Weltglücksbericht 2026: Finnland ist das glücklichste Land – aber Kanada stürzt ab und Österreichs Nachbar Schweden verliert
Es ist wieder so weit. Die diesjährige Ausgabe des World Happiness Report, also des Weltglücksberichts, ist veröffentlicht – und wie gewohnt haben die Finnen allen Grund zu lächeln. Bereits zum siebten Mal in Folge wird Finnland zum glücklichsten Land der Welt gekürt. Die nordischen Länder dominieren wie üblich die Spitze – aber hier bei uns in Österreichs Nachbarland Schweden zeigt der Pfeil leicht nach unten. Wir sind ein paar Plätze zurückgefallen, auch wenn wir immer noch weit vor den meisten anderen liegen.
Doch es sind nicht unsere östlichen Nachbarn, die dieses Jahr für Schlagzeilen sorgen. Richten wir den Blick stattdessen nach Westen, über den Atlantik. Kanada, lange Zeit als eines der harmonischsten Länder angesehen, stürzt im Ranking regelrecht ab. Das Land landet auf Platz 25 von 147 Nationen, was noch okay klingt – bis man einen Blick zurückwirft: Seit 2013 ist Kanada um atemberaubende 19 Plätze gefallen. Die Frage ist, was im Land des Ahornblatts und der Höflichkeit los ist?
Kanadas Krise – vom Traum zum Albtraum?
Ich verfolge die Berichte schon lange und kann mich an keinen so dramatischen Einbruch für ein westliches Land erinnern. Um das Warum zu verstehen, muss man wohl das große Ganze betrachten. Es ist nicht nur eine Sache, sondern ein Puzzle aus politischer Turbulenz und Alltagsproblemen. Hier sind einige Puzzleteile, auf die viele Kanadier selbst hinweisen:
- Die Wohnungskrise in den Metropolen: Eine Immobilie in Toronto oder Vancouver zu kaufen, ist für junge Leute eine Utopie. Sogar die offizielle Residenz des Premierministers, das Rideau Cottage, wird als "inadequate" – unzureichend – für einen Regierungschef beschrieben. Wenn nicht einmal die Mächtigen anständige Unterkünfte haben, verlieren die Leute leicht die Hoffnung.
- Die Autokosten in Toronto: Ein neuer Bericht zeigt, dass Toronto mittlerweile eine der Städte der Welt ist, in denen es am schwersten zu rechtfertigen ist, ein Auto zu besitzen. Zwischen Versicherung, Parkplatz und Benzin frisst das Auto einen großen Teil des Gehalts auf – und ohne funktionierende Alternativen wird der Alltag zur stressigen Geduldsprobe.
- Politische Zynismus: Derzeit tobt eine hitzige Debatte in Ontario. Kritiker, darunter Tim Hudak, der kürzlich in einem Morgenkommentar anmerkte, werfen Premierminister Doug Ford vor, "die Zone zu fluten" – also die Nachrichtenlage mit einer Menge anderer Themen zu überschwemmen, um von einem Transparenzskandal abzulenken. Wenn die Leute das Gefühl haben, dass die Politiker nicht ehrlich sind, sinkt das Vertrauen – und Vertrauen ist ein Schlüssel zum Glück.
Jeffrey Sachs warnt vor dem Preis der Negativität
Jeffrey Sachs, Mitbegründer des Berichts, betont gerne die Bedeutung sozialer Bindungen. Dieses Jahr kommentierte er auch einen anderen Aspekt: den Einfluss negativer Menschen. Die im Bericht zitierte Forschung zeigt, dass negative Personen in Ihrem Umfeld tatsächlich dazu führen können, dass Sie schneller altern. Es geht um Stress, Sorgen und dieses nagende Gefühl, ständig auf dem Sprung sein zu müssen. Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das sich gerade in Kanada ausbreitet – ein kollektiver Pessimismus, der von innen heraus frisst.
Österreich und seine Nachbarn – immer noch unter den Glücklichen
Aber wir sollten hier bei uns nicht den Kopf hängen lassen. Klar, Österreichs Nachbar Schweden gibt dieses Jahr ein paar Plätze ab – das haben wir gemerkt – aber es gehört immer noch zum exklusiven Club der Länder, in denen man durchatmen kann. Finnland, Dänemark, Island und die Niederlande liegen vor uns, aber wir schlagen immer noch die meisten anderen. Vielleicht ist es unsere Offenheit, unsere Sicherheit oder einfach der Zugang zur Natur und eine halbwegs ausgewogene Work-Life-Balance, die uns so gut dastehen lässt. Denn auch wenn wir über das Wetter oder die Wohnungsnot in den Großstädten meckern können – im Großen und Ganzen haben wir es doch verdammt gut.
Und eines ist sicher: Wenn der nächste Bericht 2027 erscheint, werden wir uns wieder mit unseren finnischen Nachbarn vergleichen. Bis dahin müssen wir damit leben, dass sie die Weltmeister des Glücks sind – und wir uns damit begnügen müssen, zu den Besten der Klasse zu gehören. Für ein Land in Nordeuropa ist das doch völlig in Ordnung.