. The Art of Diplomacy: Wie amerikanische Unterhändler historische Abkommen erzielten, die die Welt veränderten von Stuart E. Eizenstat ist ein Schinken von einem Buch, aber es ist jetzt Gold wert. Eizenstat, ein erfahrener Diplomat, widmet dem iranischen Atomabkommen – dem JCPOA – viel Raum. Er führt durch die mühseligen Verhandlungen, die Zugeständnisse, die geheimen Kanäle und das letztendliche Abkommen, das tatsächlich Irans Atomprogramm zurückgedrängt hat.

Dieses Kapitel heute zu lesen, ist herzzerreissend. Es ist eine Meisterklasse darin, wie man durch puren, beharrlichen Einsatz einen Krieg verhindert. Aber es ist auch eine Erinnerung daran, wie zerbrechlich diplomatische Erfolge sind. Sie müssen ständig gepflegt werden. Wenn eine Seite beschliesst, das ganze Werk einzureissen, verliert man nicht nur ein Stück Papier – man verliert das Vertrauen einer ganzen Generation von Unterhändlern auf beiden Seiten. Jetzt stehen wir da mit Ultimaten und der Drohung, die wichtigste Wasserstrasse der Welt zu schliessen.

Was heisst das also für uns?

Darauf sollten Sie in den kommenden Tagen achten

Für uns hier in der Schweiz gilt: Wir sind zwar nicht im unmittelbaren Explosionsradius, aber wir befinden uns mitten im wirtschaftlichen Fadenkreuz. Darauf habe ich ein Auge geworfen:

  • Der Ölpreis: Achten Sie nicht nur auf die Schlagzeilen. Beobachten Sie die Volatilität. Sollte der Preis für Brent Rohöl über 100 Dollar pro Fass springen und dort bleiben, wissen Sie, dass die Märkte von einer unmittelbaren Schliessung von Hormus ausgehen.
  • Der «geheime Draht»: Halten Sie die Ohren nach Flüstern über Dialoge offen. Im Roman Capture or Kill liegt die Hoffnung in der inoffiziellen Verbindung zwischen Ashani und der CIA. In der Realität, wenn die offiziellen Türen geschlossen sind, werden die Hintertüren geöffnet. Wenn dort Stille herrscht, sind wir in Schwierigkeiten.
  • Regionale Verbündete: Die Golfstaaten haben panische Angst vor einem regionalen Krieg. Sie werden Druck auf Washington ausüben, die Lage zu deeskalieren, aber sie haben auch eigene Verteidigungsabkommen zu bedenken. Eine Verschiebung in ihrer Rhetorik würde uns viel verraten.

Wir waren schon einmal an diesem Punkt, direkt am Abgrund. Aber diesmal fühlt es sich anders an. Vielleicht liegt es daran, dass das diplomatische Drehbuch – jenes, das Eizenstat so minutiös dokumentiert hat – verbrannt wurde. Wenn man die Sicherheitsnetze entfernt, ist der Fall immer härter. Hoffen wir, dass die kühleren Köpfe in Teheran und Washington sich daran erinnern, bevor jemand beschliesst, zu testen, wie «vollständig» die Schliessung der Strasse von Hormus wirklich sein kann.