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Greg Abel investiert 15 Millionen US-Dollar eigene Mittel in Berkshire-Aktien – und das steckt dahinter

Finanzen ✍️ Mark Thompson 🕒 2026-03-05 14:17 🔥 Aufrufe: 2

Wenn Greg Abel 15 Millionen US-Dollar eigenes Geld in Aktien von Berkshire Hathaway steckt, dann horchen selbst die abgebrühtesten Einheimischen aus Omaha auf. Der Mann, der die Nachfolge von Warren Buffett antreten soll, hat gerade ein Statement abgegeben – ganz ohne Pressemitteilung. Abel erwarb diese Woche Berkshire-Anteile der Klasse A und B im Wert von rund 15 Millionen US-Dollar. Ein Kauf auf dem freien Markt, aus eigener Tasche, aus eigener Überzeugung. Dieser Schritt erfolgte zeitgleich mit Berkshires Rückkehr zu eigenen Aktienrückkäufen – den ersten seit Monaten. Man muss kein Bilanzbuchhalter sein, um die Schlussfolgerung zu ziehen: Der Mann an der Spitze hält die Aktie für unterbewertet und er untermauert diese Ansicht mit eigenen finanziellen Mitteln.

Greg Abel spricht auf einer Veranstaltung von Berkshire Hathaway

Die Botschaft hinter den 15 Millionen

Jahrzehntelang standen Buffett und Charlie Munger im Rampenlicht. Doch das Berkshire-Maschinenwerk lebt von seinen operativen Führungskräften, und Abel ist seit jeher das Rückgrat von Berkshire Hathaway Energy. Er ist der Mann, der die milliardenschwere Übernahme von NV Energy mühelos umsetzte, der den regulatorischen Dschungel für Investitionen in erneuerbare Energien durchdrang und der – so heißt es von allen, die je mit ihm gearbeitet haben – tausendseitige Versorgungsberichte tatsächlich gerne liest.

Wer Rahul Jacobs Buch The Warren Buffett CEO: Secrets from the Berkshire Hathaway Managers gelesen hat, kennt den Archetyp: eigenständig, kapitalmarktkompetent und allergisch gegen konzernhaften Pomp. Abel verkörpert diesen Archetyp in Perfektion. Er strebt nicht nach der großen New Yorker Bühne; er diskutiert lieber in Des Moines mit einem Werksleiter über die Produktionskapazität.

Der Verhaltenskodex: Billy, Gus und die "Problem-fixier"-Mentalität

Betritt man eine beliebige Berkshire-Tochter, spürt man eine Atmosphäre, die man nur schwer beschreiben kann. Sie ist der Grund, warum man in den Pausenräumen von Acme Brick bis See's Candies ein abgegriffenes Exemplar von etwas wie Wenn Billy das nicht hinkriegt, sind wir alle geliefert: Persönliches Handwerker-Journal – Geschenk-Notizbuch findet. Dieser augenzwinkernde Titel trifft das Berkshire-Ethos perfekt: Es gibt immer einen Billy – oder einen Gus – der die Maschine reparieren, das Logistik-Chaos lösen oder herausfinden kann, warum die Zahlen nicht aufgehen.

Apropos Gus: Die alten Hasen im Büro erzählen sich noch immer Geschichten über Gus, den legendären Hausmeister in einem Möbelhaus in Nebraska, der ein Fließband mit Panzertape und einem Schweißbrenner wieder instand setzen konnte. Er ist der heimliche Held der Werkstatt, die Verkörperung des Satzes "Wenn Billy das nicht hinkriegt, sind wir alle geliefert." Abel versteht das. Er ist kein Zahlenakrobat; er fragt den Werksleiter zuerst nach dem neuen Kompressor, bevor er sich nach dem EBITDA erkundigt.

Warum das Signal des Rückkaufs bedeutender ist als es scheint

Berkshires Entscheidung, die Aktienrückkäufe wieder aufzunehmen, zusammen mit Abels persönlichem Kauf, sendet ein klares Signal an den Markt. Jahrelang bestand Buffett darauf, Anteile nur dann zurückzukaufen, wenn der Kurs unter dem inneren Wert lag. Abel ist nun der Hüter dieser Disziplin. Indem er parallel zum Unternehmen kauft, zeigt er:

  • Er ist überzeugt, dass der aktuelle Aktienkurs die vielfältige Ertragskraft von Berkshire unterbewertet.
  • Er steht an der Seite der langfristig orientierten Aktionäre, nicht der kurzfristigen Trader.
  • Der Nachfolgeplan ist nicht nur ein Stück Papier; er ist gelebte operative Realität.

Einige Analysten fragten sich, ob Abel vielleicht zu aggressiveren Deals übergehen oder den Mischkonzern aufspalten würde. Dieser Aktienkauf deutet auf das Gegenteil hin. Er setzt voll auf die von Hand gefertigte Maschine, die Buffett über sechs Jahrzehnte zusammengebaut hat.

Der Blick nach vorn

Greg Abel wird nicht versuchen, der nächste Warren Buffett zu sein. Er wird der erste Greg Abel sein. Und wenn sein erster großer Schritt als sichtbarer Anführer darin besteht, ruhig Aktien für 15 Millionen US-Dollar zu kaufen, während das Unternehmen eigene Anteile zurückkauft, kann man sicher sein, dass die Billys und Guses im gesamten Berkshire-Imperium zustimmend nicken. Sie wissen: Man repariert nichts, was nicht kaputt ist – man sorgt nur dafür, dass es jeden Tag ein bisschen geschmeidiger läuft.