Panik im Morro dos Prazeres: BOPE-Einsatz endet mit totem Drogenboss und brennenden Bussen in Rio
Wer heute Morgen in Rio de Janeiro früh aufstand, spürte sofort: Der Tag wird angespannt. In den frühen Morgenstunden war der Lärm von Hubschraubern und Schüssen bereits zur durchbrochenen Routine im Morro dos Prazeres in der Südzone geworden. Doch was dann folgte, war dieser eine Film, den wir nur zu gut kennen, an den wir uns aber nie gewöhnen: Ein schwerer Einsatz der BOPE, der mit dem Tod eines der Drogenbosse der Region endete – und als Antwort darauf die Stadt in Flammen aufging – im wahrsten Sinne des Wortes.
Es war nicht nur der Morro dos Prazeres. Jeder, der in Rio wohnt, weiß: Wenn die BOPE einen Hügel stürmt, breitet sich die Gewaltwelle aus. Und diesmal kam die Wut der Banditen mit der altbekannten Taktik, die dennoch Panik auslöst: Busse kapern und anzünden, dazu Hauptverkehrsadern blockieren, um zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Die Avenida Brasil zum Beispiel wurde zum Chaos. Wer zur Arbeit musste, fand sich mitten in Panik und Rauch wieder.
Das diesmalige Ziel und die sofortige Reaktion
Hinter den Kulissen kursierte unter den Leuten, die den Alltag in den Gemeinden verfolgen, die Information, dass die BOPE-Leute mit einer gezielten Mission den Morro dos Prazeres gestürmt haben. Sie waren hinter einem der örtlichen Drogenbosse her, einem Typen, der schon lange überwacht wurde. Der Zusammenstoß war heftig, und der Verbrecher überlebte nicht. Sein Tod diente jedoch als Zünder für eine Reihe von orchestrierten Angriffen von Komplizen in anderen Nachbargemeinden und sogar an strategischen Punkten der Stadt.
Innerhalb weniger Minuten veränderte sich das Stadtbild. Wir sahen Szenen der Verzweiflung:
- Brennende Busse an verschiedenen Orten in der Nord- und Innenstadt, einige noch mit Passagieren, die gerade noch fliehen konnten.
- Feuerbarrikaden in den Zufahrtsstraßen zu Gemeinden wie São Carlos, Fallet und Fogueteiro, die alle derselben Fraktion angehören.
- Unaufhörliche Schüsse in mehreren Favelas, wobei sich die Bewohner zu Hause auf den Boden warfen, weg von den Fenstern.
- Blockierte Schnellstraßen wie die Linha Vermelha, die zu kilometerlangen Staus führten und die Cariocas zu spät zur Arbeit brachten.
Der Morro dos Prazeres, der einst einen lebhaften lokalen Handel und eine wunderschöne Aussicht bot, wurde zum Kriegsschauplatz. Zahlreiche Anwohner posteten Videos in WhatsApp-Gruppen: "Hier geht's richtig ab", "Die Typen kommen alle runter".
Sechs Gemeinden im Ausnahmezustand
Nicht nur der Morro dos Prazeres erwachte im Belagerungszustand. Mindestens sechs Gemeinden in Rio erlebten den Morgen mit gleichzeitigen Polizeieinsätzen oder starker Präsenz des organisierten Verbrechens als Reaktion. Interne Quellen der Sicherheitsbehörde bestätigten, dass Beamte im Einsatz sind, doch das Gefühl der Unsicherheit breitete sich aus. Buslinien wurden umgeleitet, Bahn- und U-Bahn-Stationen waren überfüllt mit Menschen, die versuchten, nach Hause zu kommen oder gar nicht erst zur Arbeit zu gelangen.
Im Laufe des Morgens kursierten landesweit Videos eines brennenden Busses im Zentrum – nur wenige Meter von historischen Gebäuden entfernt. Das Bild, das diesen Artikel illustriert, ist genau das eines dieser Fahrzeuge, vollständig von den Flammen zerstört – ein trauriges und reales Porträt des Alltags derjenigen, die in der wunderschönen Stadt leben, aber auch Tage des Terrors erleben.
Bislang gibt es keine offizielle Bilanz zu Verletzten oder Toten außer dem Drogenhändler im Morro dos Prazeres. Doch die Stimmung ist angespannt. Städtische Schulen in der Region haben den Unterricht ausgesetzt, Geschäfte schlossen ihre Türen. Wer in der Nähe des Morro dos Prazeres wohnt, weiß: Der Tag wird lang. Die Zusicherung aus dem Regierungspalast verspricht eine Verstärkung der Polizeipräsenz, doch die alte Leidensgeschichte von "Schüssen, Knüppeln und Bomben" verfolgt die Cariocas weiter.
Und wir, die wir hier leben, hoffen nur, dass sich der Staub schnell legt. Denn tief im Inneren wünschen wir uns doch nichts sehnlicher, als ruhig unsere Wege gehen zu können, Bus fahren zu können, ohne Angst, und dass der Morro dos Prazeres für seine Schönheit und seinen Samba in Erinnerung bleibt – und nicht für einen weiteren Tag des Krieges.