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René Redzepi und Noma: Vom Gastronomie-Star zur Arbeitsplatz-Skandal?

Lebensstil ✍️ Ingrid Larsen 🕒 2026-03-08 03:44 🔥 Aufrufe: 1
René Redzepi während einer Pressekonferenz

Er war das öffentliche Gesicht der neuen nordischen Küche. Mit Noma hat René Redzepi Kopenhagen zu einem Mekka für Feinschmecker aus aller Welt gemacht. Kochbücher wie Noma 2.0: Vegetable, Forest, Ocean, North und The New Nordic Cuisine of Iceland gelten für eine ganze Generation von Köchen, die Algen, Flechten und fermentiertes Gemüse veredeln wollen, beinahe als Bibel. Doch am Wochenende platzte die Blase.

Eine Küche mit einem dunklen Geheimnis

Mehrere ehemalige Mitarbeiter sind in dieser Woche mit detaillierten Schilderungen eines Arbeitsumfelds an die Öffentlichkeit getreten, das in krassem Gegensatz zu den idyllischen Landschaftsbildern in den Büchern steht. Was wir jetzt durch zahlreiche Zeugenaussagen erfahren, zeichnet das Bild einer Kultur, die von psychischem Druck, Demütigungen und in einigen Fällen auch von körperlichen Übergriffen geprägt ist. Die Rede ist von Beschimpfungen vor versammelter Mannschaft bis hin zu Vorwürfen, dass Redzepi selbst direkt in Vorfälle verwickelt gewesen sein soll, bei denen Angestellte gestoßen oder festgehalten wurden.

  • Psychischer Druck: Mitarbeiter beschreiben einen Alltag, in dem Fehler mit Ausgrenzung und persönlichen Angriffen quittiert wurden, oft vor der gesamten Belegschaft.
  • Körperliche Übergriffe: Es gibt Schilderungen von Handgreiflichkeiten, wonach Redzepi einen Koch nach einem misslungenen Gericht am Kragen gepackt und geschüttelt haben soll.
  • Unerträgliche Arbeitstage: Mehrere berichten von 16-Stunden-Schichten ohne Pause, und dass die Bitte um Ruhepause als Zeichen von Schwäche angesehen wurde.

Von Kopenhagen nach Istanbul – und mitten hinein in den Sturm

Redzepis Karriere war eine einzige lange Erfolgsgeschichte. Von der Kindheit in Skandinavien bis hin zur Platzierung Dänemarks auf der Weltkarte mit Noma. Er ist mit Pop-up-Restaurants um die Welt getourt, von Tokio bis Tulum, und hat mit Autoren wie Fiona Sims an Büchern wie René Redzepi - Von Kopenhagen nach Istanbul zusammengearbeitet. Doch jetzt geht es plötzlich nicht mehr um Geschmackskombinationen und innovative Zutaten, sondern um Machtstrukturen und das Arbeitsklima.

In einer kurzen, gestern kursierenden Stellungnahme bedauert Redzepi, dass einige schlechte Erfahrungen gemacht hätten, weist aber die schwerwiegendsten Vorwürfe zurück. Dennoch ist klar, dass es sich hier um mehr als nur Gerüchte handelt. Mehrere der Angestellten sind mit Namen und Daten an die Öffentlichkeit gegangen, was es schwierig macht, den Fall abzutun.

Ein Weckruf für die gesamte Branche

Was gerade bei Noma passiert, ist kein Einzelfall. Es ist Teil einer größeren Abrechnung in der Restaurantbranche, bei der laute Starköche lange Zeit mit Verhalten davongekommen sind, das in anderen Berufen niemals akzeptiert worden wäre. Die Angestellten haben alles ertragen, weil sie Teil von etwas Großem sein wollten, weil sie von den Besten lernen wollten.

Wenn sich nun herausstellt, dass das Beste vielleicht einen viel zu hohen Preis hat, müssen wir uns fragen, ob wir als Verbraucher, Kritiker und Genießer dazu beigetragen haben, eine Kultur zu fördern, in der dem Genie freie Hand gelassen wird. Vielleicht ist es an der Zeit, ein neues Rezept zu schreiben – eines, das den Respekt für alle am Tisch einschließt, nicht nur für die Zutaten.