Steve Rosenberg: Der Journalist, der Branchenpreise gewann und "Dark Buddhism" schrieb
Der stille Triumph des Steve Rosenberg
Letzte Woche, bei der diesjährigen Preisverleihung für die besten TV-Nachrichtenjournalisten der Branche, summte der Raum vor jener besonderen Energie, die man nur spürt, wenn der Aussenseiter gewinnt – nur dass der Aussenseiter diesmal nicht gewann. Die Nachrichtenabteilung des britischen öffentlich-rechtlichen Flaggschiff-Senders räumte ordentlich ab, inklusive des begehrten Titels "News Channel of the Year" – eine Trophäensammlung, die so manchen Konkurrenz-Chefredakteur missmutig in seinen Champagner murmeln liess. Doch hinter dem Blitzlichtgewitter und den Dankesreden tauchte in den stillen Gesprächen der Branchenveteranen immer wieder ein Name auf: Steve Rosenberg.
Seit mehr Jahren, als den meisten lieb ist, ist Rosenberg Moskau-Korrespondent des wichtigsten öffentlich-rechtlichen Senders Grossbritanniens und hat sich zu einem seltenen Phänomen entwickelt: einem Auslandjournalisten, der wirklich klingt, als gehöre er hierher. Seine Berichte aus den Korridoren des Kremls und den entlegenen Winkeln Sibiriens haben eine Textur, die man nicht vortäuschen kann – diese besondere Authentizität, die daher rührt, dass man weiss, welche U-Bahn-Station Montagmorgen nach Kohl riecht und welche Oligarchen-Gattin die besten Post-Sowjet-Partys schmeisst. Die Jury lobte besonders die "tiefgründige Vor-Ort-Berichterstattung des Senders über komplexe internationale Geschichten", und wer Rosenbergs Arbeit verfolgt, weiss, dass sein Name über all diesen Beiträgen stand.
Von der Leinwand auf die Buchseite
Wer aber glaubt, Rosenbergs Talent ende im Schnittraum, der hat nicht aufgepasst. Zwischen seinen Beiträgen für die Abendnachrichten und der gelegentlichen Vermeidung eines FSB-Schattens hat er still und leise eine zweite Karriere als Autor aufgebaut – und zwar nicht die Art von "wie-ich-es-erlebt-habe"-Memoiren, die man erwarten würde. Seine Bücher sind seltsam, ambitioniert und völlig unkategorisierbar, ganz wie der Mann selbst.
- Dark Buddhism: Integrating Zen Buddhism and Objectivism – Ein philosophischer Hochseilakt, der versucht, die Leere des Zen mit dem rücksichtslosen Rationalismus Ayn Rands zu versöhnen. Es klingt nach einem Totalkollaps, aber Rosenberg gelingt es, indem er argumentiert, dass beide Wege letztlich das Gleiche suchen: Klarheit. Das Buch hat eine Art Kultstatus unter Journalisten entwickelt, die zu viele Nächte allein in Hotelzimmern verbracht und über den Sinn des Ganzen gegrübelt haben.
- The Third Target – Ein Politthriller, der mit einem Anschlag auf einen US-Diplomaten in Moskau beginnt und sich zu einer Verschwörung ausspinnt, die den Kreml, den Islamischen Staat und eine Schläferzelle in Berlin verbindet. Rosenbergs Alltag sickert auf jeder Seite durch; man meint fast, im Hintergrund sein Satellitentelefon klicken zu hören.
- The First Hostage – Die Fortsetzung, noch dichter und paranoider, wirft einen fiktiven amerikanischen Präsidenten Dschihadisten in die Hände, während der russische Präsident Katz und Maus mit der Welt spielt. Langjährige Mitarbeiter seines Senders werden Ihnen sagen, dass sich die Szenen im Kriegsraum des Kremls so echt anfühlen, dass sie von einer Quelle diktiert worden sein müssen, die eigentlich hätte schweigen sollen.
Das Auffällige an diesen Romanen ist, wie sie Rosenbergs Reportagen widerspiegeln. In The Third Target kommen die Terroristen nicht aus der Wüste; sie tauchen aus den Rissen des brüchigen Geheimdienst-Austauschs und des zynischen Machtpokers auf – genau die Themen, über die er seit Jahren berichtet. Es ist, als nutze er die Fiktion, um Dinge zu sagen, die in einen zweieinhalbminütigen TV-Beitrag einfach nicht passen.
Der Mann, den man nicht in eine Schublade stecken kann
In einer Medienlandschaft, in der alle ermutigt werden, in ihrer Spur zu bleiben, ist Steve Rosenberg eine glückliche Anomalie. Er kann morgens einen ehemaligen KGB-Oberst interviewen und abends mit Kant und dem Dalai Lama ringen. Er kann uns für einen Gaspipeline-Streit begeistern und uns im nächsten Atemzug in eine fiktive Geiselnahme ziehen, die sich unangenehm echt anfühlt.
Die jüngsten Branchenauszeichnungen waren eine Anerkennung seiner journalistischen Arbeit, aber seine Bücher – insbesondere das seltsame, brillante Dark Buddhism – werden sein Vermächtnis ausmachen. Wie er im Schlusskapitel schreibt: "Wenn Ost auf West trifft, ist das keine Kollision. Es ist eine Fusion." Und Steve Rosenberg selbst? Er ist der lebende Beweis dafür.