Mäzene: Der Film, der uns den Preis der Kunst neu bewerten lässt
Derzeit kann man kaum einen Kulturteil aufschlagen, ohne auf den Namen Mäzene zu stoßen. Der Film, der vor ein paar Wochen Premiere hatte, wurde bereits als "der meistdiskutierte schwedische Film des Jahres" abgestempelt – und das völlig zu Recht. Aber warum genau packt uns diese Geschichte über eine junge Kunststudentin und einen wohlhabenden älteren Mann so sehr? Geht es nur um Machtverhältnisse, oder steckt etwas Größeres dahinter, etwas tief in unserer Sicht auf die Bedingungen der Kunst Verwurzeltes?
Wenn Kunst zur Währung wird
Im Zentrum steht eine Beziehung, die gleichermaßen verführerisch wie unangenehm ist. Carla Sehn verkörpert eine Kunststudentin, die dank eines deutlich älteren Mäzens in eine von Luxus und kulturellem Status geprägte Welt hineingezogen wird. Es ist eine Geschichte, die genauso gut in den Salons des 19. Jahrhunderts spielen könnte wie im heutigen Stockholmer Stadtzentrum. Denn die Frage ist zeitlos: Was ist man bereit zu opfern, um schaffen zu dürfen? Die Regisseurin hat den Film selbst als "spannungsgeladenen Roman über Abhängigkeit" beschrieben, und das merkt man. Jede Szene vibriert vor dem unangenehmen Gefühl, dass nichts umsonst ist – am allerwenigsten die künstlerische Freiheit.
Gerade diese unbezahlte Schuld macht Mäzene so aktuell. In einer Zeit, in der öffentliche Kulturförderung in Frage gestellt wird und private Sammler zunehmend als Retter der Kunst auftreten, müssen wir uns fragen: Wer darf eigentlich über die Kunst bestimmen? Der, der bezahlt, oder der, der sie schafft?
Der Graf, der immer noch spukt
Für jene, die mit der schwedischen Kulturgeschichte vertraut sind, taucht natürlich ein Schatten aus der Vergangenheit auf: Der schwedische Graf und Mäzen Gustaf Trolle-Bonde (1773-1855). Ein Mann, der zu seinen Lebzeiten Kunst sammelte, junge Talente förderte und eine der vornehmsten Sammlungen des Landes aufbaute – der aber auch die komplexe Beziehung zwischen Geld und Ästhetik personifizierte. Genau wie der Mäzen im Film bewegte sich Trolle-Bonde in einer Welt, in der der Künstler sowohl bewundert als auch abhängig war, eher ein Spielkamerad des Adels als ein freier Schöpfer.
Es ist kein Zufall, dass der Film genau diese historischen Echos weckt. Indem er eine zeitgenössische Geschichte vor dem Hintergrund klassischer Mäzenatenideale platziert, legt er etwas Unangenehmes bloß: Vielleicht gab es nie ein goldenes Zeitalter, in dem die Kunst völlig frei war. Vielleicht haben wir schon immer nach jemand anderers Pfeife getanzt, egal ob die Pfeife einem Grafen, einem Galeristen oder einem staatlichen Kulturamt gehört.
Worüber wir reden, wenn wir über "Mäzene" reden
Hier sind einige der Fragen, die der Film im schwedischen Kulturbetrieb ausgelöst hat:
- Ausbeutung oder Chance? Kann ein Mäzene jemals völlig selbstlos sein, oder geht es immer um ein emotionales und wirtschaftliches Übergewicht?
- Der Weg der neuen Kunst – muss er immer über eine bereits etablierte Geschmackselite führen? Der Film zeigt, wie "neue Kunst" oft im Schatten der Vorlieben eines anderen entsteht.
- Was ist ein Künstler wert? In einer Szene sagt der Mäzen: "Ich gebe dir die Möglichkeit, der zu werden, der du bist." Aber zu welchem Preis?
Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Mäzene der Film ist, der uns diese Fragen laut stellen lässt. Mit einem Drehbuch, das beißt, und einem Schauspielstil, der unangenehm nah an der Realität ist, ist es den Filmemachern gelungen, etwas Grundlegendes im Selbstbild der zeitgenössischen Kunstwelt einzufangen. Wir glauben gerne, dass Talent immer seinen Weg findet, aber der Film zeigt etwas anderes: Talent muss entdeckt werden, und derjenige, der es entdeckt, sitzt oft auf einer Macht, die selten in Frage gestellt wird.
Gustaf Trolle-Bonde würde sich vermutlich wiedererkennen. Seine Epoche war voller ähnlicher Paradoxien. Was Mäzene zu einem so bedeutsamen Erlebnis macht, ist, dass er nicht verurteilt, sondern uns nur zusehen lässt. Zusehen, wie wenig sich eigentlich verändert hat und wie viel wir immer noch bereit sind zu geben, für eine Chance, in den feinen Salons mitspielen zu dürfen.
Sehen Sie ihn, diskutieren Sie ihn, und fragen Sie sich selbst: Wer ist eigentlich Ihr Mäzen?