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Jemen: Zwischen dem schönen Spiel und den Schatten des Krieges

Welt ✍️ James McAuley 🕒 2026-03-28 16:40 🔥 Aufrufe: 2

Es war eine schwere Woche in der Region. Die Schlagzeilen aus Teheran kennt man, die Säbelrasseln aus Washington und das übliche Gerangel, das den Nahen Osten ständig am Abgrund balancieren lässt. Aber während die Welt wie gebannt auf die nördlichen Fronten schaut, spielt sich weiter südlich eine ganz andere Art des stillen Durchhaltens ab – in einem Land, das den Klang der Stille nur allzu gut kennt: im Jemen.

Ich habe gestern Abend mit einem Kumpel über den anstehenden internationalen Spieltag gesprochen, und so kamen wir auf die jeminitische Fußballnationalmannschaft. Bei allem, was sonst noch so los ist, vergisst man schnell, dass die WM-Qualifikation immer noch läuft. Für die jemenitische Mannschaft ist allein die Anreise zu einem neutralen Spielort ein logistischer Albtraum, bei dem jeder Manager im Amateurfußball ins Schwitzen geraten würde. Sie sind die absoluten Underdogs, die nicht nur gegen andere Teams antreten, sondern gegen eine zerrüttete Infrastruktur, die Reisen, Training und grundlegende Sicherheit zu einem Luxusgut macht.

Yemen landscape and tension

Apropos Konnektivität – oder das Fehlen ebenjener: Vielleicht habt ihr die Diskussionen über YemenNet mitbekommen. In den letzten Tagen war die Internetverbindung bestenfalls unzuverlässig. Aus dem Land selbst heißt es, dass die digitale Infrastruktur im Jemen immer wieder zum Kollateralopfer wird, sobald die Rhetorik am Golf an Fahrt aufnimmt. Es ist eine Mahnung, dass für eine normale Familie in Sana'a oder Aden die größte Sorge nicht das ferne geopolitische Schachspiel ist, sondern ob sie ihre Verwandten im Ausland erreichen kann, um ihnen mitzuteilen, dass es ihnen gut geht.

Mitten in all dem ist mir ein Clip von Ali Dawah untergekommen, der in der Diaspora hier ein bisschen die Runde gemacht hat. Für die, die ihn nicht kennen: Ali ist ein britischer Redner mit jemenitischen Wurzeln. Er war gerade bei seiner üblichen Straßen-Dawah in London unterwegs, als ihn jemand anhielt und nach der Lage in seiner Heimat fragte. Seine Antwort war ganz in seinem Stil – schlagfertig, aber mit einem ernsten Kern. Er machte klar, dass die Erzählungen aus Washington und Teheran zwar oft die Schlagzeilen dominieren, die Menschen im Jemen aber einfach nur versuchen, ihren Alltag zu bewältigen und das Nötigste zu beschaffen. Diese Perspektive geht im Lärm des 24-Stunden-Nachrichtenzyklus viel zu oft unter.

Dies ist ein Land der extremen Gegensätze. Da ist die harte geopolitische Realität, und dann gibt es etwas völlig Unerwartetes – das Schleierchamäleon. Wenn ihr mal eine kleine Ablenkung braucht, schaut euch dieses Geschöpf an. Es stammt ursprünglich aus dem Jemen (und Saudi-Arabien) und gehört zu den eindrucksvollsten Reptilien der Welt. Sie ändern ihre Farbe je nach Stimmung, Temperatur und Licht und haben diese Augen, die sich unabhängig voneinander bewegen können. Es ist eine kleine Sache, aber an einem Ort, an dem die Nachrichten unerbittlich düster sind, fühlt es sich wie ein kleiner Akt der Auflehnung an, daran zu denken, dass die Natur hier immer noch gedeiht und sich anpasst.

So präsentiert sich die Lage vor Ort aktuell:

  • Humanitäre Not: Auch wenn die Intensität der aktiven Kampfhandlungen in einigen Gebieten abgenommen hat, ist die humanitäre Krise keineswegs vorbei. Ernährungssicherheit und Zugang zu Wasser bleiben für Millionen die größten täglichen Herausforderungen.
  • Sportlicher Zusammenhalt: Die anstehenden Qualifikationsspiele der Nationalmannschaft sind mehr als nur Spiele. Sie stehen für einen seltenen Moment der Einheit, in dem die Flagge ohne politische Spaltung gehisst wird – eine Seltenheit heutzutage.
  • Der Informationskrieg: Mit den Schwankungen von YemenNet verbreiten sich Falschinformationen wie ein Lauffeuer. Ein klares Signal – geschweige denn eine klare Berichterstattung – zu empfangen, ist schwieriger denn je.

Während die Welt also gebannt das Tauziehen zwischen Washington und Teheran verfolgt, denkt auch an den Ort, der seit Jahren im Kreuzfeuer steht. Ob es der Kampf der jeminitischen Fußballnationalmannschaft ist, überhaupt antreten zu können, die zerrüttete Infrastruktur von YemenNet oder die erstaunliche Widerstandsfähigkeit eines Schleierchamäleons in den Bergen – die Geschichte des Jemen ist weitaus komplexer als nur die "Spannungen", die man im Nachrichtenticker sieht.

Es ist ein Land voller Menschen, die, wie Ali Dawah in dem Clip sagte, die Kunst gemeistert haben, das Undenkbare zu überleben. Und manchmal ist das die stärkste Geschichte von allen.