Mailand-Sanremo 2026: Kann Pogacar Van der Poel endlich auf der Via Roma besiegen?
Das erste Monument des Radsportkalenders hat eine ganz besondere Magie. Am Samstag, den 21. März, rollt das Feld in Pavia zur 117. Ausgabe von Mailand-Sanremo 2026 aus, und die Spannung ist greifbar. Dieses Bild kennt man: Tadej Pogacar, der auf der Cipressa angreift, und Mathieu van der Poel, der sich bedeckt hält und auf die perfekte Antwort auf dem Poggio lauert. Doch dieses Jahr fühlt sich alles anders an. Es ist fast so, als würde die gesamte Radsportwelt den Atem anhalten und fragen: Kann der Slowene es endlich zu Ende bringen?
Das Duell der Giganten: Der Fliegende Holländer gegen den Gelben Drachen
Machen wir uns nichts vor. Mailand-Sanremo 2026 dreht sich um zwei Männer. Auf der einen Seite der Weltmeister, Tadej Pogacar (UAE Team Emirates-XRG), der mittlerweile fast jede Trophäe gesammelt hat, aber bei der "Classicissima" noch keinen Haken setzen konnte. Er wurde Dritter, Vierter, Fünfter. Er hat alles versucht und in den letzten zwei Jahren die Taktik neu definiert, indem er auf der Cipressa erbarmungslos Druck machte. Er ist hungrig und in der Form, die wir zuletzt bei Strade Bianche bewundern konnten.
Auf der anderen Seite steht der amtierende Champion, Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech). Der Niederländer hat zwei der letzten drei Austragungen gewonnen und scheint in der Form seines Lebens zu sein. Er gewann Omloop Het Nieuwsblad mit einer souveränen Solo-Fahrt und dominierte seitdem Tirreno-Adriatico. Van der Poel besitzt die einzigartige Fähigkeit, Pogacar auf der Cipressa am Hinterrad zu folgen, seiner Explosivität auf dem Poggio Paroli zu bieten und ihn dann im Sprint auf der Via Roma zu schlagen. Es hat fast den Anschein, als hinge der Ausgang des Rennens mehr davon ab, ob Van der Poel einen schwachen Tag erwischt, als davon, wie stark Pogacar fährt.
Die italienische Sehnsucht: Können Ganna oder ein Lokalmatador die Macht brechen?
Während die beiden Topfavoriten die Schlagzeilen beherrschen, gibt es eine ganze Nation von Tifosi, die nach einem Heimsieg dürstet. Dieser könnte durchaus von Filippo Ganna (INEOS Grenadiers) kommen. Ganna war letztes Jahr in der entscheidenden Spitzengruppe und landete auf dem Podium. In Zeitfahr-Manier ist er eine Maschine, und wenn er die Abfahrt vom Poggio sicher meistert und auf der flachen Schlussgeraden nach Sanremo eine Lücke zu den anderen reißen kann, dann könnte er derjenige sein, der den Triumph nach Italien zurückbringt – zum ersten Mal seit Vincenzo Nibali 2018.
Darüber hinaus gibt es im Feld zahlreiche lokale Vertreter. Aus der Region Bergamo gehen sowohl sechs Fahrerinnen als auch vier Fahrer an den Start – eine stolze Tradition, die zeigt, wie viel dieses Rennen den örtlichen Radsportvereinen bedeutet. Die wenigsten von ihnen werden gewinnen, aber sie tragen die Seele des Klassikers mit sich über die Bergstraßen Liguriens.
Deutsche Radsportfans sollten ein Auge auf John Degenkolb (team dsm-firmenich PostNL) haben, der als Poggio-spezialist und ehemaliger Sieger (2015) immer für eine Überraschung gut ist, falls das Rennen in einen reduzierten Massensprint mündet. Voraussetzung ist natürlich, dass er den Anstieg des Poggio gut übersteht.
Der Frauen-Klassiker: Kann Wiebes ihren Triumph wiederholen?
Am selben Tag donnern auch die Frauen durch die Ligurische Riviera zur Mailand-Sanremo Donne 2026. Wie bei den Männern wird auch die Ausgabe der Frauen auf den letzten 30 Kilometern mit Tre Capi, Cipressa und Poggio entschieden. Die Vorjahressiegerin, die überragende Lorena Wiebes (SD Worx-Protime), kehrt zurück, um ihren Titel zu verteidigen. Sie ist zweifellos die Schnellste, falls es zu einem Sprint kommt. Aber die Frage ist, ob das Feld das zulassen wird? Teams wie UAE Team ADQ mit der ehemaligen Siegerin Elisa Longo Borghini und der formstarken Karlijn Swinkels werden versuchen, das Rennen auf der Cipressa schwer zu machen, um Wiebes abzuschütteln.
Es verspricht ein taktisches Meisterstück zu werden. Kann Wiebes' Teamkollegin, Lotte Kopecky, die Angriffe neutralisieren? Oder erleben wir eine Überraschung durch eine der vielen Herausforderinnen wie Marianne Vos oder Kasia Niewiadoma? Eines ist sicher: Es wird explosiv.
So seht ihr den Klassiker: Strecke, Zeiten und Sender
Die Strecke für das Mailand-Sanremo 2026 Preview umfasst stolze 298 Kilometer von Pavia nach Sanremo, neun Kilometer mehr als im Vorjahr. Die letzten 60 Kilometer gehören zu den intensivsten der gesamten Radsportsaison, mit den drei kleinen Anstiegen (Capi), gefolgt von der Cipressa und dann dem legendären Poggio, dessen Gipfel nur 5,4 Kilometer vor dem Ziel liegt.
Bereits seit heute Nachmittag gelten die ersten Fahrverbote rund um Sanremo – die Einheimischen wissen, dass der Klassiker vor der Tür steht. Für uns Daheimgebliebene heißt es: das Sofa bereitmachen und Eurosport 2 oder HBO Max einschalten, die das Rennen von Start bis Ziel übertragen. Es wird erwartet, dass das Feld am späten Nachmittag die entscheidenden Anstiege erreicht:
- Cipressa (Gipfel): Gegen ca. 16:45 Uhr
- Poggio (Gipfel): Gegen ca. 17:05 Uhr
- Voraussichtliche Ankunft auf der Via Roma: Gegen ca. 17:15 Uhr
Mailand-Sanremo (m) ist nicht nur ein Radrennen; es ist eine Schachpartie auf zwei Rädern, bei der die Figuren 80 Kilo wiegen und sich mit Watt statt Türmen schlagen. Freut euch auf einen Samstag, an dem wir endlich die Antwort darauf bekommen, ob die letzte uneroberte Festung für Pogacar fällt oder ob Van der Poel erneut beweist, dass er der größte Champion seiner Generation ist.