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US-Aktienmarkt: Volatilität wie eine Achterbahn? Die Preis-Formel des „Spekulationskönigs“ Livermore zeigt, wann der richtige Moment zum Handeln ist

Finanzen ✍️ 華爾街老手 🕒 2026-03-10 23:29 🔥 Aufrufe: 1

Wer in den letzten Tagen die Märkte beobachtet hat, kennt das Gefühl: Die alte Regel, auf die man sich verlassen kann, ist wieder da – die Launenhaftigkeit des US-Aktienmarkts. Eben schien noch alles in bester Ordnung, und am nächsten Tag kann eine unerwartete geopolitische Meldung für einen Dämpfer sorgen. Wie erst gestern: Kaum gab es wieder rumoren aus dem Nahen Osten, gaben die Dow-Futures nach. Bei einem solchen Tempo der Stimmungswandel braucht man schon starke Nerven, um nicht völlig aus der Bahn geworfen zu werden.

Volatilität am US-Aktienmarkt

Nicht nur auf den Preis schauen: Die Zeit muss reif sein

Viele reagieren auf solche Marktphasen, indem sie hektisch nach Erklärungen suchen, Nachrichten verfolgen und Analysten lauschen, um dann überhastet ein- und auszusteigen. Um es klar zu sagen: Mit dieser Herangehensweise wird man am Markt nicht lange überleben. Die erfahrenen Marktakteure, die wirklich Bestand haben, wissen: Anstatt sich von Nachrichten treiben zu lassen, ist es besser, sich auf die fundamentalste Sprache des Marktes zu besinnen – Preis und Zeit.

In diesem Zusammenhang muss ich unweigerlich an den „Spekulationskönig“ Jesse Livermore denken, der für unzählige spätere Trader zur Leitfigur wurde. Dieser alte Meister bewegte die Märkte schon vor fast einem Jahrhundert. In seinem klassischen Werk „How to Trade in Stocks“ enthüllte er seine „Preis-Formel“, die bis heute nichts von ihrer Schärfe verloren hat.

Zu seiner Zeit gab es keinen programmgesteuerten Handel und keine komplexen Derivate. Aber die Grundprinzipien, nach denen der Markt funktioniert, haben sich nie geändert. Livermores Kernaussage war: Eine Aktie ist nicht allein deshalb kaufenswert, weil sie günstig ist, noch weil es eine positive Nachricht gibt. Man muss auf den „entscheidenden Zeitpunkt“ warten. Er nutzte das Konzept des „Zeitfaktors“ in Verbindung mit Volumen- und Preisbewegungen, um den wahren Startpunkt einer Bewegung zu identifizieren. Einfach ausgedrückt: Er wartete nicht darauf, „ob“ etwas steigen würde, sondern „wann“ es steigen würde.

Erinnert die aktuelle Lage am US-Markt nicht an einen „Gang auf dem Seil“?

Betrachtet man die heutige Situation am US-Aktienmarkt durch Livermores Brille, wird es hochinteressant. Die jüngsten Schwankungen, ob bei Technologieaktien oder den großen Indizes, bewegen sich oft in einer Spanne – ein ständiges Hin und Her. Nach oben gibt es Widerstand, nach unten springen Käufer ein. Das ist im Grunde der Prozess, in dem der Markt nach einem „Konsens“ sucht.

Für den aufmerksamen Beobachter ist klar: Die größte Unbekannte sind derzeit die internationalen Spannungen. Ein Kommentar eines US-Vertreters, schon springt der Ölpreis, und die Logik des gesamten Marktes scheint auf den Kopf gestellt. Aber Livermore würde uns lehren, dass solche durch Nachrichten verursachten Kurslücken oder hektischen Ausschläge oft nicht die wahre Richtung anzeigen. Der echte Trend zeigt sich erst, wenn sich die kurzfristigen Emotionen gelegt haben und der Markt wieder zur Ruhe kommt.

Versuchen wir, seine „Preis-Formel“ in einige beobachtbare Punkte zu unterteilen:

  • Trend bestätigen: Zuerst prüft man, ob der Gesamtmarkt in einem Aufwärtstrend, Abwärtstrend oder – wie jetzt – in dieser unangenehmen Seitwärtsbewegung steckt. Livermore betonte, man dürfe niemals gegen den übergeordneten Trend handeln. In einer Seitwärtsphase ist die beste Strategie schlicht: „warten“.
  • Geduldig auf den „entscheidenden Punkt“ warten: Sein entscheidender Punkt ist der Moment, in dem der Kurs die Spanne durchbricht und dies von steigendem Volumen begleitet wird. Das ist sein Signal zu handeln. Bevor dieses Signal nicht leuchtet, ist alle Bewegung nur Rauschen.
  • Bestätigung nach dem Einstieg: Ein Einstieg ist kein Glücksspiel. Nach dem Einstieg muss der Markt sofort in die erwartete Richtung laufen. Steigt der Kurs nach dem Kauf nicht weiter oder fällt sogar unter den entscheidenden Punkt zurück, dann lag man falsch und muss ohne Zögern wieder aussteigen.

Übertragen auf die aktuellen Tage: So verworren die Nachrichtenlage auch ist, die Indizes bewegen sich noch immer in einer breiten Spanne. Aus Livermores Sicht ist jetzt noch nicht die Zeit für den großen Einsatz gekommen. Anstatt darauf zu spekulieren, was ein bestimmter Politiker als nächstes sagen wird, ist es besser, sich zu beruhigen und die Aktien, die man kennt, genau zu beobachten: Zeigen sich Anzeichen, dass sie ihren „entscheidenden Punkt“ durchbrechen wollen?

Der Rat des alten Hasen: Lassen Sie Herrn Markt den Weg weisen

Ich sage oft zu Freunden: Beim Aktienhandel geht es nicht darum, wer die neuesten Informationen zuerst hat, sondern wer besser „sitzen bleiben“ und abwarten kann. Livermores Auf und Ab in seinem Leben hinterließ der Nachwelt vor allem eine wertvolle Lehre: Versuche nicht, den Markt vorherzusagen, sondern „passe“ dich ihm an.

Die gegenwärtige Lage ist, kurz gesagt, unklar. Wird die Pulverfass-Region Nahost explodieren? Wie entwickelt sich der Ölpreis weiter? Niemand hat eine definitive Antwort. Aber eines ist sicher: Der Markt wird letztlich auf seine eigene Weise die Antwort geben. Bis dahin sollten wir uns Livermores „Zeitfaktor“ zu Herzen nehmen und uns wie ein Scharfschütze verhalten, der geduldig auf den Augenblick der „Preis-Auslösung“ wartet. Bis dieses Signal erscheint, ist es manchmal klüger, zuzuschauen, als selbst zu spielen.