Startseite > Wirtschaft > Artikel

Gilson Finkelsztain verlässt B3 und wird neuer CEO der Santander Brasil – Mario Leão übergibt

Wirtschaft ✍️ Carlos Mendes 🕒 2026-03-20 11:19 🔥 Aufrufe: 2
Zentrale der Santander Brasil

Der brasilianische Finanzmarkt erwachte mit einer der meistdiskutierten Nachrichten des Jahres. In den Büros der Faria Lima gab es nur ein Thema: die Bestätigung, dass die Santander Brasil einen neuen Präsidenten bekommt. Mario Leão gibt nach vier Jahren die Führung ab, und Gilson Finkelsztain, bisher Chef der B3, wurde auserkoren, den Posten bis Juli zu übernehmen. Insider hatten zwar mit einer solch bedeutenden Veränderung gerechnet, die offizielle Bestätigung kam dann aber doch überraschend.

Ein Kapitel geht zu Ende: Mario Leão und der Auftrag zur Sanierung

Mario Leão ist seit über einem Jahrzehnt bei der Santander. Er übernahm das Amt des CEO im Januar 2022 von Sergio Rial – und das in einer heiklen Phase für die Bank. Die Kreditausfälle waren hoch, die Rentabilität stand unter Druck. Wer sich an die Zeit nach der Pandemie erinnert, weiß, dass dies kein leichtes Erbe war. Leãos Aufgabe war es, die Wende zu schaffen und das Vertrauen des Marktes zurückzugewinnen.

Und man kann sagen: Er hat seine Hausaufgaben gemacht. Unter seiner Führung durchlief die Bank eine umfassende Restrukturierung. Die Eigenkapitalrendite (ROE), die Mitte 2023 noch um die 10 Prozent gekrebst hatte, kletterte im letzten Quartal wieder auf 17,6 Prozent. Die Strategie war klar: Fokussierung auf profitablere Kreditgeschäfte, wie mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie der gehobenen Kundschaft, während das Geschäft mit Geringverdienern etwas zurückgefahren wurde. Der von der spanischen Muttergesellschaft vorgegebene Plan sieht eine ROE von 20 Prozent bis 2028 vor – und Leão hinterlässt die Bank auf einem guten Weg.

Hinter den Kulissen heißt es, dass der Abgang kein plötzlicher Entschluss war. Bereits zu Jahresbeginn soll er der Konzernspitze seinen Rückzug aus persönlichen Gründen mitgeteilt haben. Mit 50 Jahren hat der Manager durchblicken lassen, dass er neue Herausforderungen sucht und seine Erfahrung in andere Branchen einbringen möchte.

Die Wahl fällt auf Gilson Finkelsztain: Warum er?

Und damit kommt Gilson Finkelsztain ins Spiel. Sein Name stand bei der Santander bereits seit einiger Zeit auf dem Zettel. Im vergangenen Jahr wurde er bereits für den Verwaltungsrat der Bank nominiert, zog seine Kandidatur aber zurück, um Interessenkonflikte mit der B3 zu vermeiden. Dieses Mal ist die Lage eine andere. Die spanische Muttergesellschaft hat nach einem Manager gesucht, der den brasilianischen Markt genau kennt und bereits eine Vergangenheit im Haus hat – Finkelsztain arbeitete zwischen 2011 und 2013 im Zinsgeschäft der Santander.

Mario Leão selbst sorgte für Beruhigung im Team. In einer internen Mitteilung betonte er, dass die Bank eine Reife erreicht habe, die eine strukturierte Nachfolge ermögliche. Seine Worte waren klar:

  • „Ich blicke sehr zufrieden auf die Zeit hier zurück“, hob er hervor und verwies auf die Errungenschaften und das hinterlassene Erbe;
  • „Ich wünsche Gilson viel Erfolg“, und fügte hinzu, dass der Übergang reibungslos verlaufen und die Strategie fortgesetzt werde;
  • „Brasilien ist ein Markt voller großer Chancen“, ein Ausdruck des Vertrauens von jemandem, der die Stärke des lokalen Geschäfts kennt.

Auch die Präsidentin der Santander-Gruppe, Ana Botín, meldete sich zu Wort. Sie dankte Leão für seine „sehr wichtige Rolle“ bei der Transformation der Bank und sagte, sie freue sich, Finkelsztain wieder im Team zu haben. „Seine Erfahrung und sein Renommee im brasilianischen Finanzsektor prädestinieren ihn für die Führung der nächsten Wachstumsphase“, so Botín.

Wer ist Gilson Finkelsztain?

Wer die B3 verfolgt, weiß, dass Finkelsztain kein Unbekannter ist. Er leitet die Börse seit 2017 – praktisch ein Jahrzehnt in dieser Position. Zuvor war er unter anderem für die Bank of America Merrill Lynch, JPMorgan, Citigroup und Cetip tätig. Mit einem Abschluss in Bauingenieurwesen von der PUC-Rio im Gepäck kann er auf eine solide Karriere zurückblicken. Er übernimmt bei der Santander in einer Zeit, in der die Bank das Spannungsfeld zwischen Wachstum und Rentabilität im harten Wettbewerb mit Fintechs meistern muss.

Der Manager hat bereits klargestellt, worauf sein Fokus liegen wird: die „solide Basis“, die er vorfindet, in konkrete Ergebnisse für Kunden, Aktionäre und die Gesellschaft umzuwandeln. Eine große Herausforderung – aber wer seine Zeit an der Börse verfolgt hat, weiß, dass er vor keiner großen Aufgabe zurückschreckt.

Und wie geht es nun weiter?

Bis Juli bleibt Mario Leão im Amt, um einen geordneten Übergang zu gewährleisten. Danach übernimmt Finkelsztain die Zügel der drittgrößten Privatbank des Landes. Die Santander setzt damit klar auf einen Schwergewichtsmanager, der den brasilianischen Kapitalmarkt wie kaum ein Zweiter kennt, um die Sanierungsstrategie fortzuführen und neue Wachstumsfelder zu erschließen.

Kunden, Anleger oder Geschäftspartner der Bank können beruhigt sein: Die strategische Ausrichtung auf ein selektiveres und profitableres Kreditgeschäft bleibt bestehen. Jetzt heißt es abwarten, wie der neue Kapitän das Schiff durch diese hart umkämpften Gewässer steuern wird.