Iran-Krieg live: Ölpreise steigen, da Trump Ultimatum für Hormus-Strasse stellt
Es ist Samstagmorgen, und wenn Sie gerade Ihren ersten Kaffee eingeschenkt und einen Blick auf die Märkte geworfen haben, ist Ihnen sicher das beunruhigende Verhalten von Brent Crude aufgefallen. Der Preissprung ist kein technischer Fehler. Es ist das Geräusch einer Welt, die wieder den Atem anhält. Die Rhetorik aus Washington und Tel Aviv hat sich von diplomatischem Lavieren zu etwas weitaus Konkreterem gewandelt. Donald Trumps jüngstes Ultimatum – dass andere Nationen die Verantwortung für die Sicherung der Strasse von Hormus übernehmen müssten – ist in der Region wie ein brennendes Streichholz in trockenem Gestrüpp gelandet. Er hat ihnen eine Frist gesetzt, und in der Golf-Geopolitik gehen Fristen oft Detonationen voraus.
Ich verfolge diese Region nun lange genug, um den Unterschied zwischen Säbelrasseln und konkreter Vorbereitung zu kennen. Was wir jetzt sehen, ist nicht nur Machtdemonstration. Es gibt eine spürbare Verlagerung von militärischen Ressourcen, eine Verschärfung der Marine-Protokolle und ein auffälliges Schweigen der üblichen Vermittler hinter den Kulissen. Das Gerede über einen Iran-Krieg kommt nicht mehr von den Rändern; es dominiert die Einsatzzentralen. Benjamin Netanyahu verwendet eine Sprache, die ich seit dem Vorfeld früherer Eskalationen nicht mehr gehört habe, und besteht auf einer "präventiven Haltung", die bei allen, die den Rhythmus vergangener Konflikte in dieser Nachbarschaft kennen, Alarmglocken läuten lässt. Aus den Machtzirkeln in Jerusalem verlautet, dass man dies nicht als hypothetisches Szenario behandelt, sondern als Frage des Wann, nicht des Ob.
Um den gegenwärtigen Moment zu verstehen, muss man zurückblicken – weit zurück. Die psychologischen Narben des Iran-Irak-Krieges sind hier noch immer frisch, auch wenn die westlichen Medien sie gerne übergehen. Das war ein acht Jahre dauernder Abnutzungskrieg, der der Islamischen Republik eine brutale, nachhaltige Lektion erteilte: Durchhaltevermögen. Sie lernten, Schläge einzustecken, unter Belagerung zu improvisieren und das blosse Überleben als Sieg zu betrachten. Jeder Analyst, der jetzt hektisch einen "Zwölf-Tage-Krieg" – einen schnellen, chirurgischen Konflikt – vorhersagt, ignoriert diese Geschichte. Die Iraner kämpfen nicht nach westlichem Drehbuch. Ein kurzer Krieg ist in ihrer strategischen Doktrin ein Widerspruch in sich. Ich habe mit genügend alten Hasen gesprochen, die in den 1980er Jahren in der Region dienten; sie werden Ihnen dasselbe sagen: Die Iraner spielen das lange Spiel, immer.
Es gibt ein akademisches Buch, das heute Morgen immer wieder in Gesprächen mit Verteidigungskontakten auftaucht: Einführung in die Vergleichende Politikwissenschaft: Konzepte und Fälle im Kontext. Es ist die Art von Buch, die man auf einem Universitätslehrplan findet, aber im Moment wirken seine Modelle erschreckend relevant. Wir erleben ein Lehrbuchbeispiel für die Logik des staatlichen Überlebenskampfes, der mit einer Koalition der Willigen kollidiert. Der "Kontext"-Teil des Titels ist entscheidend. Man kann Teherans Trotz nicht verstehen, ohne die politische Architektur zu betrachten, die es in den letzten vierzig Jahren aufgebaut hat – eine Architektur, die genau dafür ausgelegt ist, diesem Druck standzuhalten.
Doch Politik ist nur die eine Hälfte der Geschichte. Das menschliche Gefüge dieser Krise geht im Lärm der Militärbriefings oft verloren. Ich habe an die Arbeit von Roxana Shirazi gedacht, der Schriftstellerin, die den Zusammenprall von Repression und Rock 'n' Roll im Iran meisterhaft seziert hat. Ihre Erzählungen erinnern uns daran, dass es unter der Oberfläche von Raketenzahlen und diplomatischen Depeschen eine Bevölkerung gibt, die seit Jahrzehnten gelernt hat, sich in einem komplexen Netz aus Einschränkungen und Freiheiten zu bewegen. Die Vorstellung eines "Krieges" ist für sie kein abstraktes geopolitisches Konzept; sie bedeutet die Unterbrechung eines Lebens, das ohnehin schon unter enormem Druck steht.
Das bringt Marjane Satrapis Persepolis 2 in den Sinn. Für diejenigen, die es nicht gelesen haben: Der zweite Band geht über die Revolution hinaus und behandelt die Nachwirkungen – die Desillusionierung, die Diaspora und die verzweifelte Suche nach Identität, wenn die Heimat zu einem vom Konflikt definierten Begriff wird. Satrapis schwarz-weisse Panels haben eingefangen, was die grauen Männer in Anzügen oft übersehen: Dass Krieg letztlich ein Versagen der Vorstellungskraft ist. Wenn wir heute über den Iran-Krieg sprechen, sprechen wir nicht nur über eine militärische Auseinandersetzung. Wir sprechen über das potenzielle Auslöschen der Komplexität, die Satrapi so brillant dokumentiert hat.
Was bedeutet das also für uns jetzt? Die nächsten 48 Stunden sind entscheidend. Die Marktreaktion ist der Kanarienvogel im Kohlebergwerk, aber die eigentliche Handlung spielt sich in den diplomatischen Hinterzimmern ab. Darauf achte ich, basierend auf dem, was meine Quellen flüstern:
- Die Hormus-Frist: Die US-Position, dass "andere Nationen die Strasse schützen müssen", ist nicht nur eine Aufgabenübertragung; es ist eine bewusste Provokation, die eine Reaktion erzwingen soll. Wenn ein Tanker gekapert oder belästigt wird, gehen wir von Rhetorik zu kinetischer Aktion über. Mir wird gesagt, dass die Marinebewegungen im Golf von Oman über Nacht erheblich zugenommen haben.
- Abstimmung mit Israel: Der stille, aber intensive Geheimdienstaustausch zwischen Jerusalem und bestimmten Golfstaaten war noch nie so robust. Sollte es einen Angriff geben, wird es kein Solo-Auftritt sein. Hintergrundgespräche finden offenbar in einem Tempo statt, das seit den Abraham-Abkommen nicht mehr erreicht wurde.
- Der Ölpreis: Wir sehen bereits Volatilität. Sollte die Strasse auch nur für einen Tag gesperrt werden, werden die wirtschaftlichen Schockwellen jede Tankstelle in der Schweiz erreichen. Wir sind davor nicht gefeit; wir liegen direkt im Einzugsbereich der Kostenauswirkungen. Händler wetten auf eine Störung, und sie wetten selten ohne Insiderinformationen.
- Innendruck in Teheran: Die andere Unbekannte. Das Regime hat bereits interne Unruhen erlebt. Ein Krieg könnte die Bevölkerung einen oder das Haus spalten. Insider deuten an, dass die Mullahs sich dieses Risikos sehr wohl bewusst sind.
Ich habe diesen Film schon einmal gesehen. Er beginnt gerne mit einer Frist, eskaliert mit einer "Fehlkalkulation" und zieht sich dann weit länger hin, als irgendjemand vorhergesagt hat. Der Schatten des Iran-Irak-Krieges ist nicht ohne Grund allgegenwärtig. Niemand gewinnt dort schnell einen Krieg. Im Moment können wir nur zuschauen, hoffen, dass die kühleren Köpfe im Raum nicht gerade Ferien gemacht haben, und uns auf eine Woche gefasst machen, die die nächste Phase der Geschichte des Nahen Ostens prägen dürfte. Ich werde hier dranbleiben, während sich die Ereignisse überschlagen.