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Skorbut-Diagnose bei Buben in Wiener Neustadt: Ein moderner Fall der "Seefahrerkrankheit"

Gesundheit ✍️ Michael Daly 🕒 2026-03-13 00:53 🔥 Aufrufe: 1
Skorbut-Fall bei einem Kind in Niederösterreich

Man könnte einem verzeihen, wenn man dachte, Skorbut wäre etwas, das nur Piraten bekamen, als Holzschiffe und eiserne Rationen die Norm waren. Doch letzte Woche erhielt eine Familie aus Wiener Neustadt eine Diagnose, die sich anhört, als stamme sie direkt aus dem 18. Jahrhundert: Ihr fünfjähriger autistischer Sohn, der sich hauptsächlich von Huhn und Keksen ernährt hatte, erkrankte an ausgewachsenem Skorbut.

Es ist eine dieser Geschichten, bei denen einem der Bissen im Hals stecken bleibt. Der Bub hatte, wie viele im autistischen Spektrum, extreme Abneigungen gegen bestimmte Lebensmittel – kein Obst, kein Gemüse, nur diese zwei Grundnahrungsmittel. Und während seine Eltern dachten, sie würden ihn gut ernähren, schrie sein Körper leise nach Vitamin C. Die Folge? Zahnfleischbluten, blaue Flecken, so starke Beinschmerzen, dass er aufhörte zu gehen. Klassische Anzeichen, die man eher in einem Geschichtsbuch sehen würde, oder vielleicht in Eingefroren in der Zeit: Das Schicksal der Franklin-Expedition, wo die armen Kerle wahrscheinlich am selben Mangel im arktischen Eis zugrunde gingen.

Kein Relikt aus der Vergangenheit

Die Ärzte im Krankenhaus Wiener Neustadt waren fassungslos. Skorbut ist heutzutage so selten, dass er oft übersehen wird – man nennt ihn eine "vergessene Krankheit". Aber als sie die Bluttests durchführten und die fast bei Null liegenden Vitamin-C-Werte sahen, machte es Klick. Sie blätterten sogar durch Bildkasuistik in der Klinischen Medizin: Ausgewählte Fälle aus dem New England Journal of Medicine, wo man die verräterischen Korkenzieherhaare und perifollikulären Blutungen sehen kann, die die Diagnose bestätigen. Ein Bild, das man nicht vergisst.

Der Fall des Buben ist kein Einzelfall. Kinderärzte berichten, dass sie mehr Kinder mit seltsamen Ernährungslücken sehen, besonders solche mit sensorischen Problemen. Es gibt zu denken: Wir lachen über Piratenklischees – diese skorbutigen Halunken in Büchern wie Der Piratenfresser, die immer nach dem "skorbutigen Hund" schreien – aber die eigentliche Sache ist kein Witz. Sie ist schmerzhaft, lähmend und vollständig vermeidbar.

Worauf Sie achten sollten

Wenn Ihr Kind ein wählerischer Esser ist, besonders wenn es Autismus oder eine sensorische Verarbeitungsstörung hat, lohnt es sich, die Augen offen zu halten. Skorbut kündigt sich nicht mit einem Papagei auf der Schulter an; es schleicht sich langsam heran. Hier ist, worauf Sie achten sollten:

  • Unerklärliche Müdigkeit oder Reizbarkeit – Ihr Kind wirkt vielleicht "faul" oder quengelig, aber es könnte sein Körper sein, der kämpft.
  • Zahnfleischbluten oder lockere Zähne – selbst wenn regelmäßig geputzt wird.
  • Leichte Blutergüsse (Hämatome) – diese mysteriösen violetten Flecken, die ohne Grund auftauchen.
  • Gelenk- und Muskelschmerzen – besonders in den Beinen, was manchmal das Gehen erschwert.
  • Raue, holprige Haut oder Korkenzieherhaare – ein klassisches Zeichen dafür, dass Vitamin C fehlt.

Die gute Nachricht? Es ist kinderleicht zu beheben. Ein paar Wochen Vitamin-C-Präparate und etwas Kreativität, um Kiwi in Smoothies zu schmuggeln, und der Junge aus Wiener Neustadt ist bereits wieder auf den Beinen. Aber es ist ein Weckruf für uns alle. Wir neigen dazu zu denken, dass Mangelernährung woanders passiert, bei Menschen in Hungersnotgebieten. In Wirklichkeit kann es im eigenen Wohnzimmer passieren, ein Chicken Nugget nach dem anderen.

Also, wenn Sie das nächste Mal eine Gute-Nacht-Geschichte lesen – vielleicht sogar Der Piratenfresser mit seinen bunten Seebären –, werfen Sie einen Blick auf den Teller Ihres eigenen Kindes. Bekommt es genug Farbe? Denn die wahren Skorbut-Racker sind nicht in Geschichtenbüchern; sie sind die unsichtbaren Mängel, die unsere Kinder beschleichen, wenn wir nicht hinsehen.