Der Lac de Sainte-Croix in Frankreich – kein See, sondern ein gewaltiges Reservoir? Die Wahrheit über dieses atemberaubende blaue Juwel
Wenn man an die Provence denkt, hat man wohl meist die romantischen violetten Lavendelfelder vor Augen. Aber für uns, die wir in Europa unterwegs sind und schon so viel gesehen haben, ist ein bestimmtes „Blau“ noch unvergesslicher als dieses Lila – der Lac de Sainte-Croix. Als ich das erste Mal ein Foto sah, dachte ich, es wäre eine Lagune im Pazifik. Aber dann habe ich nachgeschaut und herausgefunden: Es ist gar kein natürlicher See, sondern ein echter Stausee. Dieser Kontrast macht ihn wirklich besonders.
Ein beeindruckendes Meisterwerk in der Verdon-Schlucht
Der vollständige Name des Lac de Sainte-Croix lautet „Lac de Sainte-Croix du Verdon“ – ein Stausee, der 1974 durch den Bau einer Talsperre entstand. Die Entstehung dieses Sees war im wahrsten Sinne des Wortes „durchsetzungsstark“: Um das Wasser der Verdon zu kontrollieren, wurde das gesamte Tal geflutet, inklusive des Dorfes Sainte-Croix. Das atemberaubende Blau, das wir heute sehen, liegt über einer mittelalterlichen Stadt. Das macht aus dem romantischen Ort plötzlich eine geschichtsträchtige Stätte. Dieser kraftvolle Eingriff in die Natur machte ihn zu einem der bedeutendsten Stauseen Frankreichs, der für die Bewässerung und die Wasserversorgung der umliegenden Städte unverzichtbar ist.
Am Ufer kann man kaum glauben, dass dies ein Werk der Menschenhand ist. Durch das kalkhaltige Gestein schimmert das Wasser in der Sonne in einem türkisfarbenen Blau – so klar, dass man am liebsten sofort hineinspringen möchte, ein Gefühl, das wohl jeder kennt, der schon dort war. Von den hohen Klippen aus betrachtet, wirkt der See wie ein in die Schlucht eingebetteter Edelstein, der die wilde, zerklüftete Kalksteinlandschaft auf magische Weise sanfter erscheinen lässt.
Boot fahren, Klippenspringen, Sonnenbaden: So vielfältig ist der Stausee
Am Lac de Sainte-Croix solltest du dich nicht nur auf die Aussichtsplattformen beschränken. Hier geht es viel ursprünglicher zu! Am liebsten mieten sich die Einheimischen ein Boot (kein Führerschein nötig) und fahren über den See bis hinein in die Verdon-Schlucht. Je weiter man in die Schlucht einfährt, desto näher rücken die Felswände zusammen, und die Brise wird spürbar kühler. Dann versteht man plötzlich, warum dieser Ort auch als europäischer „Grand Canyon“ bezeichnet wird.
- Tretboot / Elektroboot: Der Klassiker. Mit wenig Aufwand kann man tief in die Schlucht fahren und die Atmosphäre zwischen den engen, steilen Felswänden auf sich wirken lassen.
- SUP / Kajak: Für alle mit etwas mehr Energie. Das sanfte Gleiten über das Wasser, umgeben von den natürlichen Echos der Schlucht – es gibt kaum ein besseres Gefühl.
- Klippenspringen: Am Seeufer gibt es viele natürliche Plattformen. Ein Sprung von ein paar Metern Höhe ist die beste Abkühlung an heißen Sommertagen. Aber Vorsicht: Achte immer auf die Wassertiefe, bevor du springst.
Ich erinnere mich an eine Kajaktour tief in der Schlucht: Keine andere Menschenseele war zu sehen, nur ein paar wilde Enten schwammen neben mir. Über mir ragten die senkrechten Felswände auf, unter mir war das Wasser glasklar. In diesem Moment wurde mir klar, dass dieser Stausee weit mehr ist als nur ein Wasserreservoir – es ist ein Ort, den die Zeit vergessen zu haben scheint.
Mehr als nur ein Stausee: Das Lebensgefühl am Lac de Sainte-Croix
Viele Reisende fahren nur schnell durch die Provence, aber ich würde dir empfehlen, eine Nacht in einem der kleinen Dörfer am Lac de Sainte-Croix zu verbringen. Am Abend, wenn die Tagestouristen verschwunden sind und der See wieder ruhig wird, kannst du in einem Restaurant am Wasser eine Schale Miesmuscheln mit einem Glas Weißwein genießen und dabei zusehen, wie der Sonnenuntergang den See in Gold taucht. Diese entspannte Lebensart ist es, wie die Franzosen das Leben wirklich genießen.
Ein einheimischer Freund erzählte mir, dass bei Niedrigwasser im Sommer manchmal noch die Überreste der alten Dorfmauern von Sainte-Croix aus dem Wasser ragen – wie eine Erinnerung daran, was sich einst an dieser Stelle befand. Dieses Zusammenspiel von Mensch und Natur, von Vergangenheit und Gegenwart, macht diesen Stausee zu mehr als nur einem Bauwerk; es gibt ihm eine eigene Geschichte.
Wenn du auch auf diese Art von „menschengemachten Wundern“ in der Natur stehst, dann solltest du den Lac de Sainte-Croix unbedingt auf deine Reiseliste setzen. Er zeigt uns, dass ein Stausee alles andere als langweilig sein muss – er kann auch so „durchsetzungsstark“ schön sein, dass man die Zeit vergisst. Wenn du das nächste Mal in Südfrankreich bist, schau nicht nur nach den Lavendelfeldern, sondern mach einen Abstecher zu diesem Blau. Du wirst sofort verstehen, wovon ich spreche.