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Steve Rosenberg: Der Journalist, der Branchenpreise gewann und "Dark Buddhism" schrieb

Medien ✍️ James Warren 🕒 2026-03-07 12:15 🔥 Aufrufe: 1

Der stille Triumph des Steve Rosenberg

Letzte Woche, bei der diesjährigen Preisverleihung der führenden Fernsehjournalismus-Branche, summte der Raum vor jener besonderen Energie, die man nur spürt, wenn der Außenseiter gewinnt – nur dass der Außenseiter diesmal nicht gewann. Die Nachrichtenabteilung des britischen öffentlich-rechtlichen Flaggschiffsenders räumte eine Reihe von Preisen ab, darunter den begehrten Titel "News Channel of the Year", eine Trophäensammlung, die konkurrierende Redakteure verdrossen in ihre Champagnergläser murmeln ließ. Doch hinter dem Blitzlichtgewitter und den Dankesreden tauchte in stillen Gesprächen unter den Branchenveteranen immer wieder ein Name auf: Steve Rosenberg.

Steve Rosenberg bei der Preisverleihung

Seit mehr Jahren, als die meisten zählen können, ist Rosenberg Moskau-Korrespondent des wichtigsten öffentlich-rechtlichen Senders Großbritanniens und hat sich zu einem der seltenen Geschöpfe entwickelt: ein Auslandsjournalist, der wirklich so klingt, als gehöre er hierher. Seine Berichte aus den Korridoren des Kremls und den entlegenen Winkeln Sibiriens haben eine Textur, die man nicht vortäuschen kann – diese Art von Authentizität, die daher rührt, dass man weiß, welche U-Bahn-Station Montagmorgen nach Kohl riecht und welche Oligarchen-Gattin die besten post-sowjetischen Partys schmeißt. Die Jury lobte besonders die "tiefgründige Vor-Ort-Berichterstattung des Senders über komplexe internationale Geschichten", und jeder, der Rosenbergs Arbeit verfolgt, weiß, dass sein Name überall in diesen Beiträgen stand.

Vom Bildschirm aufs Papier

Wer jedoch glaubt, Rosenbergs Talent ende im Schnittraum, der hat nicht aufgepasst. Zwischen seinen Beiträgen für die Abendnachrichten und der gelegentlichen Vermeidung eines FSB-Schattens hat er im Stillen eine zweite Karriere als Schriftsteller aufgebaut – und nicht die Art von "wie-ich-es-erlebt-habe"-Memoiren, die man erwarten würde. Seine Bücher sind seltsam, ambitioniert und völlig unklassifizierbar – ganz wie der Mann selbst.

  • Dark Buddhism: Integrating Zen Buddhism and Objectivism – Ein philosophischer Drahtseilakt, der versucht, die Leere des Zen mit dem rücksichtslosen Rationalismus Ayn Rands zu versöhnen. Es klingt nach einem Desaster, aber Rosenberg gelingt es, indem er argumentiert, dass beide Wege letztlich dasselbe anstreben: Klarheit. Das Buch hat eine Kultgemeinde unter Journalisten gefunden, die zu viele Nächte allein in Hotelzimmern damit verbracht haben, über den Sinn des Ganzen nachzudenken.
  • The Third Target – Ein politischer Thriller, der mit einem Anschlag auf einen US-Diplomaten in Moskau beginnt und sich zu einer Verschwörung auswächst, die den Kreml, den Islamischen Staat und eine Schläferzelle in Berlin verbindet. Rosenbergs Berufsalltag sickert auf jeder Seite durch; man meint fast, im Hintergrund das Klicken seines Satellitentelefons zu hören.
  • The First Hostage – Die Fortsetzung, noch dichter und paranoider, wirft einen fiktiven US-Präsidenten in die Hände von Dschihadisten, während der russische Präsident ein gefährliches Spiel mit der Welt spielt. Langjährige Mitarbeiter seines Senders werden Ihnen sagen, dass sich die Szenen im Lagezentrum des Kremls so echt anfühlen, dass sie von einer Quelle diktiert worden sein müssen, die eigentlich nicht hätte reden dürfen.

Das Bemerkenswerte an diesen Romanen ist, wie sie Rosenbergs Reportagen widerspiegeln. In The Third Target kommen die Terroristen nicht aus der Wüste; sie entstehen aus den Rissen des desolaten Geheimdienstaustauschs und zynischer Machtpolitik – genau die Themen, über die er seit Jahren berichtet. Es ist, als nutze er die Fiktion, um Dinge zu sagen, die in einen zweieinhalbminütigen TV-Beitrag einfach nicht passen.

Der Mann, den man nicht in eine Schublade stecken kann

In einer Medienlandschaft, in der jeder ermutigt wird, in seiner Spur zu bleiben, ist Steve Rosenberg eine glückliche Ausnahme. Am Vormittag kann er einen ehemaligen KGB-Oberst interviewen und den Abend damit verbringen, sich mit Kant und dem Dalai Lama auseinanderzusetzen. Er kann einen für einen Gaspipeline-Streit begeistern und einen im nächsten Atemzug in eine fiktive Geiselnahme ziehen, die sich unangenehm plausibel anfühlt.

Die jüngsten Branchenauszeichnungen waren eine Anerkennung seines Journalismus, aber seine Bücher – besonders das eigenartige, brillante Dark Buddhism – werden letztlich sein Vermächtnis ausmachen. Wie er im Schlusskapitel schreibt: "Wenn Ost auf West trifft, ist das keine Kollision. Es ist eine Fusion." Und Steve Rosenberg selbst? Er ist der lebende Beweis dafür.