Live Nation einigt sich im Kartellrechtsstreit! Wird der Konzertriese zerschlagen? Rob Light lenkt ein – Erdbeben auf dem Veranstaltungsmarkt
In den letzten Tagen war die Aufmerksamkeit der globalen Unterhaltungsbranche und der Finanzmärkte auf einen Namen gerichtet: Live Nation. Der Gigant, der die Konzertwelt dominiert, hat sich endlich mit den Kartellwächtern in Washington geeinigt und den jahrelangen Rechtsstreit beigelegt, der beinahe zur Zerschlagung des Unternehmens geführt hätte. Als Branchenkenner, der miterlebt hat, wie sich die Firma vom einfachen Veranstalter zum heutigen «Weltmarktführer» entwickelte, ist mein erster Eindruck: Diesmal musste Rob Light (der starke Mann von Live Nation) wohl oder übel klein beigeben.
Jahrelanger Rechtsstreit: Worum ging es eigentlich?
Eingeweihte wissen, dass es in Washington von Anfang an vor allem um Live Nations Tochtergesellschaft Ticketmaster ging. Dieser Ticketanbieter kontrolliert praktisch über 90% des Kartenverkaufs in Nordamerika. In Kombination mit Live Nations eigenem Künstlermanagement und Venue-Betrieb entsteht ein geschlossenes Ökosystem. Der Ticketdesaster um Taylor Swifts «Eras Tour» brachte das Fass dann endgültig zum Überlaufen. Der Öffentlichkeit wurde schlagartig bewusst, dass ein und dasselbe Unternehmen darüber bestimmt, wo ein Künstler auftritt, in welcher Location und wo man die Karten kauft. Bei einer solchen vertikalen Integration mussten die Wettbewerbshüter doch einschreiten, oder? Sie wollten Live Nation schon lange zur Abspaltung von Ticketmaster oder sogar zur kompletten Zerschlagung zwingen.
Die Vergleichsbedingungen: Live Nation macht Zugeständnisse
Da heute von einer Einigung die Rede ist, sind natürlich beide Seiten aufeinander zugegangen. Aber wenn man sich das Abkommen genauer ansieht, glaube ich, dass Rob Light dieses Mal richtig Federn lassen musste. Zwar bleibt dem Unternehmen eine sofortige Zerschlagung erspart, aber die Gegenleistungen sind happig:
- Ticketmaster muss Schnittstellen (APIs) öffnen: Konkurrenten können künftig ebenfalls Tickets über Ticketmasters System verkaufen. Die Mauer der Monopolstellung hat endlich ein Loch.
- Keine Vergeltung gegenüber Veranstaltungsorten: Früher konnte es passieren, dass Live Nation grosse Shows in eine Nachbarstadt verlegte, wenn eine Location nicht Ticketmaster nutzte. Solche Knebelverträge («Kopplungsgeschäfte») sind ab sofort verboten.
- Verkauf von Vermögenswerten: Es kommt nicht zur kompletten Abspaltung von Ticketmaster, aber Live Nation muss die Betriebsrechte für einige regionale Veranstaltungsorte in den USA abgeben, um die Marktkonzentration zu verringern.
Diese Liste hat die gesamte Branche erschüttert. Für die Konsumenten bedeutet das direkt: Die Auswahl beim Ticketkauf wird grösser. Man ist nicht mehr den «dynamischen Preisen» und «horrenden Gebühren» von Ticketmaster schutzlos ausgeliefert.
Was bedeutet das für Hongkong-Fans? Wie geht es für Live Nation HK weiter?
Und in Hongkong? Hier interessiert natürlich brennend, ob die hiesige Dependance Live Nation HK in Mitleidenschaft gezogen wird. Immerhin steckt die Firma hinter so gut wie allen grossen Konzerten hier – von Coldplay über BLACKPINK bis hin zu MIRROR und internationalen Superstars. Obwohl sich der Vergleich hauptsächlich auf den US-Markt bezieht, wird ein multinationaler Konzern die Auswirkungen der Politik zu spüren bekommen. Ich höre von Kollegen, dass sich kurzfristig nicht viel ändern wird. Schliesslich ist das Ticketing-Geschäft in Asien ganz anders aufgestellt; hier fehlt quasi die «Erbsünde» Ticketmaster. Langfristig aber, wenn das Mutterhaus in den USA unter Druck steht, wird auch bei der Kostenkontrolle für neue Tourneen hierzulande eher der Gürtel enger geschnallt. Einfach gesagt: Für wahre Megaproduktionen in Hongkong wird man wohl warten müssen, bis sich der ganze Staub in den USA gelegt hat.
Eine neue Ära für den Konzertmarkt: Vom Monopol zur Rivalität
Rückblickend markiert dieser Rechtsstreit das Ende einer Ära. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Live Nation vom zweitklassigen Veranstalter durch ständige Übernahmen und Integrationen zum «Römischen Reich» der Branche gemausert und viele kleine Player geschluckt. Doch dieser Vergleich hat eine Bresche geschlagen. Andere grosse Player wie AEG, MSG und Co. bekommen endlich ihre Chance. Ich wage zu behaupten: In den nächsten fünf Jahren werden wir auf dem Konzertmarkt ein «Zeitalter der Rivalität» erleben. Für die Konsumenten bedeutet mehr Wettbewerb theoretisch transparentere Preise und besseren Service. Andererseits könnten die Produktionskosten, ohne den einen Riesen, der alle Ressourcen bündelt, stärker auf die Ticketpreise durchschlagen. Alles hat zwei Seiten.
Wie dem auch sei: Rob Light hat diesen Prozess verloren, aber Zeit gewonnen. Ob ihm diese Atempause reicht, um den Kurs dieses «Unterhaltungsflugzeugträgers» neu auszurichten, wird sich in den kommenden Jahren zeigen müssen.