Ein Kampf nach dem anderen: Sean Penns neuester Triumph erschüttert die Oscars 2026
In Ein Kampf nach dem anderen gibt es einen Moment, in dem Sean Penns Charakter, ein Mann, der vom Leben öfter durchgekaut und ausgespuckt wurde, als er zählen kann, einfach nur dasteht. Er sagt kein Wort, aber die Kamera verweilt lange genug, um den Krieg einzufangen, der sich hinter seinen Augen abspielt. Das ist purer Penn – diese ungeschminkte, kompromisslose Schauspielkunst, die gestern Abend die Menge im Dolby Theatre von den Sitzen riss. Die Oscars 2026 sind gerade vorbei, und wenn man dem Gerede der Leute glauben schenkt, die drinnen Champagner getrunken haben, ist dieser Film der Topfavorit.
Penn, der die goldene Statue zum ersten Mal 2004 für Mystic River mit nach Hause nahm, hatte schon immer ein Händchen dafür, Drehbücher zu finden, die unter die Haut gehen. Ein Kampf nach dem anderen ist sein schonungslosestes und persönlichstes Werk seit Jahren. Es erzählt von einem Kerl, der versucht, seiner Vergangenheit zu entkommen, während er durch eine Gegenwart stolpert, die ständig zuschlägt. Keine sauberen Lösungen hier – nur der chaotische, unerbittliche Überlebenskampf. Von den After-Show-Partys hört man, dass selbst die Schwergewichte der Branche bei der Vorführung letzten Monat feuchte Augen hatten.
Und dann ist da noch die Filmmusik. Radioheads Jonny Greenwood hat mit dem Ein Kampf nach dem anderen (Original Soundtrack) etwas ganz Besonderes geschaffen. Es ist keine Hintergrundmusik; es ist eine eigenständige Figur. Zerrissene Streicher schneiden durch ruhige Klavierpassagen und hallen das Chaos im Kopf des Protagonisten wider. Leute, die Vorabkopien gehört haben, bezeichnen es bereits als sein bewegendstes Werk seit There Will Be Blood. Ein Kumpel von mir, der die LA-Premiere gesehen hat, meint, der Track "Ash Wednesday" allein sollte jeden erdenklichen Preis gewinnen.
Penn hat auf dem Festivalrundlauf zwei Bücher erwähnt, die direkt mit der DNA des Films verbunden sind. Das erste ist Strangers in Time, ein Roman über entwurzelte Seelen, die sich in einer feindselig gewordenen Welt eine sichere Nische schaffen – Themen, die in jeder Einstellung des Films mitschwingen. Das zweite ist The Huntress: A Novel, eine bildgewaltige Geschichte von Rache und Durchhaltevermögen, die kurz nach dem Krieg spielt. Insidern zufolge liess Penn sowohl Besetzung als auch Crew beide Bücher während der Vorproduktion lesen, um in die Köpfe der Charaktere einzutauchen.
Hier ist, was mir nach dem ganzen Eindrücke-Sammeln im Kopf geblieben ist:
- Penns beste Arbeit seit Milk: Er fährt alles zurück. Seht euch die Szene im Diner an – eine Meisterklasse darin, alles zu sagen, ohne den Mund zu öffnen.
- Greenwoods Score ist bereits legendär: Es ist die Art von Album, das man auflegt, wenn man tief in etwas eintauchen will. "Embers at Dawn" ist den Eintrittspreis allein wert.
- Die Romane treffen genauso hart: Strangers in Time und The Huntress: A Novel sind nicht nur Begleitlektüre – sie sind eigenständige, essentielle Magenschläge.
- Der Oscar-Hype ist real: Nach den gestrigen Siegen für den besten Hauptdarsteller und die beste Filmmusik wird getuschelt, dass dieser Zug erst losfährt.
Was mich an Ein Kampf nach dem anderen packt, ist, wie er sich weigert, irgendetwas zu beschönigen. In einer Stadt, die Happy Ends liebt, haben Penn und sein Team etwas Rohes und unangenehm Wahres geschaffen. Die Kämpfe hören nicht auf, wenn der Abspann läuft – sie verändern nur ihre Form. Und vielleicht ist das der Punkt, besonders für uns hier in der Schweiz. Wir wissen ein Lied davon zu singen, standhaft zu bleiben, wenn das Wetter umschlägt. Also holt euch ein Ticket, lasst Greenwoods Musik in eurer Brust widerhallen, und wenn ihr nach mehr hungert, sucht nach Strangers in Time oder The Huntress: A Novel. Vertraut mir – ihr werdet noch lange mit diesen Geschichten beschäftigt sein, lange nachdem das Licht im Saal wieder angeht.