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Maischberger: Iran, Israel und das Völkerrecht – Eine Debatte, die unter die Haut geht

Politik ✍️ Michael Schmidt 🕒 2026-03-05 02:44 🔥 Aufrufe: 2
Sandra Maischberger in ihrer Talkshow

Gestern Abend im Ersten: Maischberger – und mal wieder ein Thema, das einem den Schlaf rauben kann. Während die Lage zwischen Iran und Israel weiter kocht, hat Sandra Maischberger drei Gäste eingeladen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es ging um Krieg, Frieden und die große Frage: Taugt das Völkerrecht überhaupt noch, oder schützt es am Ende nur die Falschen? Ich habe selten eine Runde erlebt, die so schnell unter die Haut ging.

Eine Runde mit Sprengkraft

Da saßen sie also: der Philosoph Richard David Precht, der Sicherheitsexperte Roderich Kiesewetter und die Iran-Wissenschaftlerin Azadeh Zamirirad. Drei Perspektiven, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Precht, der gerne grundsätzlich denkt, Kiesewetter, der die Realpolitik aus dem Nato-Umfeld kennt, und Zamirirad, die den Blick aus Teheran mitbringt. Maischberger musste kaum moderieren – die Diskussion entzündete sich von selbst.

Völkerrecht – Schutzmacht der Diktatoren?

Der Funke sprang über, als es um die Frage ging, ob das Völkerrecht in der aktuellen Krise versagt. Kiesewetter polterte los: Das Regelwerk sei zu langsam, zu bürokratisch. Während man in New York noch rede, würden in Nahost Raketen fallen. Precht konterte gewohnt souverän: Das Völkerrecht sei das Einzige, was uns vor dem nackten Recht des Stärkeren bewahre. Aber dann kam der Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht: „Das Völkerrecht schützt manchmal auch die, die es eigentlich untergraben“, warf Zamirirad ein. Sie spielte auf die Interpretation an, dass sich autoritäre Regime hinter Souveränitätsrechten verstecken können – ein Gedanke, der kürzlich in der öffentlichen Diskussion für Furore sorgte. Die Runde war sich einig: Das Dilemma ist riesig.

Drei Punkte, die hängen blieben

Für alle, die es verpasst haben – hier die drei Kernkonflikte der Sendung:

  • Abschreckung oder Eskalation? Kiesewetter argumentierte, nur militärische Härte schrecke das Regime in Teheran ab. Zamirirad warnte dagegen vor einer Brandstiftung, die die gesamte Region erfassen könne.
  • Die Rolle der USA: Precht hinterfragte, warum Washington immer noch als Weltpolizist auftrete, aber keine klare Kante gegen Netanjahu zeige. Die anderen zwei widersprachen – ein Schlagabtausch, der zeigte, wie zerrissen das transatlantische Verhältnis ist.
  • Der innenpolitische Druck: Zamirirad brachte die Stimmung in Iran ein: Die Bevölkerung sei kriegsmüde, aber die Propaganda laufe auf Hochtouren. Ein seltener Einblick hinter die Kulissen des Gottesstaats.

Am Ende stand keine einfache Lösung. Aber genau das macht die Maischberger-Sendung so wertvoll: Sie zwingt zum Weiterdenken. Wer gestern nicht eingeschaltet hat, sollte sich die Mediathek unbedingt ansehen – das ist Politik zum Anfassen, fernab von jedem Sonntagsreden-Geschwätz.