Ben Stiller empört über Weissen Haus, das "Zoolander" für Iran-Propaganda zweckentfremdet
Man dachte, man hätte in Sachen politischer Kommunikation schon alles gesehen. Nach Tom Cruise und seinem Top Gun, die herhalten mussten, um dem Feind Angst einzujagen, nimmt sich das Weisse Haus nun einem Monument der absurden Komödie an: Ben Stiller. Ja, Sie haben richtig gelesen. Die US-Regierung hat in einem weiteren Versuch des "Bilderkriegs" gegen den Iran tief in die Kult-Komödien-Kiste gegriffen und einen Clip aus Zoolander für ein Montage verwendet, das wahrscheinlich bedrohlich wirken sollte. Nur dass der Hauptbetroffene das gar nicht lustig fand. Und das liess er mit der ihm eigenen Wortgewalt auch wissen.
Wenn Derek Zoolander zur Massenvernichtungswaffe der Kommunikation wird
Für alle, die die letzten zwanzig Jahre hinter dem Mond verbracht haben: In Zoolander geht es um einen dummen, gutaussehenden, aber völlig hohlen Schauspieler, gespielt von Ben Stiller, der zum Killer umfunktioniert werden soll. Es ist absurd, schräg und vor allem eine bissige Satire auf die Modewelt. Also, diese Figur zu nutzen, um eine geopolitische Botschaft nach Teheran zu senden, ist ungefähr so, als würde man Jonah Hill (seinen Kumpel aus Superbad und Kill the Boss) losschicken, um einen Friedensvertrag auszuhandeln: Die Absicht mag ja da sein, aber das Ergebnis ist zwangsläufig grotesk. Doch die Kommunikationsstrategen im Weissen Haus scheinen diese "bauchgesteuerte" Methode zu lieben, ein Ansatz, der bereits in der vorherigen Regierungszeit gut eingespielt war. Nachdem man Top Gun ausgeschlachtet hat, widmet man sich nun der reinen Komödie.
Und dann der Schock: Ben Stiller stösst auf das Video. Weit davon entfernt, darüber zu lachen, geht er in den sozialen Medien auf die Barrikaden, bezeichnet die Aktion als "traurig" und betont seine völlige Ablehnung. Man kann ihn verstehen. Das eigene Werk, die Frucht jahrelanger Arbeit (erinnern wir uns an seine Anfänge mit The Ben Stiller Show, dieser Sketch-Show, die seine Karriere startete), in ein Propagandainstrument verwandelt zu sehen, um Angriffe oder Drohungen zu rechtfertigen, da wird einem schon mal rot vor Augen. Besonders wenn man weiss, dass der Mann auch ernstere Filme wie The Secret Life of Walter Mitty (oder eben Das erstaunliche Leben des Walter Mitty) gedreht hat, in denen es genau um das Gewicht von Träumen angesichts der Realität geht.
Drei Gründe, warum diese Zweckentfremdung ein Fiasko ist
- Die tonale Diskrepanz: Eine absurde Komödie für einen bewaffneten Konflikt zu nutzen, ist, als würde man einen Clown zu einer Beerdigung schicken. Das passt einfach nicht und nervt alle.
- Der übergangene Künstler: Ben Stiller ist keine Marionette. Er hat ein anspruchsvolles filmisches Werk aufgebaut, vom originalen Zoolander bis hin zu dramatischeren Rollen, und zu sehen, wie seine Arbeit ohne seine Zustimmung vereinnahmt wird, empört ihn zu Recht.
- Die politische Ungeschicklichkeit: Erst Top Gun, dann Zoolander... wenn das so weitergeht, kommt als nächstes vielleicht Dumm und Dümmer. Eine Kriegskommunikation, die ins Lächerliche abgleitet, nützt niemandem – weder der Glaubwürdigkeit Amerikas noch dem Frieden.
Unterm Strich erinnert uns diese Affäre an eines: Ben Stiller ist nicht nur ein genialer Komiker, sondern auch ein Regisseur und Schauspieler, dem sein Erbe am Herzen liegt. Wenn das Weisse Haus auf einen kontrollierten Hype gehofft hatte, hat es vor allem einen netten Kerl verärgert und bei allen, die den Film kennen, für einen allgemeinen Lacher gesorgt. Denn ja, es hat etwas Absurdes, sich Derek Zoolander mit seinem leeren Blick und seinen lächerlichen Posen als geopolitische Bedrohung vorzustellen. In der Zwischenzeit lachen wir, aber wir vergessen nicht, dass hinter dem Meme ein wütender Künstler und echte Menschenleben stehen. Vielleicht sollten die Kommunikationsberater, bevor sie sich in der Popkultur bedienen, Walter Mitty schauen, um über die Grenze zwischen Traum und Realität zu meditieren. Oder einfach nochmal das Drehbuch von Zoolander lesen: Am Ende schafft es das Model nur... Mist zu bauen. Genau wie sie.