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John Davidson: Der Mann hinter dem Bafta-prämierten «I Swear» – und warum die Iren gerade über nichts anderes reden

Unterhaltung ✍️ Fiona Gallagher 🕒 2026-03-13 01:28 🔥 Aufrufe: 2
John Davidson in 'I Swear'

Wenn Ihnen der Name John Davidson in Ihrem Stammbeizli noch nichts sagt oder Sie ihn noch nicht in der Warteschlange vor dem nächsten Arthouse-Kino aufgeschnappt haben, dann haben Sie geschlafen. Der Mann, um den es in der Bafta-prämierten Sensation I Swear geht, ist plötzlich in aller Munde – von Zürich bis Genf und überall dazwischen.

Frisch von seinem Triumph bei den Baftas zieht der Film nun die Massen an, selbst in kleinen Kinos, wo die Tickets begehrter sind als ein Tisch im «Zunfthaus zur Waag» am Samstagabend. Und der Hype dreht sich nicht nur um die Trophäe. Es geht um diese rohe, unter die Haut gehende Performance von Davidson, einem Gesicht, das viele von uns jetzt erst einem Namen zuordnen können.

Der Mann, der kein Rockefeller ist

Stellen wir eines klar: John Davidsons Charakter in I Swear hat mit John D. Rockefeller so viel gemeinsam wie ein Chügelipastetli mit einem Dreisterne-Menü. Kein Ölimperium, keine Villa aus dem Gilded Age – nur ein Mann, der mit dieser stillen Verzweiflung kämpft, die uns allen unangenehm vertraut ist. Davidson spielt ihn nicht als Held oder Bösewicht; er spielt ihn als unseren Nachbarn, als Kollegen, als den Typen, dem man an der Bar zunickt. Und genau das bleibt einem noch lange nach dem Abspann im Gedächtnis.

Einige nennen es die beste Leistung seiner Karriere. Ich würde sagen, es war die Rolle, auf die sein ganzes Schaffen hingearbeitet hat – eine Figur, die wie angegossen sitzt, wie die ausgelatschten Wanderschuhe.

Warum er wohl keinen Oscar gewinnen wird (und warum das nichts zur Sache tut)

Die Oscar-Gerüchte kochen natürlich bereits hoch. Und so ist es nun mal: Während die Academy oft auf die grossen, lauten Verwandlungen abfährt, bleiben die stillen – wie die von Davidson – gerne auf der Strecke. Ich tippe darauf, dass Robert Aramayo (der in einer Nebenrolle eine umwerfende Leistung zeigt) eine Nominierung ergattert, einfach weil seine Rolle dieses gewisse Award-Medaillen-Flair hat. Aber das ist kein Vorwurf an Davidson. Im Gegenteil, es zeigt, wie mühelos er in der Haut eines Durchschnittstypen verschwindet.

Ich sass letztens in der «Kronenhalle», und ein älterer Herr am Nebentisch brachte es auf den Punkt: «Er erinnert mich an mein Götti Hans Meier von nebenan – kein Verwandter, aber dieser Blick, als ob er die Last der Welt auf den Schultern trägt, der ist identisch.» Das ist der Zauber. John Davidson schafft es, dass man das Gefühl hat, man kenne ihn, als hätte man mit genau diesem Hans Meier oder jemandem wie ihm schon ein Bier getrunken. Und diese Art von Schauspiel? Die schreit nicht um Aufmerksamkeit. Sie setzt sich einfach in die Knochen fest.

Drei Gründe, warum Sie I Swear sofort sehen müssen

  • Eine wahre Geschichte – mehr oder weniger: Der Film basiert auf wahren Begebenheiten, und Sie werden das Kino mit dem mulmigen Gefühl verlassen, dass der Mann auf der Leinwand auch in Ihrem Quartier wohnen könnte. Davidsons Darstellung lässt es weniger wie Fiktion wirken, sondern eher wie eine Dokumentation über die menschliche Verfassung.
  • Der Bafta-Stempel: Die Briten haben gesprochen. Wenn die Preise verteilen, lohnt es sich immer, genauer hinzuschauen. Und glauben Sie mir, das ist kein aufgeblasener Hype – das ist das wahre Leben.
  • Sehen Sie ihn lokal, solange es ihn gibt: Egal ob in Bern oder Basel, checken Sie die lokalen Spielpläne. Es heisst, Davidson sei in letzter Zeit öfter in Zürich gesehen worden. Wär das nicht was, ihn mal live bei einer Q&A-Runde im «RiffRaff» zu erleben?

Also, wenn das nächste Mal in Ihrer Stammbeiz die Rede darauf kommt, wer bei den Oscars mal wieder übergangen wurde, dann lehnen Sie sich vor. Erzählen Sie ihnen von dem Mann, der Sie vergessen liess, dass Sie nur einen Film schauen. Erzählen Sie ihnen von John Davidson – dem Schauspieler, der, anders als Rockefeller, nie ein Imperium besitzen wird, der sich aber vielleicht ein Stück Ihres Herzens erobert. Und wenn sie verwirrt dreinschauen, lächeln Sie einfach und sagen: «Du weisst schon, der, der genau so aussieht wie jedermanns Götti Hans Meier.» Dann werden sie es verstehen.