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JD.com fordert Amazon heraus: Joybuy startet in der Schweiz mit Blitzlieferung

Wirtschaft ✍️ Bas van der Heijden 🕒 2026-03-16 10:40 🔥 Aufrufe: 1

Es ist offiziell: Der chinesische E-Commerce-Riese JD.com hat heute, am 16. März, seine Plattform Joybuy in der Schweiz gestartet. Zusammen mit fünf weiteren europäischen Ländern – Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg – betritt der grösste Einzelhändler Chinas unseren Markt. Und sie kommen nicht nur auf einen Sprung vorbei; sie wollen gegen etablierte Namen wie Amazon ein Ausrufezeichen setzen, und das untermauern sie mit einem beeindruckenden Logistikversprechen.

Joybuy Lancierungskampagne

Das '11-vor-11'-Versprechen: Schneller als Brack oder Amazon?

Wir Schweizer legen bekanntlich Wert auf faire Lieferkosten und verlässliche Zeiten – und genau hier setzt Joybuy geschickt an. Das Zauberwort heisst Geschwindigkeit. In verschiedenen Städten, sicherlich auch im Grossraum Zürich, gilt die sogenannte 'Doppel-11'-Regel: Bestellungen, die bis 11 Uhr morgens aufgegeben werden, liefern wir noch am gleichen Tag bis 23 Uhr aus. Gibst du die Bestellung später am Abend auf? Dann liegt sie am nächsten Mittag vor der Tür. Das ist ein Tempo, mit dem sie nicht nur Amazon, sondern auch unsere heimischen Händler wie Brack unter Druck setzen. Sie zielen auf denselben Komfort, den wir von den Grossen gewohnt sind, aber mit einem attraktiveren Preisschild.

Und die Preise können sich wirklich sehen lassen. Nehmen wir zum Beispiel die Apple AirPods 4. Im offiziellen Fachhandel kosten sie etwa 135 Franken, bei Joybuy bezahlst du umgerechnet nur gerade 100 Franken. Selbst Amazon ist mit 115 Franken teurer. Das sind genau die Signale, die Schnäppchenjäger hellhörig werden lassen.

Mehr als nur günstig: Von Spaghetti bis Deep Learning

Es geht aber nicht nur um Preis und Geschwindigkeit. Auch das Angebot muss stimmen. Klar, hier findest du die neuesten Gadgets und Haushaltsgeräte – etwa von Marken wie Braun oder DeLonghi – aber das Sortiment ist überraschend breit gefächert.

So bin ich über einige Perlen gestolpert, die perfekt die Mischung aus Ost und West zeigen:

  • Für den Autoliebhaber, der alles über seinen fahrbaren Untersitz wissen will: Motormouth: The Complete Canadian Car Guide – ein auffälliger Titel, der zeigt, dass man auch Nischenmärkte im Blick hat.
  • Für den Technik-Freak oder Studenten, der sich in künstliche Intelligenz vertiefen möchte: das Standardwerk Understanding Deep Learning. Es zeigt, dass Joybuy auch den wissensintensiven Trend mitgeht.
  • Und für alle, die mal wieder in eine andere Welt abtauchen wollen: der Fantasy-Roman Reign & Ruin von J.D. Evans, ein echter Tipp für Liebhaber des Genres.
  • Und als ob das nicht genug wäre, kursieren Gerüchte, dass Justin Dior Combs, der Sohn von Diddy, möglicherweise mit einer eigenen Streetwear-Linie auf der Plattform vertreten sein könnte. Das wäre der Hammer für die Schweizer Fashionistas.

Keine Übernahme, sondern auf eigenen Beinen stehen

Interessant ist, dass JD.com diesen europäischen Feldzug aus eigener Kraft bestreitet. Zuvor wurde über eine mögliche Übernahme der britischen Ketten Currys oder Argos geflüstert, aber diese Gespräche verliefen im Sande. Stattdessen haben sie kräftig in die eigene Infrastruktur investiert. Die Übernahme des deutschen Unternehmens Ceconomy – Mutterkonzern von MediaMarkt und Saturn – für satte 2,2 Milliarden Euro verschafft ihnen sofort einen Fuss in der Tür des europäischen Elektronikmarkts.

Für uns als Konsumenten in der Schweiz bedeutet das vor allem eines: Wahlmöglichkeit. Wir haben bereits Temu und Shein, die sich in den Extremen des Preises bekämpfen, und Amazon, das auf Komfort und schiere Grösse setzt. Nun kommt mit Joybuy ein weiterer Player dazu, der den Fokus auf schnelle Logistik, verlässliche Marken und scharfe Angebote legt. Das wird ein spannender Kampf, und ich bin überzeugt, dass wir als shoppende Bevölkerung am Ende nur gewinnen können. Ein deutscher Kunde brachte es in einer frühen Bewertung treffend auf den Punkt: "Früher machte Amazon 90% meiner Online-Käufe aus, jetzt ist Joybuy für 80% verantwortlich". Wenn das kein warnendes Signal für die Etablierten ist.