John Davidson: Der Mann hinter dem Bafta-prämierten „I Swear“ – und warum ganz Irland von ihm spricht
Falls Ihnen der Name John Davidson in Ihrem Stammlokal noch nicht zu Ohren gekommen ist oder Sie ihn in der Schlange vor Ihrem Programmkino nicht aufgeschnappt haben, dann haben Sie geschlafen. Der Mann im Zentrum der Bafta-gekrönten Sensation I Swear ist leise zum Stadtgespräch geworden – von Wien bis Graz und überall dazwischen.
Frisch von seinem Triumph bei den Baftas lockt der Film in Locations wie dem Wiener Filmcasino die Massen an, wo Karten rarer sind als ein freier Tisch im berühmten Café Hawelka. Und der Hype dreht sich nicht nur um die Trophäe. Es geht um die rohe, unter die Haut gehende Performance von Davidson, einem Gesicht, zu dem viele von uns jetzt erst den Namen kennen.
Der Mann, der nicht Rockefeller ist
Stellen wir eines klar: John Davidsons Charakter in I Swear ist so weit von John D. Rockefeller entfernt, wie man nur sein kann. Kein Öl-Imperium, keine Villa aus der Gilded Age – nur ein Mann, der mit einer stillen Verzweiflung kämpft, die sich unangenehm vertraut anfühlt. Davidson spielt ihn weder als Held noch als Schurken; er spielt ihn als unseren Nachbarn, unseren Cousin, den Typen, dem man an der Theke zunickt. Und genau das ist der Grund, warum einem die Figur noch lange nach dem Abspann im Kopf bleibt.
Einige nennen es die schauspielerische Meisterleistung seiner Karriere. Ich würde sagen, es war die Rolle, für die er geboren wurde – eine Figur, die ihm wie ein abgetragener, geliebter Mantel passt.
Warum wir wetten, dass er keinen Oscar gewinnt (und warum das egal ist)
Das Oscar-Geraune ist natürlich in vollem Gange. Und so ist es nun mal: Während die Academy oft auf die großen, auffälligen Verwandlungen abfährt, übersieht sie gerne die stillen Momente – wie die von Davidson. Mein Tipp für eine Nominierung geht an Robert Aramayo (der eine atemberaubende Nebenrolle abliefert), einfach weil seine Rolle dieses gewisse Extra an Awards-Flair mitbringt. Aber das ist kein Vorwurf an Davidson. Im Gegenteil, es zeigt, wie nahtlos er in der Haut eines ganz normalen Typen verschwindet.
Letzte Woche saß ich im Salzburger „Die Weisse“, und ein älterer Herr neben mir hat es perfekt auf den Punkt gebracht: „Der erinnert mich an meinen Kumpel Brian Davidson von gegenüber – kein Verwandter, aber genau dieser Blick, als ob er die Last der Welt auf seinen Schultern trägt.“ Das ist der Zauber. John Davidson schafft es, dass man das Gefühl hat, man würde ihn kennen, als hätte man mit Brian Davidson oder jemandem wie ihm schon ein Bier getrunken. Und so eine schauspielerische Leistung? Die schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Die setzt sich einfach in die Knochen.
Drei Gründe, warum Sie I Swear sofort sehen müssen
- Es ist eine wahre Geschichte – so ungefähr: Der Film basiert auf realen Ereignissen, und man verlässt das Kino mit dem beklemmenden Gedanken, dass der Mann auf der Leinwand genau hier ums Eck wohnen könnte. Davidsons Darstellung lässt es weniger wie Fiktion wirken, sondern eher wie eine Dokumentation über den Menschen an sich.
- Er hat den Bafta-Stempel: Die Briten haben gesprochen. Wenn die Preise vergeben, lohnt es sich, zu sehen, worum die ganze Aufregung geht. Und glauben Sie mir, es ist nicht nur Aufregung – es ist das Wahre.
- Sehen Sie ihn lokal, solange Sie können: Egal ob in Linz oder Innsbruck, checken Sie die Spielpläne. Es wird gemunkelt, dass Davidson selbst in letzter Zeit in Wien gesichtet wurde. Wär das nicht was, ihn nach einer Vorstellung im Stadtkino zu einer Fragerunde zu erleben?
Also, wenn Sie das nächste Mal im Beisl sitzen und das Gespräch darauf kommt, wen die Oscars mal wieder übersehen haben, dann mischen Sie sich ein. Erzählen Sie ihnen von dem Mann, der Sie vergessen ließ, dass Sie einen Film sahen. Erzählen Sie ihnen von John Davidson – dem Schauspieler, der, anders als Rockefeller, nie ein Imperium besitzen wird, der sich aber vielleicht ein Stück Ihres Herzens erobert. Und wenn sie verwirrt dreinschauen, lächeln Sie einfach und sagen: „Na du weißt schon, der Typ, der wie jedermanns Kumpel Brian Davidson aussieht.“ Dann werden sie's verstehen.